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Die Dreieinige Göttin, 13. Teil

15/10/2015 18:37 CEST | Aktualisiert 15/10/2016 11:12 CEST
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In dieser Saga finden wir einige spannende Details, die uns auf Späteres vorbereiten und eine Art Brückenbogen zwischen alter Anschauung und (Beinah-) Gegenwart schlagen:

Von Huldrs Namen gibt es in späterer Zeit eine ganze Reihe von Ableitungen und ähnlich klingenden Namen: Frau Huld, Hulde, Hulda, Holda, Holla, Frau Holle, „die holde Frau", um nur einige davon zu nennen; sie kommt auch in der Mehrzahl vor: die Hollen, Hullen, Hulden, Huldren und andere. Hierbei war im Brauchtum eine gängige Variante, dass die Hollen zu dritt auftraten, wie heute oft noch die Perchten des Alpenlandes, doch gab und gibt es auch die „Rudel".

In der Saga tritt Huldr ebenfalls in dreifacher Gestalt auf, sie selbst mit ihren „zwei Töchtern". Der Hinweis auf die Drei erfolgt nicht von ungefähr; so wenig wie die Tatsache, dass es Huldr ist, die den Göttervater zum Handeln veranlasst und zwar ganz in ihrem Sinne. Dass er am Ende den „Schiedsspruch" fällt, ist die nach dem Untergang der matrifokalen Zeit typisch patriarchale Bemäntelung der Tatsache, dass Huldr seit Urzeiten schon Herrin auf Erden und im Reiche der Elementarwesen war, was sie durch Odhins Spruch ja erst werden sollte.

Huldr ist ein spezieller Aspekt der Erde selbst. Als „Herrin der Riesen" steht sie in der Saga sogar über den Nornen. Und wie die Nornen den Schicksalsfaden in Händen hielten, so in späterer Zeit die uns Heutigen eben noch vertraute Frau Holle, welche die verwandelte Huldr der germanischen Saga ist.

Wer anders als Mutter Erde/Mutter Natur hätte Odhin auch die Raben schenken können? Dem Göttervater, der über den Wolken thronte und „mit dem Sturmwind unterm Himmel flog", waren viele Aspekte der Erde fremd. Er bedurfte der Raben, um „alle Neuigkeiten von der Erde zu erfahren".

Huldr aber lebt in ihr, sie bittet Odhin zu sich „in ihre Höhle", wo sie ihn bewirtet. Dass sie IN der Erde weilt, rückt sie auch in die Nähe der Unterwelt- Göttin Hel, die nicht nur „verhehlt" - also verbirgt und ihrerseits verborgen ist - sondern deren Name auch an „Hell" und „Heil" erinnert. Übrigens auch an „Hella", was später ein anderer von Frau Holles zahlreichen Namen ist. Wir werden noch sehen, dass Frau Holle in vielen Sagen ebenfalls „im Berg", „im Brunnen" oder „im Erdinnern" lebt.

Im nächsten Blog kommt dann eine Sage aus der Sammlung „Frau Holle - Volksmärchen und Sagen" von Karl Paetow, Husum 1986. Sie heißt „Frau Holle schüttelt die Betten aus".

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