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Merve Akal Headshot

Das erwartet euch auf der Affordable Art Fair

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Mit "Kunst für Alle", wohl das beliebteste Beuys Zitat aller Zeiten, wirbt die Affordable Art Fair. Ausgestellt sind viele wunderbare große und kleine Gemälde und Fotografien, die man sofort mitnehmen möchte. Doch auch Installationen und Skulpturen darf man auf der Kunstmesse bewundern. Wer stellt denn sowas in seine Wohnung? Höre ich einige Fragen. Bei Skulpturen beantwortet sich die Frage von selbst. Aber Installationen? Noch zu oft werden Installationen stiefmütterlich behandelt. Wer möchte schon Fragmente eines Teppichs an der Wand haben? Vielleicht lassen sie sich nicht ins Wohnzimmer hängen, es muss ja auch nicht alles im Wohnzimmer stehen. Aber meist ist im Flur oder im Eingangsbereich ein schreiend freier Platz, der kreativ gefüllt werden möchte.

Ein LieblingskĂĽnstler

Unter den Künstlern, deren Werke man auf der Affordable bewunden kann, gehört Rasmus Hirthe zu meinen Favoriten. Seine Schwarz-Weiß-Bilder hat er mit Mischtechnik auf Sackleinen gemalt, dadurch entsteht eine unverwechselbare Oberflächenstruktur. Er malt Alltagssituationen wie spielende Kinder und Leute, die nach dem Regen spazieren gehen. Er hat einen filmischen Malstil. Goldener Schnitt, Bildzentrum, Gleichgewicht und Ausschnitt sind genau geplant, um den erwünschten Effekt zu erzielen. Zufälliges und experimentieren würden stören. Diese Bilder sind dafür gemacht, um im Wohn- oder Arbeitszimmer zu hängen.

Wie nennt man Bilder, die für den Käufer konzipiert sind? Selbstverständlich geht es bei Messen immer um das Verkaufen, sei es die Buchmesse oder eine Kunstmesse. Nur sehr wenige Autoren und Künstler können von dem leben, was sie produzieren. Manche treffen den Geschmack des Kunden erst Jahrhunderte später, wie Stendhal. Da ging es für die Expressionisten und Kubisten wesentlich schneller mit der Beliebtheit und dem darauf folgenden Markterfolg.

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Kunst sein dĂĽrfen

Einfach haben es Kulturproduzenten nicht. Wenn sie machen, worauf sie Lust haben, laufen sie Gefahr ihr Publikum zu verlieren. Und wenn sie produzieren, um zu verkaufen, heiĂźt es, es sei keine Kunst. Dabei sind Auftragsarbeiten und solche, die fĂĽr den Verkauf gedacht sind nicht per se weniger wertvoll als frei entworfene Kunstwerke.

Die AnsprĂĽche an Kunst sind idealistisch. Ein Kunstwerk darf sein was, so denkt man, etwas ganz Besonderes an sich hat und aus einem geniehaften kreativen und fĂĽr Normalsterbliche unerreichbaren Funken entsteht. Selbst der KĂĽnstler soll sich im Nachhinein ĂĽber das Werk, das er vollbrachte wundern. Schneidet er sich ein Ohr ab? Schreit er beim Malen? Oder ist er Hedonist? Dann wunderbar! Dann muss das Produzierte ja Kunst sein! So leicht ist es dann auch wieder nicht. Nach einer durchzechten Nacht produziert man auch so manches, das man im Nachhinein zwar mit recht groĂźem Staunen bewundert, aber nicht als Kunst bezeichnen mag.

Es ist kein Zufall und kein mystischer Funke, der Kunst gebiert, sondern Bildung und die kunstpraktische Ausübung, meist über mehrere Jahrzehnte hinweg. Und in all dieser Zeit findet ein Selektionsprozess statt. Bis ein Kunstwerk bei der Affordable beispielsweise ausgestellt wird, muss es dem Künstler, dem Galeristen, vielleicht ein paar Kunstkritikern und dem potentiellen Käuferklientel gefallen. Die Liste kann man auch erweitern, wenn man von dem Anfang einer künstlerischen Karriere ausgeht.

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Der Spiegel der Kunst

Das Besondere an Kunst, die für den Käufer gemacht wurde, ist ihre Spiegelcharakter. Werke auf der Affordable Art Fair sollen erschwinglich sein. Sie sind also abgestimmt auf den Geschmack eines breiteren Kreises. Der Geschmack gibt Hinweise auf die Vorlieben, Einstellungen, das Handeln und auch auf die Abneigungen einer Person. Man kann die Affordable quasi "lesen" als eine Darstellung der Hoffnungen, Bedürfnisse und der Gedanken unserer Zeit.

Die Lichtobjekte von George K. erobern jedes Herz. Die kleineren Objekte sind ca. 20 cm breit und 60 cm hoch. Die Kronkorken, Logos von Großkonzernen, bunte Perlen und blinkende LED Leuchten hat der Künstler zusammen gebaut zu einer winzigen Jukebox. So reizend! Die Stahlskulptur von Brad Howe scheint aus einem Picasso Gemälde gesprungen zu sein. Kathrin Christoph hat berühmte Leute gemalt. Streng genommen kann man sie nicht als Porträt bezeichnen, denn dazu fehlt der Ort auf dem Bild. Wunderbar sind die kleinen Papier-Plastiken von der karin weber gallery. Großartige Werke hat übrigens die Gallerie K+Y aus Paris mitgebracht.

All diese und viele andere Werke auf der Affordable geben Aufschluss ĂĽber das Denken, Tun und Empfinden, den Zeitgeist. Und der ist, schreibt Fata Esen auf dem Denkerinnen-Blog, schwer zu fassen.

Für mich ist ein Traum wahr geworden. Denn die Affordable Art Fair wollte ich schon seit Jahren besuchen. Gerade Hamburg ein großartiger Orte für eine Kunstmesse. Als Hansestadt hat sie eine gute internationale Infrastruktur, zudem eine vielfältige Galerienszene und mit der Hamburger Kunsthalle eine Institution die Standards setzt.

Anmerkung der Autorin: Dieser Beitrag wurde zuvor auf dem Blog http://merveakal.wordpress.com veröffentlicht.

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