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Hätte ich diese 19 Sachen vor meinem 20. Geburtstag gewusst, hätte ich kein ganzes Jahrzehnt verschwendet

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1. Es ist völlig okay, sich von Menschen, Dingen oder Orten zu verabschieden, die dafür sorgen, dass du dich scheiße fühlst. Das ist gewiss nicht einfach, aber völlig gerechtfertigt. Du musst dein Verhalten auch niemandem erklären, es sei denn, du möchtest gerne. Sollen die anderen sich doch einfach selbst einen Reim darauf machen.

2. Mach dir bloß klar, wer du eigentlich bist. Und das ist nicht nur so ein schwammiger, gefühlsduseliger, die-innere-Schönheit-zählt-Tipp. Genau zu wissen, wer man ist - im Hinblick auf seine ethnische Herkunft, Kultur, Beziehung zur eigenen Sexualität, Geschlechterrolle und Gesellschaftsschicht - verleiht einem Stärke. Und du allein definierst das für dich selbst. Lass dir von niemandem erzählen, wer du bist. Und wer du bist, wird sich im Lauf der Zeit ändern, denn du entwickelst dich weiter und lernst dazu. Das ist in Ordnung. Lerne, mit Scham- oder Schuldgefühlen umzugehen, wenn du dich für etwas rechtfertigen musst.

3. Übernimm die Verantwortung für deine Taten. Dies bedeutet, dass du dafür geradestehst, wenn du Mist gebaut hast. Es bedeutet aber auch, dass du einen einmal erkämpften Platz für dich beanspruchst und ihn verteidigst. Du wirst Mist bauen, und alles was du tun kannst, ist um Vergebung bitten. Du wirst dich selbst verteidigen müssen, denn in den seltensten Fällen wird dir jemand diesen Job abnehmen. Es ist gleichermaßen wichtig, sich sowohl seine Fehler als auch seine Rechte einzugestehen.

4. Man wird dich als verrückt bezeichnen. Du bist eine Frau. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, in diesen Zeiten durchs Leben zu wandeln und nicht von irgendjemand als verrückt bezeichnet zu werden. Und oft genau von dem Menschen, dem wir unsere geistige Zurechnungsfähigkeit eigentlich unter Beweis stellen wollten. Du bist nicht verrückt. Diese gottverdammte Welt ist verrückt. Wenn du darunter leidest, dass unsere Welt weder ausgewogen noch gerecht ist, zeigt das nur, dass du ein sensibler Mensch mit einem Fünkchen Einfühlungsvermögen bist.

5. Einfühlungsvermögen lässt sich aneignen. Du musst lernen, wirklich zuzuhören. Dies bedeutet, dass du zuhörst, ohne darüber nachzudenken, wie dich das Gesagte betrifft, oder dir zu überlegen, was du als Nächstes sagen willst. Dies bedeutet, alle Menschen, wer auch immer sie sein mögen, als menschliche Wesen zu betrachten. Du wirst erst dann zu einem menschlichen Wesen, wenn du auch jeden anderen Menschen als solches betrachtest - auch jemanden, der dein Feind ist oder dir Übles will. All Narben auf unseren Seelen kommen von irgendwoher. Deine und die von allen anderen Menschen. Lerne, anderen zuzuhören. Lerne, dir selbst zuzuhören. Niemand kann echtes Einfühlungsvermögen entwickeln, ohne anderen wirklich aufmerksam zuzuhören.

6. Es wird Momente geben, in denen du unerträglichen Schmerz spüren wirst. Es dauert einige Zeit, bis du lernst, dich selbst zu heilen. Und manchmal bleiben nach dem Abheilen Narben zurück. Und manchmal heilen Wunden nicht vollständig. Stell dir deine Narben als alte Kampfwunden vor. Als Zeichen dafür, wie viel weiser du jetzt bist. Als Karten der Orte, die du künftig vermeiden wirst. Halte diese Narben in Ehren. Eines Tages werden sie die einzigen Erinnerungen daran sein, wo du warst und wie weit du dich noch entwickeln musst.

7. Es wird Momente geben, in denen du unerträgliche Einsamkeit spüren wirst. Du musst lernen, liebend gerne Zeit mit dir selbst zu verbringen, denn letzten Endes hat niemand die Möglichkeit, dich so zu lieben wie du selbst. Zu lieben und geliebt zu werden, ist etwas Wunderbares. Trotzdem sollte dir dieser Umstand lediglich einen Anhaltspunkt dafür geben, wie hoch du dich selbst achten solltest. Denn erst, wenn du dich selbst wertschätzt und lernst, Alleinsein in wohltuende Einsamkeit zu verwandeln, kannst du wahre Liebe geben und empfangen.

8. Finde etwas, das dir das Gefühl vermittelt, die Welt würde einen Sinn ergeben - auch wenn du dies gegenüber dir selbst oder anderen nicht logisch begründen kannst. In meinem Fall bedeutet dies, wenn ich nicht mindestens einmal pro Woche Graffiti sprühe, aufstehe, flachgelegt werde, tanze, ein gutes Buch lese, ein Gedicht schreibe, mir eine tolle Scheibe anhöre oder ein weltbewegendes, intellektuell befriedigendes Gespräch mit jemandem führe, ergibt die Welt für mich keinen Sinn und ich verliere den Boden unter meinen Füßen. Wenn ich einen ganzen Monat lang auf all diese Dinge verzichten muss, werde ich zu einem trostlosen, unverständlichen seelischen Wrack. Und dieser Zustand führt rasend schnell zu selbstzerstörerischem Verhalten jeglicher Art. Finde heraus, welche Dinge dir guttun, und bleib ihnen treu, damit du dir selbst treu bleiben kannst.

