BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Michael Duesberg Headshot

27. BLOG, "Lemuren"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich

Wir haben also neben unserer materiellen Wesensseite, dem Physischen Leib, zugleich drei geistige Wesensglieder: Leben, Seele und Geist. Oder, nach theosophischer Terminologie: Ätherleib, Astralleib und Ich.
Entscheidend für unsere obige Fragestellung könnte sein, dass zwei der „Leiber" permanent vom Ich her „bearbeitet" werden und wohl auch bearbeitet werden müssen:

der Ätherleib, weil er
a) völlig unbewusst im Menschen vorhanden ist - eine Provokation für das Ich mit seinem klaren Tagesbewusstsein;
b) ohne die Führung des Ich zügellos wirken und Triebe und unbeherrschtes Temperament gegen die Intentionen des Ich ausleben könnte;

der Astralleib, weil er
a) nur halbbewusst vorhanden ist, ebenfalls eine Zumutung für unser dominantes Ich, das alles bewusst kontrollieren will;
b) ohne die Führung des Ich seine eigenen Wünsche und Begierden zügellos ausleben würde.

Dieses Zusammenspiel der menschlichen Wesensglieder verrät uns etwas Wichtiges: Die von Goethe der Mutter als dominant zugesprochenen Wesensseiten sind just solche, die in jedem von uns ständig der Überwachung, Kontrolle, Zügelung und Weisung durch das eigene Ich bedürfen. Dem Manne können sie, durch seine Dominanz bei Physischem Leib und Ich, mitunter sehr lästig werden. Er hasst das nicht beherrschbare Triebleben und das ungezügelte Temperament (Ätherleib), weil sie sich seiner „Herrschaft" (Ich) widersetzen und ihn immer wieder mitzureißen drohen. Und er schämt sich für gewöhnlich seiner seelischen Regungen (Astralleib), nennt sie wechselweise „Gefühlsduselei" oder „tierisch" und würde sie am liebsten beherrschen. Da er genau dies aber nicht kann, gibt es in seinem Innern stets ein etwas angespanntes Verhältnis zu den Lebensäußerungen und Trieben (Ätherleib) und zu den Wünschen, Begierden und Gefühlen (Astralleib). Es verwundert daher nicht, dass sich der männliche Kontroll- und Erziehungsimpuls (Ich) auch stark gegen jenes Geschlecht wendet, dessen Ätherleib und Astralleib nun gerade dominant nach außen wirken.

Doch noch etwas Anderes kann an der Gliederung abgelesen werden: Das Ich, das sich anmaßt, „Maß aller Dinge" zu sein, ist de facto eine „Mogelpackung": Es lässt den Menschen oft gar nicht aus reiner Selbstlosigkeit und Menschenliebe handeln, wie dieser selbstverständlich annimmt, sondern aus einem ziemlich schäbigen, mitunter bis zur Unkenntlichkeit getarnten Egoismus heraus, der sich wie der reinste Altruismus gebärdet. Dieser Egoismus bestimmt ebenfalls einen Teil der männlichen Impulse. Zudem liegt beim Manne die Betonung neben dem Ich auf dem Physischen Leib, und auch letzterer fordert seinen Tribut: Er lässt den Mann das soziale Umfeld und das Familienleben den eigenen Bedürfnissen entsprechend gestalten und macht ihn vielleicht auch besonders anfällig für die „Philosophie des Physischen", den Materialismus. Das Ich aber spielt sich unterdessen gern als Tyrann auf, will die anderen Wesensseiten unterwerfen und fühlt sich auch nicht gebunden an die natürlichen Gegebenheiten von Leben und Seele. Was vom Ich her an Impulsen kommt, fragt also nicht unbedingt nach den Gesetzen und Grenzen der belebten und beseelten Natur, sondern setzt sich darüber souverän hinweg.