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"Die Dreieinige Göttin", 37. Blog

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Lucia aus Syrakus (Legende)

Zur Zeit der Urchristen lebte in Syrakus eine Jungfrau, die wurde weit und breit ihrer großen Schönheit wegen gerühmt. Vor allem ihre Augen waren so herrlich anzuschauen, dass niemand in sie blicken konnte, ohne ein besserer Mensch zu werden.

Diese Jungfrau hieß Lucia. Ihre Eltern waren dem jungen Christenglauben zugetan und Lucia wurde in ihm erzogen. In Gebet und Versenkung fand sie ihre größte Freude. Sie hatte darum beschlossen, sich ganz dem Glauben zu weihen und wollte unvermählt bleiben.

Aber der Sohn des römischen Statthalters entbrannte in Liebe zu ihr und Lucias reine Freundschaft war ihm nicht genug, So bat er sie, seine Gemahlin zu werden. Lucia wies sein Werben freundlich zurück, worauf der Jüngling nur desto stürmischer in sie drang. Schließlich, da kein Bitten half, begann er zu drohen: Wenn Lucia nicht die Seine würde, so wolle er sie und die Ihren bei seinem mächtigen Vater als Christen anzeigen.

Lucia wusste sich nicht mehr zu helfen. In ihrer Not stach sie sich die schönen Augen aus, die des Jünglings Herz verführt hatten, und ließ sie ihm auf silbernem Teller bringen. Er ward darüber bestürzt und tief erschüttert. Sogleich ließ er von seinem Ansinnen ab; ja, er wurde selbst Christ und diente fortan in Demut der frommen Gemeinde. Beim nächsten heiligen Abendmahl jedoch, das Lucia entgegennahm, wuchsen ihr neue Augen, die waren noch viel schöner als die verlorenen. So genas sie und wurde wieder sehend.

Lucia - Sage aus Norrland

Bevor Gottvater Eva erschuf, hatte Er Adam eine ganz andere, aus Erde geformte Frau zum Weibe gegeben: Sie hieß Lucia und war wild und schön. Aber als Stamm-Mutter des Menschengeschlechts war sie ungeeignet: Sie hielt sich nicht an Gottes Gebote und naschte vom Apfel des verbotenen Baumes. Und nicht genug damit, sie verführte auch Adam dazu, dass er davon aß. So mussten Adams das Paradies verlassen.

Sie siedelten sich unten auf der harten Erde an. Lucia war darüber nicht weiter traurig. Den Tieren näher als den Menschen, war sie Adam eine unersättliche Nachtgefährtin, so dass ihrer beiden Nachkommen bald alle Räume des Hauses füllten. Adam kam mit dem Anbauen neuer Kinderzimmer nicht mehr nach. Lucia aber hielt ihre Kinder gar nicht ordentlich wie eine Menschenmutter, sondern eher wie ein Trollweib.

Gottvater war darüber beunruhigt und dachte mit Unbehagen an Adams Ehe. So beschloss Er eines Tages, die Familie zu besuchen, um Lucias Hauswesen vor Ort zu prüfen. Als Lucia dies erfuhr, erschrak sie. Sogleich ging sie daran, ihre Brut zu säubern: Sie bürstete und schrubbte, wischte Triefaugen und Laufnasen und riss den Kamm durch die verfilzten Pelzköpfe ihrer Kinder. Sie mühte sich lange Zeit, und doch hatte sie nicht einmal die Hälfte aller Kinder hergerichtet, als es an der Tür klopfte. Lucia begann zu zittern. Da kam ihr ein Gedanke: Sie öffnete das Kellerloch, packte den größten Teil ihrer Brut an Ohren und Haaren und zerrte und schob die Kinder ins Dunkel hinab. Dabei machte sie drohende Gebärden, keinen Mucks zu tun, und schlug die Kellerklappe zu. Darauf hastete sie zur Haustür und öffnete: Und da stand der Allmächtige und wartete. Sie bat Ihn herein und Er besah sich aufmerksam die Kinderschar, die da mit rot gescheuerten Backen, Nasen und Ohren herumstand. „Sind das alle deine Kinder?", fragte Er. - „Ja", antwortete Lucia. - „Wirklich alle?", fragte Er nach. - „Alle", bestätigte Lucia, wagte aber nicht aufzublicken. - „Wirklich, Lucia?", fragte der Herr sie zum dritten Mal. - Und: „Ja", log sie abermals.

Da wurde Gott Vater zornig und sprach: „Dreimal hast du nun gelogen. Fortan sollst auch du im Verborgenen leben, so wie du deine Kinder vor mir verborgen und verleugnet hast!" Lucia wurde dünn wie ein Nebel und schlüpfte mit allen ihren geschrubbten Kindern zum Kellerloch hinab. Damit Adam aber nicht gar so traurig über den Verlust sei, gab Gottvater ihm ein neues Weib, das hieß Eva und war tugendsam und ordentlich.
Lucia wohnt seit jener Zeit als Mutter des Lussevolkes, der Naturwesen, Kobolde und Dämonen im Verborgenen. Nur einmal im Jahr, in der langen, finsteren Luziennacht, erscheint sie mit großem Gefolge auf der Erde und schreckt Menschen und Tiere.

(Beide Sagen aus der Erinnerung nacherzählt).

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