9. Die Welt, in der du lebst, ist krank. Jeder von uns wird unbemerkt von dieser Krankheit befallen. Bei vielen macht sie sich dadurch bemerkbar, dass sie sich nicht selbst lieben können, ganz zu schweigen von anderen. Einige, die von einer parasitären Form dieser Krankheit befallen sind, betrachten dich als ihren Wirt und saugen sich an dir fest. Vielleicht siehst du es ja als deine Aufgabe an, derartige Parasiten auf immer und ewig durchzufüttern und zu unterstützen. Aber sie werden nicht nur deine ganze Liebe, sondern auch dein ganzes Selbst verschlingen, und nichts als eine leere Hülle zurücklassen. Natürlich kannst du aus dieser Hülle erneut wachsen, aber leicht wird das nicht. Du brauchst Zeit und musst Erfahrung im Umgang mit Untreue und Liebeskummer sammeln, damit du deinem eigenen Urteil darüber, wem du dein Vertrauen schenken solltest, glauben kannst. Lass dich von niemandem ausnutzen. Begib dich nur in die Gesellschaft von Menschen, die gleichberechtigt mit dir auf gleicher Höhe sein wollen.

10. Steig mit niemandem in die Kiste, der dein Vergnügen nicht an erste Stelle setzt. Dieses Verhalten kann verschiedene Formen annehmen, und du bist vermutlich noch dabei, das herauszufinden. Gib dich nicht mit jemandem zufrieden, der dir keinen Raum lässt, um Neues zu entdecken, dich auszudrücken und vor allem, um zu genießen. Dies gilt insbesondere, wenn dein Sexpartner dich nur als Vehikel benutzt, um zum Höhepunkt zu gelangen. Dabei solltest du natürlich nicht das Vergnügen deines Sexpartners ignorieren, sondern einfach dein eigenes als ebenso wichtig ansehen.

11. Du bist nicht für die Taten von Menschen verantwortlich, die sich selbst so sehr hassen, dass sie dich absichtlich verletzen.

12. Kollektivismus ist ein tolles Konzept und etwas, worauf man immer hinarbeiten sollte. Kollektivismus hat ungerechte Strukturen und Einrichtungen radikal verändert und angefochten. Aber wenn du dein eigenes Überleben für das Gemeinwohl opferst, wirst du bald händeringend den Sinn deines Daseins anzweifeln und angesichts ihres unverfrorenen Egoismus den Wert anderer Menschen in Frage stellen. Bemühe dich um einen gesunden Ausgleich.

13. Umgib dich nicht mit Menschen, die einen seelischen Knacks haben und nicht daran arbeiten, wieder auf die Beine zu kommen.

14. Du bist nicht dein Job. Dein Job ist einfach das Geld, was am Ende des Monats auf deinem Konto landet. Und das muss nicht unbedingt dem entsprechen, was du wert bist. Das ist ganz gewiss nicht deine Schuld: Du hast ein marodes Wirtschaftssystem geerbt und wirst nicht die erste Generation sein, die für ihr Recht zu leben kämpfen muss. Aber du musst für dieses Recht kämpfen, und zwar solidarisch mit all deinen Mitmenschen, die ebenfalls zu kämpfen haben.

15. Auf die Universität zu gehen, ist eine Leistung. Aber dieser Umstand macht aus dir keinen besseren Menschen. Und es macht dich prinzipiell auch nicht intelligenter. Du wirst niemals leugnen können, aus welcher Gesellschaftsschicht du stammst - und du wirst niemals wirklich zu der Gesellschaftsschicht gehören, die du anstrebst.

16. Wenn du das Erlernte, das dir über welche Möglichkeiten auch immer eröffnet wurde, nicht dorthin trägst, woher du gekommen bist, dann hast du nichts gewonnen, sondern dich einfach nur verändert. Sich anzupassen, ist eine bewusste Entscheidung. Versuche stattdessen, zur Übermittlerin zu werden. Versuche, die dir gebotenen Möglichkeiten auch weniger privilegierten Menschen zu eröffnen. Versuche, mit den Strukturen zu brechen, die denjenigen von uns, die über mehr Möglichkeiten verfügen, gelehrt haben, dass sie zwar mehr wert sind als zuvor, aber immer noch weniger als ihr neues Umfeld.

17. Nimm dir Bestätigung nicht zu sehr zu Herzen. Dies gilt insbesondere für diejenigen unter uns, die im Zeitalter der sozialen Medien großgeworden sind. Der Blick der Hegemonie ist stets auf uns gerichtet. Such dir Bestätigung durch das Verhältnis von deinem positiven Einfluss auf dich und andere und der Häufigkeit, mit der du Scheiße baust und andere verletzt. Und du wirst andere verletzen. Übernimm die Verantwortung dafür, wenn dies nötig ist. Und achte darauf, wie häufig dies passiert im Verhältnis dazu, wie häufig du anderen bei ihrer Entwicklung hilfst. Wir sind gewiss keine Heiligen. Aber wir sollten stets versuchen, unser Bestes zu geben und uns in andere hineinzuversetzen.

18. Bring deine Probleme in die Gemeinschaft ein und tu dich mit Menschen zusammen, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Wir können nur innerhalb uns selbst einen Sinn in dieser zerstörten Welt und ihrer korrupten Ideologie finden, die wir geerbt haben. Darum gilt: Kämpfen, kämpfen, kämpfen.

19. Du bist von Natur aus wertvoll. Du hast einen Wert. Und musst niemanden um Erlaubnis dafür bitten.

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