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Eigentum verpflichtet - warum der Konsum uns geißelt

07/10/2017 21:27 CEST | Aktualisiert 07/10/2017 21:27 CEST
LaraBelova via Getty Images

Schöne neue Konsumwelt: In Deutschland und Europa brummt der Umsatz der Konsumgüterindustrie. Apple und andere High-Tech Firmen brechen seit Jahren alle Rekorde. Global wächst der Konsumgütermarkt im Bereich Elektronik jährlich um 15 Prozent und wird Schätzungen zufolge bis 2020 ein Markt von 3 Billionen Dollar sein.

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Unser Bedürfnis nach neuen Gadgets und neuester Lifestyle-Elektronik befeuert diesen Markt kräftig, der durchschnittliche Deutsche besitzt immerhin 10.000 Dinge. Bisher drücken wir uns über Besitztümer aus, doch die Zeitspanne, in der wir ein Produkt nutzen, wird immer kürzer. Insbesondere in Bezug auf elektronische Geräte wie Smartphones und Gadgets hat sich die Nutzungsdauer stark verkürzt. Das Zusammenspiel von genialem Marketing und der Lust nach Statussymbolen trägt beispielsweise dazu bei, dass die neuesten Smartphones immer am attraktivsten erscheinen. Zusätzlich erlauben uns die neuesten Geräte auch den technologischen Fortschritt zu nutzen - so zum Beispiel der Portrait-Modus im neuen iPhone oder eine Drohne für Luftaufnahmen.

Unser Eigentum limitiert uns

Die Möglichkeiten, die wir durch die neuesten High-Tech Geräte erlangen, sind ein Grund für deren Aura als Statussymbol. Was wir dabei vergessen: Mit dem Kauf des Gerätes limitieren wir uns selbst in unseren Möglichkeiten. Kaufen wir das neuste iPhone, haben wir zwar die Möglichkeit coole Bilder zu schießen und die kabellosen iPhone Airpods zu nutzen, aber wir geben 700€ für ein einzelnes Gerät aus.

Diese 700€ sind gebunden und beschränken uns in unseren weiteren Optionen - man kann das Geld schlicht nur einmal ausgeben. Daraus ergibt sich ein naheliegendes Phänomen: Liquidität ist uns wichtiger, als der eigentliche Besitz, den wir damit erwerben. Das zur Verfügung stehende Kapital verkörpert damit die Möglichkeiten Besitz zu erwerben. Wer sein Kapital also nicht in Besitztümern bindet, dem bleiben unendliche und womöglich attraktivere Möglichkeiten.

Ein Beispiel:

Während ein Schlossbesitzer durchaus ein wohlhabender Mensch ist, ist die Last dieses Eigentums wohl nur für wenige erstrebsam. Ein Mensch, der den Gegenwert des Schlosses als Bargeld hat, wird hingegen ungleich reicher bewertet, da er auch ein Schloß haben könnte aber ihm ebenso unzählige andere Möglichkeiten offen stehen.

Menschen möchten Erlebnisse sammeln und keine Güter besitzen

Das Gefühl sich durch das klassische Kaufen von Dingen in seinen eigenen Möglichkeiten zu beschränken, hat zu einer neuen Konsumkultur geführt. Ideen, wie sie im Carsharing oder von AirBnB umgesetzt werden, sind nicht neu, treffen aber den Zeitgeist der "Generation Y". Die grundlegende Idee dahinter: Heutige Konsumenten möchten Produkte und Dienstleistungen als Service nutzen. Ein Auto zu besitzen ist nicht mehr notwendig, um ein Auto zu fahren. Ebenso benötigt man keine Wohnung in New York, kann durch AirBnB aber trotzdem das gleiche Gefühl erleben

Heutigen Nutzern ist es nicht mehr wichtig, ob sie einen Gegenstand zu einhundert Prozent besitzen. Heute geht es vielmehr um das Erschaffen von Erlebnissen und den Beitrag, den Gegenstände dazu beitragen können. Insbesondere die jüngeren Generationen definieren sich heute nicht mehr über die Anzahl ihrer Güter, sondern über die Besonderheit ihrer Erlebnisse. Während vor nicht wenigen Jahren noch das Eigenheim an der Spitze der persönlichen Meilensteine stand, ist es heute die Weltreise oder die Möglichkeit, mehr Lebenszeit in Erlebnisse investieren zu können.

Erlebnisse halten heutzutage ewig

Das Aufkommen von sozialen Netzwerken und der Möglichkeit, unbegrenzt Daten zu speichern, selbst ohne eigene Speichermedien, haben die Art zu Erleben zusätzlich verändert. Bei Preisen von nur noch 0,03 Euro pro Gigabyte Speicher ist es sehr verlockend, alle digitalen Schnappschüsse für später zu konservieren. Während Weltreisende früher nur ihrem engsten Kreis von ihren Erlebnissen erzählen konnten und die Bilder meist nur in ihrem Kopf waren, gleicht eine Weltreise heutzutage dem Dreh einer Dokumentation über das eigene Leben.

Die technische Vielfalt bietet uns die Möglichkeit kreativ zu werden, Erlebnisse zu inszenieren und per Mausklick mit der Welt zu teilen. Erlebnisse, die noch vor dem Aufkommen von unbegrenztem Speicher einen Ruf von flüchtigen Augenblicken hatten, sind heute kinderleicht digital zu konservieren. Sie sind somit Momente und ewig zugleich, je nach Präferenz.

Ein neuer Weg zu konsumieren entsteht

Unsere Welt verändert sich durch die zunehmende Technologisierung immer schneller: Das Konsumverhalten ist eine Ausprägung und ein guter Indikator für strukturelle Veränderungen. Der Besitz von Gütern wird mehr und mehr zur Last und der Nutzen, den die Güter ermöglichen, wird immer wichtiger. Viele Menschen stören sich auch zunehmens an der Wegwerfkultur und treten für eine Circular Economy ein - der Idee Gegenstände länger im Umlauf zu behalten. Das Konservieren von Erlebnissen macht diese auch über die Zeit des Erlebens hinweg interessant. Der Zugang zu Technologie wird damit wichtiger als der eigentliche Besitz. Nicht zuletzt sehen wir diese Entwicklung auch bei unseren Grover Nutzern. Der Großteil unserer Nutzer möchte flexibel sein und sich schnell anpassen können, um aus jeder Möglichkeit das Maximum herauszuholen. Die Menschen möchten daher ihre Produkte eher mieten statt kaufen. Daher ist für viele Nutzer der klassische Kauf immer weniger attraktiv - alleine, weil damit unzählige andere Möglichkeit ausgeschlossen werden, für die man sich hätte entscheiden können.

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Lesenswert:

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