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29. BLOG, "Lemuren"

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Gewalt bis heute

In Deutschland sieht das nicht viel besser aus. Aus Kreisen, die beratend an Schulen gehen, um Lehrerkollegien über dieses Thema zu informieren, sind erschreckende Zahlen zu erfahren: Jede vierte Frau habe irgendwann eine Vergewaltigung erlebt. Nur 15 % von ihnen gehen anschließend zur Polizei. Bei „Terre des Femmes" ist zu lesen:

Im eigenen Heim leben Frauen am gefährlichsten. Weltweit ist das so, auch in Deutschland. Häusliche Gewalt ist die häufigste Ursache von Verletzungen bei Frauen, häufiger als Verkehrsunfälle und Krebs zusammen genommen. Für Frauen ist das Risiko, durch einen Beziehungspartner Gewalt zu erfahren, weitaus höher als von einem Fremden tätlich angegriffen zu werden. Bildung, Einkommen, Alter und Religionszugehörigkeit sind dabei völlig bedeutungslos. In Deutschland ist oder war schon jede vierte Frau Opfer von häuslicher Gewalt. Ihr eigenes Zuhause ist der gefährlichste Ort für eine Frau.
Frauen sind in ihrem Zuhause aber nicht nur von häuslicher Gewalt betroffen, sondern häufig zusätzlich oder ausschließlich von sexualisierter Gewalt. Die eigene Wohnung war der häufigste Tatort für Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Diese Form der Menschenrechtsverletzung passiert in Deutschland täglich: Jede vierte Frau musste in ihrem Leben schon einmal eine Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung erleben.

Auch in früherer Zeit begann der Leidensweg für ein Mädchen schon vor dem „sicheren Hafen der Ehe": Überall auf der Welt durfte z. B. ein Vater seine Tochter verheiraten, mit wem und wann er wollte. War die Tochter ihm nicht gehorsam, konnte er sie auch dazu zwingen, durch „Einzelhaft" in dunklen Räumen, durch Nahrungsentzug, Schläge und andere Foltermaßnahmen. Ein Mädchen, das solches überlebte, bekam schon einen zarten Vorgeschmack auf sein späteres Dasein als Ehefrau.
Um nicht erst gegen den Widerspruch heranwachsender Töchter ankämpfen zu müssen, wurden die Mädchen in manchen Weltgegenden bereits als Säuglinge oder Kleinkinder verheiratet und erlebten die erste Schwangerschaft dann sofort neun Monate nach Einsetzen ihrer ersten Periode. Bis dahin hatte der Ehemann das Mädchen schon an regelmäßigen Geschlechtsverkehr gewöhnt. Allerdings kam der Gatte mittels der einzelnen Gemahlin eher selten in den Genuss einer großen Familie, da die Sterblichkeit an derart jungen Müttern und ihren Kindern sehr hoch war. 1921 wurde bei einer Volkszählung in Indien statistisch festgehalten, dass in den vorausgegangenen zwölf Monaten 3.200.000 Kindsbräute gestorben waren. „Früh heiraten und früh sterben - das ist das Motto der indischen Frau", lautet ein indisches Sprichwort. Oder: „Das Leben einer Frau währt zwei Monsune lang" (also zwei Jahre ab der ersten Schwangerschaft = „als Frau").

Zu Beginn der Neuzeit gab es auch in Europa eine spezielle Form der Zwangsehe, den „Brautkauf": Junge reiche Erbinnen und Witwen wurden an loyale Lehensleute und Freunde wie Vieh oder Waren verschachert. Witwen waren dabei nicht so hoch angesehen, immerhin stellten sie ja „ein bereits gepflügtes Feld" dar. Jungfrauen wurden höher bewertet und waren teurer. Ein drei Monate altes Mädchen, das für 100 Englische Pfund (heute etwa 140 €) verkauft wurde, war dann als Jungfrau, wenn es das heiratsfähige Alter erreichte, 333 Englische Pfund wert (heute etwa 463 €).

Obgleich es Frauen erlaubt war, Land zu besitzen, standen sie doch stets unter einer Art Vormundschaft, der ihres Vaters, ihres Gatten oder auch nur der des Lehens- oder Landesherrn.