Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Michael Duesberg Headshot

"Die Dreieinige Göttin", 40. Blog

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FRAU HOLLE
ullstein bild via Getty Images
Drucken

Nach allem, was wir über die steinzeitlichen Menschen wissen, war ihnen das Kriegswesen fremd. Das Töten war allein in Verbindung und im Einklang mit der Welt der Großen Mutter denkbar und wurde nach Notwendigkeit gehandhabt, also etwa beim Fallenstellen, der Jagd oder beim Schlachten. Auch auf den steinzeitlichen Darstellungen der Höhlenmalerei finden wir zwar Jagdgerät und Jagdszenen, nicht aber kriegerische Darstellungen oder Waffen. In dieser Beziehung war die Kultur der Großen Mutter hochmodern.

Da heutzutage die Abwesenheit von Nebengöttern (warum auch immer) als „fortgeschritten" angesehen wird, käme der steinzeitlichen Anschauung ebenfalls eine erstaunliche Aktualität zu. Zudem finden wir in ihr das Urbild der Dreieinigkeit, welches von etlichen späteren Religionen übernommen wurde, so auch vom Christentum.

Ohne die christliche Anschauung schmälern zu wollen, haben wir bei ihr eine Religion vor uns, die mitnichten monotheistisch genannt werden kann: Schon Dionysos Areopagita (1. christliches Jahrhundert), der spätere Bischof von Athen, schrieb über die dreimal drei Engelreiche der geistigen Welt, als da sind:

ANGELOI, ARCHANGELOI, ARCHAI
EXUSIAI, DYNAMEIS, KYRIOTETES
SERAPHIM, CHERUBIM UND THRONE

Da im Christentum der Sammelname jener geistigen Wesen, die man früher „Götter" genannt hatte, in „Engel" umgewandelt worden war, schien es nur noch eine einzige Gottheit zu geben. De facto stimmt das aber nicht.

Durch die weite räumliche, aber auch die riesige zeitliche Verbreitung der Mythologie der Großen Mutter war diese Weltanschauung Völkern unterschiedlichster Art zu Eigen, die zudem unter verschiedenen Bedingungen und klimatischen Verhältnissen lebten. Teile dieser Menschheit standen noch auf der Stufe von Wildbeutern, andere auf der Stufe nomadenhafter Jäger und Sammler mit geringem Besitz an Kleinvieh; wieder andere hatten den Entwicklungsstand sesshafter Gärtner oder Ackerbauern und Viehzüchter erreicht. Daher variierten auch ihre mythologischen Bilder vom Jahreszyklus. Die Zuordnung der Jahreszeiten zu den drei Aspekten der Großen Mutter war in den gemäßigten Breiten und Klimaten, in heutigen Monaten ausgedrückt, wohl etwa folgende:

MÄRZ, APRIL, MAI und JUNI war die Emanation der BRAUT (JÄGERIN),
JULI, AUG., SEPT. und OKT. war die Emanation der MUTTER (HERRIN),
NOV., DEZ. und JANUAR war die Emanation der ALTEN (AHNIN).

Die Beziehung nicht allein zum Raum (Erde), sondern auch zur Zeit finden wir auch noch in der späteren (patriarchalisch orientierten) germanischen Kultur, wo die drei Nornen, die Spinnerinnen und Weberinnen URD, VERDANDI UND SKULD nicht nur den Lebens-, Gedanken- und Schicksalsfaden bearbeiten, sondern auch zuständig sind für die drei Zeiten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Wir wollen uns daher in den folgenden Kapiteln vermehrt dem Phänomen Zeit widmen und es wieder in den mythologischen Zusammenhang stellen, aus dem es in der Vergangenheit herausgefallen ist.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: