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Mythen rund um Marderbiss: Was hilft dagegen - und was nicht?

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Wer kennt das nicht: Ein kühler Morgen, man möchte mit dem Auto zur Arbeit und dann das! Die Kontrollläuchte geht an, der Wagen bleibt stehen. Motorhaube auf - und wird klar, wer schuld hat: Der Marder!

Marderbiss ist ein wachsendes Problem. Seit den 50er Jahren nimmt die Population der nachtaktiven Räuber massiv zu.

Mit der Marderdichte steigen auch die Kosten für die deutschen Autofahrer. Auf rund 230.000 Einzelfälle schätzen Experten den Umfang. Und das geht massiv ins Geld: Die Schäden durch Marderbiss belaufen sich auf rund 60 Millionen Euro bundesweit - Tendenz weiter steigend.

Experten warnen vor steigenden Schäden: Das Klima ist schuld

Erstmals könnten sich die Schäden in der Mardersaison 2016/2017 nun auf rund 75 Mio Euro belaufen, schätzen die Kfz-Experten des Verbraucherportals Knip.

Der milde Winter im vergangenen Jahr und das reichhaltige Futterangebot machen nicht nur den ländlichen Raum, sondern zunehmend auch die Großstädte zu absoluten Marder-Paradiesen. Wie Fuchs, Wildschwein oder Igel gelten Marder als Kulturfolger, die sich in unseren urbanen Räumen hervorragend angepasst haben und die Annehmlichkeiten des Stadtlebens schätzen.

Die meisten Versicherungen zahlen nicht

Rechnerisch kommt die Durchschnitt-Reparatur zwar nur auf rund 300 Euro, doch im Einzelfall können die Kosten erheblich höher sein: Knabbert der bissige Übernachtungsgast den Kühlmittelschlauch durch, kann dies zur Überhitzung des Motors führen, ohne, dass man dies direkt merkt. Ein wirtschaftlicher Totalschaden - und den darf man meistens allein tragen.
Denn die normale Kfz-Haftpflichtversicherung übernimmt solche Schäden nicht. Versicherungsexperte Jonathan Schmidt: "Lediglich in der Teil- und Vollkaskoversicherung kann man Marderbiss in den Versicherungsbedingungen einschließen und sollte dabei auch Folgeschäden einschließen."

Was also tun zur Marderabwehr? Im Internet kursieren Tipps und Tricks wie man die Tiere vertreiben kann. Aber: Welcher Trick funktioniert und welcher nicht?
Die wichtigsten Marder-Mythen - und was tatsächlich dran ist.

Mythos 1:

"Eine Motorwäsche senkt das Risiko, dass der Marder kommt"

Fakt ist: Den Marderbiss verursachen die männlichen Tiere. Wittern sie bei einem neu abgestellten Fahrzeut den Geruch eines fremden Tieres, dann verteidigen sie ihr Revier. Eine Motorwäsche hilft, Gerüche, Haare und Fäkalien der Tiere im Motorraum zu entfernen. Damit ist der Motorraum neutrales Terrain und provoziert keine Revierkämpfe.
Fazit: Stimmt. Eine Motorwäsche hilft, muss aber regelmäßig wiederholt werden.

Mythos 2:

"Spezielle Ultraschall-Geräte sind am besten!"

Fakt ist: Im Fachhandel gibt es Geräte zwischen 20 und 100 Euro, deren - nur für die Tiere hörbare - Ultraschallwellen angeblich Marder und Ratten vertreiben sollen. Problematisch: Die Tiere gewöhnen sich schnell an den Lärm.
Fazit: Teuer und nur kurz wirksam. Außerdem: Wie überprüft man eigentlich selbst, ob das Gerät funktioniert, wenn die Frequenzen nur für Tiere hörbar sind?

Mythos 3:

"WC-Steine oder Deospray im Motorraum wirken Wunder!"

Fakt ist: Auch wenn man von diesem Tipp immer wieder liest, so gewöhnen sich doch die Tiere in kurzer Zeit an den Geruch. Übrigens sind Marder eher geruchsunempfindliche Raubtiere - und keine Nagetiere.
Fazit: Aufwändig und sinnlos.

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Mythos 4:

"Elektroschocker einbauen und man hat nie wieder Marderbiss"

Fakt ist: Bei dieser Methode werden an speziellen Einstiegsstellen, an denen die Marder in den Motorraum krabbelt, spezielle Metallplatten montiert. Sie setzen die Metallteile des Autos unter Spannung. Ein eindringender Marder bekommen einen unangenehmen Stromschlag versetzt, Verletzungen erleidet das Tier dadurch nicht.
Fazit: Nichts für Tierfreunde und durch die Einbauten vergleichsweise teuer. Batterien gehen schnell leer - ohne dass man es merkt.

Marder-Alarm: Tipps zum Thema

Die Organisation Peta Deutschland bietet tierfreundliche Tipps für Autofahrer
Die Zeitschrift Test hat analysiert, welche Teilkasko-Versicherungen Marderbiss abdecken
Themenspecial zum Thema Kfz-Versicherung im Verbraucherportal Knip

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