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Für die Krone nach Polen: Zahnarzt-Tourismus wächst um 10 Prozent

21/01/2017 12:17 CET | Aktualisiert 21/01/2017 13:01 CET
imagenavi via Getty Images

Wer hierzulande den Zahnarzt aufsucht, dem tut der Eingriff häufig nicht nur körperlich weh. Auch finanziell kann es schmerzhaft sein. Dann nämlich, wenn man Krone, Brücke oder Implantate zu großen Teilen selbst zahlen muss - und dafür tief in die Tasche greift. So werden Zahn-Operationen, Zahnarztbehandlungen & Co im Ausland immer beliebter. Der Markt wächst zweistellig, doch Experten sehen das kritisch.

Operationen im Ausland - allen voran zahnmedizinische Eingriffe - werden immer beliebter und so zieht es vor allem Kassenpatienten dafür immer öfter in den Osten. Nach Ungarn für das Zahn-Implantat? Nach Rumänien für die neuen Kronen? Derlei Reisen sind kein Einzelfall mehr.

Da ein Besuch beim Zahnarzt in Hamburg, München oder Köln jedoch schnell teuer werden kann, sind Alternativen über Landesgrenzen hinweg besonders attraktiv und werden immer öfter in Anspruch genommen.

Die Zahlen sprechen für sich: Um rund 10 Prozent jährlich wächst die Zahl der Zahnarzt-Touristen, die sich von Deutschland ins Ausland aufmachen um dort den Dentisten ihrer Wahl zu treffen. Vorteil: Auf die Art kann schnell mal viel Geld sparen.

Trend: Medizintourismus

War es vor ein paar Jahren oder Jahrzehnten noch kaum vorstellbar für einen medizinischen Eingriff ins Ausland zu reisen beziehungsweise etwas, das vor allem mit wohlhabenden Menschen in Verbindung gebracht wurde, so ist es heute schon lange nichts Ungewöhnliches mehr.

Die Politik hat auch hier nachgezogen: 2004 wurde europäisches Recht in deutsche Gesetzgebung umgesetzt und die sogenannte Patientenmobilitätsrichtlinie klärt im Ergebnis die Erstattungsfähigkeit von Auslandsbehandlungen.

Wenn deutsches Geld auf Reisen geht, freut das die Anbieter: Mittlerweile locken unzählige Kliniken aus aller Welt mit verlockenden Angeboten, um Touristen aus dem Ausland für sich zu gewinnen. Wer sich in Metropolen wie Bangkok, Prag oder Istanbul umschaut, wird oft sogar mit deutschsprachigen Schildern umworben. Doch wem kann man vor Ort vertrauen? Die Berliner Medizinerin Dr. med. Sophie Chung kennt das Dilemma, in dem die deutschen Medizintouristen stecken:

„Viele Kliniken und Krankenhäuser haben den Trend erkannt und versuchen dementsprechend in dieser Nische Fuß zu fassen. Dabei wird natürlich vielerorts auf günstige Preise gesetzt, um attraktiv zu wirken."

Doch der Preis ist nicht alles. Wichtige Faktoren für eine reibungslose Behandlung ist die Ausbildung und Behandlungsroutine des Arztes. Auf die Überprüfung dieser QUalifikation hat sich das Portal Junomedical spezialisiert und vermittelt erfahrene und geprüfte Anbieter. Andere werden direkt abgelehnt.

Faktor zwei ist die Materialqualität. Besonders bei Implantaten, Kronen oder Brücken gibt es durchaus Materialunterschiede. Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sollten reisewillige Zahnarzt-Touristen sich ein genaues Angebot unterbreiten lassen.

"Eine Keramikkrone in Deutschland sollte mit einer gleichartigen Keramikkrone im Ausland verglichen werden. Nur dann sieht man exakt, wie viel man sparen kann",

so die Medizinerin.

Faktor drei ist die Nachsorge: Wenn es trotz perfekter Behandlung vor Ort irgendwann zwickt, wenn man wieder daheim ist, dann sollte der heimische Zahnarzt aufgesucht werden und die Behandlung dort fortführen können.

"Ausländische Anbieter, die wir zulassen als Partner, haben meist kooperierende Praxen in Deutschland, so dass die Nachsorge und Folgeversorgung hierzulande erledigt werden kann."

Von der ersten Internetrecherche bis zum eingesetzten Implantat ist es also ein langer Weg. Gerade im Bereich der Zahnmedizin sieht man sich einer großen Auswahl an Möglichkeiten gegenüber, was die Entscheidung zusätzlich erschweren kann. Daher erfreuen sich Onlineportale wie Junomedical, die als Bindeglied zwischen Patient und Arzt fungieren, großer Beliebtheit.

