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"Die Dreieinige Göttin", 46. Blog

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ASTROLOGY
LatitudeStock - David Williams via Getty Images
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Tag und Jahr lassen sich auf verschiedene Weise einteilen. Je nach der Wahl stehen dann unterschiedliche Aspekte der genannten Zeiträume im Vordergrund.

Betrachten wir zuerst die Zweigliederung, die uns bei Jahr wie Tag auf Polaritäten hinweist und uns zu einer mehr „physikalischen", deutlich wahrnehmbaren Seite führt: Wir finden z. B. die Polarität von Hell und Dunkel, Warm und Kalt, Trocken und Feucht, also fundamental gegensätzliche Zustände, die wir sinnlich in Tag und Nacht oder Sommer und Winter erleben können.

Anders verhält es sich, wenn wir das Jahr und den Tag bezüglich ihrer Vierheit betrachten: Das führt uns zu Jahres- und Tageszeiten, die schon nicht mehr ganz so deutlich zu unterscheiden sind, wie die eben genannten Polaritäten mit ihren scharfen Gegensätzen. Während Frühling, Sommer, Herbst und Winter noch vorstellbare Begriffe aus Sprache und Kultur darstellen, die sich im Naturgeschehen einigermaßen wiederfinden lassen, verschwimmen die des Tages in „Grauzonen": Morgen, Mittag, Abend und Nacht sind zwar ebenfalls klare Begriffe, doch verknüpfen wir mit ihnen nicht mehr eine Viertelung des Tages, und gezielte Fragen zeigen alsbald, wie tief die Unklarheiten wirklich gehen: Wie lange dauern Morgen, Mittag, Abend und Nacht? Von wann bis wann reichen sie? Was kennzeichnet sie? Verhalten sie sich das Jahr über stets gleich? Während wir den Jahreszeiten gleichlange Zeiträume von jeweils 3 Monaten zugestehen, stoßen wir beim Vierteln der Tageszeiten schnell an Grenzen. Die vier genannten Zeiten sind jeweils nur zweistündige Ausschnitte aus dem Tagesgeschehen.

Die Vierheit weist auf das verborgene Leben von Jahr und Tag hin. In den mittelalterlichen Alchimisten- und Esoterikerkreisen wurden mit der Vier die „Lebewesen" der vier „Elemente" (Erde, Wasser, Luft und Feuer), die der Stoffeswelt zugrunde liegen (fest, flüssig, gasförmig, plasmatisch/„glutförmig") verknüpft:

DIE WELT DER STEINE, ERZE UND ERDEN MIT DEN ZWERGEN ODER GNOMEN,
DIE DES WASSERS, DER GEWÄSSER UND ALLER FEUCHTE MIT DEN NIXEN ODER UNDINEN,
DIE DER LUFT, DER GASE UND WINDE MIT DEN ELFEN ODER SYLPHEN,
DIE DES FEUERS, DER GLUTEN UND DER WÄRME MIT DEN FEUERGEISTERN ODER SALAMANDERN.

Was wir heute als „tote" Materie (Festes, Flüssiges, Gasförmiges, „Glutförmiges") betrachten, erschien unseren Vorfahren von „Geistern" oder „Wesen" durchlebt, welche als „Diener" oder „Handlanger" der Engel-Hierarchien angesehen wurden, wobei das im Christentum verwendete Wort „Engel" (= Bote) lediglich ein Synonym für das vorchristliche Wort „Götter" darstellte.

Wieder einen anderen Aspekt von Jahr und Tag zeigt die Betrachtung nach der Dreiheit der genannten Zeiten. Die Triaden eröffnen sogleich große Zusammenhänge, weil sie seit alters als Spiegel der Gottheit angesehen werden. Die älteste Kultur, zu der wir durch Bruchstücke noch Zugang finden können, ist die Kultur der Großen Mutter-Göttin, welche vor der Zeit der indogermanischen Völkerwanderung (etwa 1200 v. Chr.) und damit vor der Zeit des Patriarchats bestand. Zur Erinnerung: Um diese Zeit fielen die patriarchal orientierten Dorer oder Dorier in Griechenland ein. Die Kultur der Großen Mutter spiegelte sich dann zu Teilen in allen folgenden patriarchalen Kulturen wider, wurde aber bekämpft und nach und nach verdrängt. Was in alter Zeit Weiße, Rote und Schwarze Göttin der dreieinigen Großen Mutter genannt wurde, erscheint z. B. bei den Germanen als die Trias der Nornen, die Dreiheit Urd, Werdandi und Skuld. Wie im 25. Blog bereits erwähnt, gab es die Trinitäten von Ägypten, Babylonien, Sumer an bis zu den indogermanischen Indern, Kelten, Griechen, Germanen und anderen. Die Trinitas ist also keine neue Errungenschaft des Christentums.

Mit der Drei klopfen wir gewissermaßen an die Pforten des Universums. Diese Zahl liegt allem Gewordenen zu Grunde. Der Mensch ist nach ihr gestaltet („nach dem Bilde der Gottheit") in Mädchen/Jungfrau, Mutter und Ahnin; in Körper, Seele und Geist; in Kopf, Leib und Glieder; in Nerven-Sinnes-Organisation, Rhythmischen Bereich und Stoffwechsel-Gliedmaßen- Organisation; in Denken, Fühlen und Wollen.

Zeit und Raum sind nach ihr ausgerichtet („Dreifach ist des Raumes Maß", „Dreifach ist der Schritt der Zeit", s. Gedicht von Friedrich Schiller!). Wir finden sie in der Pflanzenwelt (Wurzel/Knolle, Blatt/Stängel, Blüte/Frucht), im Tierreich (Nagetiere und Ähnliche, Raubtiere und Ähnliche, Huftiere und Ähnliche), selbst beim Gestein, dessen Urbild (Granit) sich in Feldspat, Quarz und Glimmer gliedert. Wir finden auch drei Gesteinsarten, das vulkanische, das Sediment- und das Metamorphe Gestein.

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