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Alles für die Mähne? Medizintourismus boomt - und mit ihm die Risiken

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Was haben Fußballtrainer Jürgen Klopp, FDP-Politiker Christian Lindner, Popstar Elton John und Schauspieler wie Kevin Costner oder Matthew McConaughey gemeinsam? Sie alle werden mit einer Haartransplantation in Verbindung gebracht. Der Markt boomt, die Preise fallen, ausländische Kliniken locken. Doch Verbraucher sollten genau hinschauen.

Etwa jeder vierte Mann leidet an Haarausfall. Häufigste Ursache: Der erblich bedingte Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt. Bei dieser häufigsten Ursache wird die Haarpracht etwa ab dem dreißigsten Lebensjahr merklich lichter, die Geheimratsecken breiten sich aus und die Anzahl der Haare insgesamt, besonders am Oberkopf nimmt ab - um jährlich bis zu 10 Prozent.

Das Sexual-Hormon ist schuld

Die Medizinerin Dr. Sophie Chung erklärt das haarige Phänomen:

„Schuld am Haarschwund sind meist die männlichen Sexualhormone im Körper. Haarwurzeln, die sensibel auf den Angriff reagieren, verkümmern mit der Zeit."

Grund: Ein Abbauprodukt des Testosterons, das Dehydrotestosteron (DHT), greift die Haarwurzeln an. Das Haar wird dünner und die Glatze weitet sich aus. Dass ein opulent ausgestatteter Sexualhormonspiegel daran schuld ist, das ist für die meisten Männer ein schwacher Trost.

Was tun bei Haarausfall? Fakt ist: Wundersalben, Cremes oder Tinkturen aus dem Internetshopping versprechen zwar fülliges Haar, gelten jedoch als umstritten und kaum wirkungsvoll um jugendliche Haarfülle zurück zu bringen. Als wirksame Maßnahme um das Haupthaar wieder sprießen zu lassen hat sich hingegen die Haartransplantation etabliert. Insbesondere bei Männern ist die Haartransplantation seit den 90er Jahren eine mehr und mehr gefragte Operation auf dem Feld der ästhetischen Chirurgie. Klar: Hier zahlt keine Kasse, sondern man muss die OP aus dem eigenen Vermögen stemmen.

Kampf der Glatze - Haar für Haar

Während in der Anfangszeit dieser schönheitschirurgischen Eingriffe die Resultate nicht immer überzeugend waren, so haben sich die Verfahren verfeinert und die Erfahrung der Operateure ist durch die große Anzahl der Operationen gewachsen.

„Jedes Jahr lassen rund 100.000 Männer in Deutschland eine Haartransplantation durchführen. Haartransplantationen erzielen heute gute Ergebnisse und natürliche Erscheinungsbilder und vermeiden großflächige Narben"

, analysiert die Medizinerin.

Das Verfahren ist vergleichsweise einfach. Denn nicht alle Haare reagieren sensibel auf da Sexualhormon. Meist sind die Haare an Nacken und Schläfen genetisch betrachtet deutlich robuster und fallen daher auch nicht aus. Diesen Effekt macht sich die Wissenschaft zu Nutze und verpflanzt diese starken Haarwurzeln an die kahlen Stellen.

Bei der Haartransplantation werden zwei Methoden unterschieden: FUT (Follicular Unit Transplantation) und FUE (Follicular Unit Extraction). Bei FUT werden ganze Hautstreifen mitsamt den Haarwurzeln am Nacken entnommen und auf dem Oberkopf eingepflanzt. Die modernere FUE-Methode arbeitet kleinteiliger und kommt ohne Skalpell und Nähte aus. Hierzu raten die meisten Ärzte. Bei der FUE-Methode werden mit einem feinen Hohlnadel einzelne Haare vom Hinterkopf entnommen. Mitsamt der Wurzel werden sie an die kahlen Stellen etwa in Geheimratsecken und Oberstirn transplantiert. Schon nach wenigen Wochen ist der Eingriff kaum zu erkennen, da die Methode narbenfrei ist.

Zwar ist die Verpflanzung einzelner Haare aufwendiger und entsprechend teurer. Doch:

„Die große Anzahl der Schönheitsoperationen, wachsender Wettbewerb unter den Ärzten und Billigangebote aus dem Ausland haben die Preise dramatisch gedrückt"

. Doch die Ärztin warnt vor einer allzu sorglosen Wahl der Auslandsklinik. Da sich immer wieder Patienten mit verpfuschten OPs an sie wandten, gründete sie kurzerhand selbst das Portal www.junomedical.com, wo sie seriöse Kliniken listet.

OP im Ausland: Haarige Verlockung der Billiganbieter

Mit rund 20.000 Euro Behandlungskosten war in den 2000er-Jahren eine umfassende Haarverdichtung meist den Reichen vorbehalten. Doch der Markt ist im Wandel.

„Die Preise für Haartransplantationen sind um 70 Prozent gesunken."

Mittlerweile können mit der FUE-Methode bis zu 3.000 Haarfollikel-Gruppen (sogenannte ‚Grafts') in einem Durchgang transplantiert werden. Aber: Je mehr Haare verpflanzt werden müssen, desto teurer wird die Aktion.

In Deutschland muss man pro Graft mit 3 bis 5 Euro rechnen, so dass eine Haartransplantation schnell mit 10.000 Euro zu Buche schlägt. Im Ausland zahlt man hingegen bis zu 80% weniger - was den Boom erklärt. Beispielsweise in der Türkei ist eine Haartransplantation mit 3.000 Grafts schon für knapp 2.000 Euro zu haben. Sobald die verpflanzten Haarwurzeln neue Haare ausbilden, ist ein erster Effekt bereits ein bis zwei Monate später deutlich zu sehen.

Beliebt ist somit, die Haartransplantation mit einem Auslandsaufenthalt zu kombinieren. Vom Hotel-Pool in die Beauty-Klinik? Dr. Chung ist skeptisch und rät zur Vorsicht:

„Wer eine Haartransplantation im Ausland durchführen möchte, sollte sich genau informieren und nicht nur auf den Preis schauen!"

Wer reisebereit ist, kann jedoch etwa in der Türkei geprüfte und erfahrene Operateure finden, die auch deutsch und englisch sprechen und mit deutschen Partnerkliniken zusammenarbeiten. So kann die Nachkontrolle in Deutschland stattfinden.

Web-Tipps:
Infos zu Ärzten in Deutschland: Verband deutscher Haarchirurgen (VDHC), www.vdhc.de
Haartransplantation im Ausland: Das Portal www.junomedical.com bietet eine Übersicht geprüfter Anbieter.

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