BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Michael Divé Headshot

LED-Studie: Energiewende - ja bitte, aber nicht im Schlafzimmer

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PERSONALITY
DigtialStorm via Getty Images
Drucken

Die Zeiten der Glühbirne sind vorbei, daran haben sich die Verbraucher offensichtlich gewöhnt - mit kleinen Ausnahmen. Währenddessen kämpfen Kommunen mit ganz anderen Problemen, die sich auch mit Bundeszuschüssen kaum bewältigen lassen.

Schon 20 Prozent der Befragten haben komplett auf LED-Leuchtmittel umgestellt. Knapp die Hälfte der Deutschen (45 Prozent) benutzt bereits überwiegend LED-Beleuchtung und 28 Prozent haben vereinzelt Leuchtmittel auf LED umgestellt. Dies ergibt eine aktuelle OnePoll-Umfrage im Juni 2017 unter 1.000 Deutschen im Auftrag von reichelt elektronik.

Die ersten LED-Leuchtmittel für E14- oder E27-Lampensockel kamen zwar schon im Jahr 2007 auf den Markt. Aber erst zehn Jahre danach kann man festhalten, dass sich die Technologie der licht emittierenden Dioden durchgesetzt hat. Laut Studie brennt in 94 Prozent der deutschen Haushalte mindestens eine LED-Lampe.

Effizienz ist wichtig, aber nicht am Bett

Wichtigste Gründe für den Umstieg sind vor allem die Energieeffizienz. 53 Prozent der Deutschen benennen die deutliche Stromersparnis als wichtigstes Entscheidungskriterium zugunsten der LEDs. Aus gutem Grund, denn bis zu 80 Prozent weniger Stromverbrauch bei gleichem Helligkeitseffekt sprechen für sich.

Auch die Langlebigkeit der LED-Technologie überzeugt die Verbraucher. Für jeden Fünften (20 Prozent) ist es kaufentscheidend, dass LED-Leuchtmittel gut zwanzig Mal so lange halten wie herkömmliche Glühbirnen.

Doch wo drehen die Verbraucher die LEDs zuerst rein? Am liebsten wird die Umrüstung in der Küche (66 Prozent) und im Bad (54 Prozent) begonnen.

Deutlich wechselunwilliger sind die Deutschen im Schlafzimmer. Licht aus oder Licht an? Hauptsache keine Veränderung. Die Mehrheit der Deutschen (53 Prozent) will dort das gewohnte Glühbirnenlicht. Die Energiewende endet also vor der Schlafzimmertür.

Umrüstung: Für Kommunen ein Problem

Der Untersuchung zufolge legen die Bürger auf dekorative und optische Aspekte bei LEDs wenig wert. Zwar bieten die neuen Leuchtmittel die Möglichkeit einer größeren Farbvarianz oder Farbwechsel - mit Connected Light können Lichtquellen verbunden und Lichtstimmungen programmiert werden - aber das ist den Befragten scheinbar nicht sonderlich wichtig: Nur 6 Prozent legen auf ein breites Farbspektrum und bunte Spielereien wert.

Jedoch hat die LED-Technik auch ihre Hürden, zumindest in der Wahrnehmung der Verbraucher. Die Anschaffung der Leuchtmittel sei mit zu hohen Kosten verbunden (37 Prozent) oder die Leuchtmittel sind mit den vorhandenen Lampen überhaupt nicht kompatibel (18 Prozent).

Ob man nur das Leuchtmittel wechselt oder die ganze Lampe austauscht: Mit der Umrüstung auf LED-Technologie stehen nicht nur Privathaushalte vor Investitionen, auch wenn diese sich rasch amortisieren.

Noch tiefer müssen Unternehmen und Kommunen in die Kasse greifen, etwa wenn komplett neue Straßenlaternen angeschafft werden müssen.

Millionenkosten trotz Preisverfall

Zwar sind die Kosten bei LED-Produkten im privaten und gewerblichen Bereich erheblich gesunken. Doch Kommunen belastet dies in den kommenden Jahren erheblich. Aktuell zeigt sich dies im mit 10.000 Euro pro Kopf hoch verschuldeten Mannheim.

Die badenwürttembergische Stadt hat ein Problem: Die rund 42.000 Straßenlaternen vor Ort sind technisch überholt, kaputt und nicht auf LED umrüstbar.

Gut 43 Millionen Euro müssen nun in die Umrüstung fließen. Neue Schulden für mehr Licht?

Viel Lärm ums Licht

Immerhin: Die dafür nötigen kommunalen Neuschulden sollen mit der Ersparnis durch den Betrieb über eine längere Laufzeit zurückgezahlt werden. Bereits nach 24 Monaten werden somit 450.000 Euro eingespart sein, sagen die Planer.

Bei Finanzierung der Umrüstung können Kommunen zudem Förderprogramme wie die LED-Leitmarktinitiative der Bundesregierung nutzen. Dennoch, mit LED sparen kann eben nur, wer einmal in die Umrüstung investiert.

Während im häuslichen Umfeld der größte Krach darüber entbrennen dürfte, welche Schlafzimmerbeleuchtung es nun sein soll, ist ein Konsens in Stadtparlamenten bekanntermaßen erheblich schwieriger zu erzielen.

Ein Beispiel?

Seit Untersuchungen gezeigt haben, dass warmweißes LED-Licht bis 3000 Kelvin weniger Insekten anzieht, fordern Mannheims Tierschützer neue Vorgaben für Bebauungspläne, um eine Insektenfreundlichkeit beim Einsatz von LED-Beleuchtung im Außenbereich gewährleisten zu können.

Links und Informationen zum Thema:

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffiPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.