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Das Veggie-Burger Duell - Jim Block vs. McDonalds

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LOW CARB DIET
Annabelle Breakey via Getty Images
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Was ist besser, der JB Halloumi Burger oder der "neue" Veggieburger von McDonalds?

Für den JB Halloumi Burger mussten wir eine endlose dreiviertel Stunde warten. Der Laden war gerade mal halbvoll. An allen Reihentischen gab es freie Plätze. Trotzdem schien die Bedienung überfordert. Die Gruppe junger Männer vor uns an der Kasse und die Leute hinter uns hatten längst alle ihre Burger. Bis wir unsere kleinen unschuldigen Veggieburger bekamen, waren alle anderen Kunden mit denen wir den Laden betraten satt und weg.

Immerhin war die Bedienung so freundlich und füllte mir frisches Wasser ein. Mein Glas stand schon so lange offen.

Der Jim Block Halloumi - eine kleine Enttäuschung

Im JB Halloumi ist irgendwie nicht viel drin, sondern nur ein dünnes Salatblatt und die Gemüse-Halloumi-Mischung. Von Veggieburgern erwartet man, dass sie aus vielen verschiedenen Zutaten bestehen. Aber der JB Halloumi fiel überraschend schmal aus. Zu allem Übel war er total versalzen. Die Pommes waren dafür schön knusprig, aber leider genauso dünn wie bei Mcces. Echte Pommes zum Burger müssen fingerbreit sein.

Bei Jim Block bekommt man das Gefühl, dass der Veggieburger halbherzig zubereitet wird. Damit sie eben auch einen Veggieburger im Angebot haben.

Jim Block Mitarbeiter in Action

Jim Block prahlt mit seinem Fleisch aus der hauseigenen Fleischerei. Auch seine Mitarbeiter bezieht Jim Block aus der "hauseigenen" Berufsschule. 1989 gründete die Block Gruppe das Head College. Auf Mitarbeiterschulung wird in diesem Betrieb großer Wert gelegt. Zumindest erweckt die Block Gruppe diesen Eindruck.

Alle Mitarbeiter in der Kundenbedienung der JB Filiale waren hellblond bis mittelblond. Ganz llischeehaft war nur die einzige weibliche Mitarbeiterin an diesem Tag freundlich. Von den männlichen Mitarbeitern gab es testosteron geladene Allüren am Tresen. Freches Verhalten ist meist eine primitive Form der Reviermarkierung und soll in der Tierwelt den Feinden zeigen: "Hey, ich bin der Boss hier."

Wir sind allerdings weder Feinde noch in der Tierwelt, sondern in einem Restaurant der Menschenwelt. Geringschätzig und sichtlich genervt nahm der Mitarbeiter die Bestellung auf. Ein Mitarbeiter hat freundlich zu sein, auch wenn er Teamleiter ist. Als Jim Block Kunde wird man abgefertigt wie ein Burger.

In der Altona Filiale sind people of color für die Tabletts und für die Küche zuständig. Das sind schon krasse koloniale Zustände bei Jim Block. Mein Gott in welchem Jahrhundert leben die eigentlich? Was ist das für eine Arbeitsphilosophie, ein Selbstverständnis?

Wir verließen die Filiale völlig unzufrieden. Von Jim Block hätte ich mehr erwartet. Nach diesem ernüchternden Besuch sind meine Erwartungen natürlich gesunken.

Willkommen bei McSardinenbüchse!

Die McDonalds Filiale an der Autobahnraststätte war proppenvoll. Als ich den Laden betrat fühlte ich mich wie in einer Sardinenbüchse. Eingezwängt! Der Service von Mcces ist aber deutlich schneller. Der Fordismus lässt grüßen. Wir warteten etwa eine halbe Stunde auf zwei Veggieburger, nicht im Menü. Auf die labbrige Mcces Pommes hatten wir keine Lust und zu trinken gab es im Auto genug. Gerade, weil wir die Burger nicht im Menü bestellten, wurde es teuer für lediglich zwei Burger. Das ist natürlich total unerfreulich. Konsumgesellschaft sagt Hallo.

Im Vergleich zum JB Halloumi schmeckt der mittlerweile nicht mehr so neue Veggieburger von Mcces total gut! Das hat selbst mich als McDonalds-Misstrauerin gewundert. Im Veggieburger sind viele verschiedene Zutaten und das Salz stimmt. Wir verließen die Mcces Filiale satt und zufrieden.

Die armen McDonalds Mitarbeiter

Genauso wie Jim Block bildet auch McDonalds aus. Bei McDonalds arbeiten people of color und dunkelhäutige Leute im Gegensatz zu Jim Block auch an der Kasse. Das ist schon mal ein Pluspunkt. Laut eigenen Angaben sind nur 42% der McDonalds Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigt. 48% der McDonalds Mitarbeiter arbeiten in Teilzeit, als kurzfristig oder geringfügig Beschäftigte. Außerdem präsentiert McDonalds vier Auszeichnungen, als Top Nationaler Arbeitgeber und eins für Interkulturalität.

Wenn man fair ist, gibt man zu, die Bezahlung bei McDonalds ist ungerecht. Sie ist schon immer ungerecht gewesen. McDonalds Mitarbeiter arbeiten unter immensem Zeitdruck, bei Hitze, Fett und Essensdüften und müssen auch mal in der Nacht arbeiten. Freche Kommentare von den Kunden gibt es inklusive. Auf Dauer belastet das den Körper und die Nerven.

Und das Fazit:

Komischerweise sieht man die Kunden aus McDonalds im Jim Block wieder. Mein Partner hatte nach dem Jim Block Besuch eine Magenverstimmung. Das war unser erster und wahrscheinlich letzter Besuch bei Jim Block. Der McDonalds Veggie Burger schmeckt besser. Der erste Pluspunkt geht damit an McDonalds.

Während Jim Block people of color in die Küche stellt und Blondchen an den Tresen, sieht man bei McDonalds Ausländer auch an der Kasse. Dafür beschäftigt McDonalds seine Mitarbeiter in geringfügigen und unsicheren Verhältnissen und das ist ausbeuterisch. Das macht je ein dickes Minus bis nach Timbuktu für Jim und Mcces. Wenn ich an den frechen Mitarbeiter an der Kasse bei Jim Block denke, bekommt das Restaurant gleich noch ein extra Minus, schön dick.

Wir haben keine Lust das Erbe des Kolonialismus in Marketingstrukturen immer wieder zu erkennen und auch schlechten Umgang können wir uns getrost sparen. Jim Block verliert das Veggie-Burger Duell.

Eine Kochkultur geht verloren

Wir fanden schnell heraus, dass selbstgemachte Burger besser schmecken. Viele Restaurants bieten simple Gerichte für viel zu teure Preise an. Meist ist das Essen zudem schlecht gemacht, aber nur wenige Leute bemerken es oder es kümmert sie nicht.

Wer kochen kann, möchte im Restaurant nicht irgendwas essen, sondern etwas Gutes. Die Fastfood Industrie hat zunehmend den Geschmack vergiftet. Dies rührt nicht unbedingt aus der Stärke der Industrie her. Es liegt viel mehr an der derzeit schwachen Situation der Kochkultur.
Kulturgut in Form leckeren Essens geht verloren, weil immer weniger Leute selber kochen. Darüber freut sich die Industrie. So richtig schade ist es, wenn Leute meinen, ein Fastfood Menü sei ein richtiges Gericht.

Anmerkung der Autorin:

Dieser Beitrag ist vorher unter dem Titel "Das Veggie-Burger Duell" auf dem Blog www.merveakal.wordpress.com erschienen.

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