Ungarn, Polen, Tschechien werden zu den beliebtesten Zahnbehandlungsreisezielen

Für die meisten Patienten ist nicht allein der Preis ausschlaggebend, sondern auch Qualität und vor allem geographische Lage. Besonders beliebt sind daher Nachbarländer wie Polen oder Tschechien, die genau dadurch punkten, dass sie innerhalb weniger Stunden von Deutschland aus zu erreichen sind.

Doch auch Ungarn erlebt als Destination für zahnärztliche Behandlungen einen echten Boom. Diese Länder überzeugen nicht nur durch günstigere Preise, sondern auch durch Qualität und Professionalität: Sie haben ausgezeichnete medizinische Ausbildungen - häufig haben die Ärzte sogar in Deutschland studiert - sowie international anerkannte und hoch qualifizierte Ärzte vorzuweisen.

Trotzdem können dort bei einem Zahnarztbesuch bis zu 70 Prozent an Kosten gespart werden.

„Das liegt vor allem daran, dass dort nicht nur Materialkosten, sondern auch Mieten und Löhne vergleichsweise niedriger sind als in Deutschland."

Dies senke dementsprechend den Gesamtkostenaufwand erheblich und bewirke drastische Preisunterschiede. Die Medizinerin:

„So ist es möglich, dass beispielsweise Zahnimplantate, die hierzulande mit 2000 bis 3000 Euro zu Buche schlagen, im Ausland bereits für einen Preis von 800 bis 900 Euro zu haben sind."

Doch auch die Umgebung spielt immer mehr eine Rolle, da Behandlungen im Ausland mittlerweile gerne mit einem Kurzurlaub verbunden werden. Erst zum Zahnarzt, dann an den Strand? Theoretisch ist das möglich. Besonders die türkische Riviera mit Touristenhochburgen wie Antalya, Belek oder Kemer sind hier beliebt und bietet eine wachsende Zahl fachlich wie sprachlich qualifizierter Ärzte für den deutschen Reise-Patienten.

Was ist zu beachten?

Seit 2005 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nur noch einen Festzuschuss für Zahnimplantate beziehungsweise Zahnersatzbehandlungen, ungeachtet der Qualität des verwendeten Materials. Daher ist es ratsam, sich erst über die Höhe des Zuschusses für die gewünschte Behandlung zu informieren, um später einen besseren Überblick über die tatsächlichen Kosten zu haben.

Möchte man Preise in verschiedenen Kliniken miteinander vergleichen, ist zu berücksichtigen, dass diese nicht immer den Gesamtpreis darstellen und unter Umständen weitere Behandlungskosten (Vor-/Nachuntersuchung, Röntgenaufnahmen, etc.) hinzukommen können. Unbedingt nachfragen!

Allerdings sollte nicht nur der Preis im Fokus stehen, da sonst die Gefahr besteht, an ein unseriöses Angebot zu geraten.

„Man sollte sich vorher gut über die Klinik informieren, eventuelle Akkreditierungen prüfen und auf erfahrene Spezialisten achten,"

rät Dr. Sophie Chung. Will man also keine böse Überraschung erleben, sollte im Zweifelsfall lieber etwas mehr Geld und jedenfalls mehr Zeit investiert werden.

Checkliste für Zahnarzt-Touristen

  • Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse? Achtung: Heilkostenplan von der Kasse genehmigen lassen!
  • Wie viel Erfahrung hat der Arzt? Vorsicht bei ausländischen Onlineportalen: Bewertungen sind oftmals gefälscht! Wie sieht es mit möglichen Sprachbarrieren aus?
  • Kann ich den Aufenthalt eventuell mit einem Urlaub verbinden? Tipp: Tage mit Krankschreibung gelten beim Arbeitgeber nicht als Urlaubstage!
  • Wie sieht die Nachsorge aus? Was passiert, wenn etwas schiefgeht? Vorher mit dem normalen Zahnarzt über mögliche Probleme sprechen!

Achtet man auf diese Punkte und bereitet sich gut vor, sollte einem strahlenden Lächeln nichts mehr im Wege stehen.

Link-Tipps

Hinweise zur Patientenmobilitätsrichtlinie gibt es auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums

Die Bundeszahnärztekammer informiert zu Behandlungen im europäischen Ausland und beantwortet häufig gestellte Fragen.

Das Gesundheitsportal Junomedical hat eine Liste von geprüften Partnerkliniken veröffentlicht und organsiert Reisen zur und von der Behandlung sowie die Nachsorge.

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