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All die Schauergeschichten, die ich über Geburten gehört habe, stimmen

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GEBURT
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Nichts ist schlimmer, als dass sich das Baby verspätet. Wenn der Entbindungstermin (ET) zum normalen Tag wird und man am nächsten Tag immer noch schwanger ist. Dein Handy wird nicht aufhören zu läuten. Freunde und Verwandte wollen sich natürlich erkundigen, wie es dir denn so geht und ob dein Putzerl schon endlich da ist?!

Die nackte Wahrheit

In den letzten Wochen drückte es so arg auf meine Blase, dass ich meistens nur noch im Stehen und unter der Dusche pinkeln konnte. Ich hatte nonstop das Gefühl aufs Klo gehen zu müssen, dort angekommen, kam aber nix heraus.

Im letzten Schwangerschaftsmonat habe ich sage und schreibe 55 Euro nur für öffentliche Toiletten ausgegeben. Tagsüber spazierte ich stundenlang, ging mit Freunden ins Kino, legte die Babykleidung zum x-ten Mal schön zusammen, packte die Kliniktasche aus und wieder ein (irgendetwas muss ich ja wohl tun um die Zeit totzuschlagen).

Nachts lag ich (so gut mir das Liegen gelang) im Bett und sah mir im Netz Babyfotos an und habe dutzende Mama-Seiten auf Facebook geliked. Ich hatte außerdem gefühlte hundert Mama-Apps heruntergeladen.

Ich fühlte mich bereit und konnte es kaum erwarten, endlich Mutter zu sein. "Wie wird sie wohl aussehen?" Diese Frage stellte ich mir am meisten, denn ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie meine Tochter wohl aussehen würde. Ich hoffe, sie ist kerngesund. Ich hoffe, sie kommt endlich.

Jede Geburt ist einzigartig

Und 6 Tage nach ET kam sie tatsächlich- ENDLICH! Von 22 Uhr bis Mitternacht hatte ich regelmäßige Schmerzen. Es fühlte sich an wie ganz starke Regelschmerzen, die kamen und gingen, dann wieder kamen.

Ich dachte, es seien wieder einmal die Vorwehen, die ich schon seit Wochen hatte. Zur Sicherheit fuhr ich aber ins Krankenhaus (zum 3. Mal in diesem Monat). Ich dachte echt, sie würden mich wieder nach Hause schicken, aber diesmal blieb ich.

Nach 8 Stunden Einleitungswehen (wie SEHR starke Regelschmerzen) und 4 Stunden Presswehen (wie SEHR starke Verstopfung), kam ENDLICH mein kleines Putzerl auf die Welt. 12 Stunden Schmerzen ohne PDA (fragt mich nicht wieso), die ich niemals vergessen werde.

Am meisten hatte ich vor einer möglichen Saugglockengeburt und/oder einem Dammriss/-schnitt Angst. Vor den Rissen haben die meisten Frauen Angst, stellen danach aber fest, dass sie nicht so schlimm sind.

All die Schauergeschichten, die ich über Geburten gehört habe und wie alles vergessen ist, sobald man sein Kind zum ersten Mal sieht, all dies stimmt. Und diesen Moment selbst zu erleben, ist unbezahlbar. Aber man kann es keinem erklären, denn jede einzelne Geburt ist einzigartig.

Worüber keiner mit dir redet

Ich dachte, die Geburt an sich wäre eine der größten Herausforderungen, die man als Mutter meistern müsste. Dass ich die ersten paar Monate nicht viel schlafen würde, fand ich auch nicht allzu tragisch, denn ich war schon darauf eingestellt.

Immerhin sagt es dir auch jeder. ABER, dass die ersten Tage Stillen mit Abstand das Schrecklichste auf der Welt sind, dass dieser nun hängende Bauch nur mit viel Schweiß weggearbeitet werden würde, dass der Baby-Blues in mir eintritt, sobald das Baby aus mir rauskommt, dass ich manchmal wünschte, ich könnte mich wo hinstellen und schreien, da ich ihre Schreie nicht mehr hören kann, DAS sagt dir keiner!

Im Netz gibt es nur Fotos von wunderschönen Frauen mit vollen Brüsten, die ein Baby in den Armen halten und es stillen. So sieht die Realität aber nicht aus. Auch die geschminkten, fitten Mütter brauchen Zeit nach der Geburt und sind oft eben "geschminkt fit".

Wenn du nicht zu ihnen gehörst, dann macht dich deswegen nicht fertig. Ich hatte im Krankenhaus 3 Zimmergenossinnen. Die eine war von Beruf Fitnesstrainerin und hatte keinen einzigen Dehnungsstreifen am Bauch.

Ich bin eine ehrliche Mutter

Sie war sehr hübsch und sah nicht so aus, als hätte sie gerade erst entbunden, sondern, als hätte sie letzte Nacht etwas viel gegessen. Die Zweite hatte einen Notkaiserschnitt hinter sich und brauchte einige Tage, bis sie zu Kräften kommen konnte und überhaupt mit uns sprach.

Die Dritte scherzte schon, sobald sie ins Zimmer kam und war ein richtiges Energiebündel. Ich persönlich fühlte mich wie von einem Lastwagen überfahren und hatte massive Augenringe. Warum erzähle ich euch das? Weil wir alle unterschiedlich sind. Keiner redet über die Schattenseiten des Mutterseins, aber es wäre toll, wenn wir es doch tun würden und vor allem dürften.

Es ist tabu darüber zu reden, sonst zählst du als Rabenmutter. Ich bin auch eine Rabenmutter, ich gebe es ganz offen zu. Es gibt Tage, da bin ich eine Rabenmutter und das weiß ich auch. Dann gibt es Tage, an denen ich eine Supermama bin und auch das weiß ich.

Vor allem bin ich aber eine ehrliche Mutter und wenn mich eine schwangere Freundin über das Stillen fragt, dann sage ich ihr "besorg dir Lanolin." Das ist eine Salbe, die man im Krankenhaus schon in kleinen Mengen bekommt, die man sich auf die Nippel schmiert. Sie sorgt dafür, dass der Schmerz gelindert wird. Das klappt sehr gut, außerdem ist sie geruchs- und geschmacklos, also ideal für Mama und Kind.

Das Wochen-Horror-Bett

Für all jene, die es nicht wissen: Wenn du einmal die Geburt deines Kindes hinter dich gebracht hast, wirst du circa - je nachdem - zwischen 6 und 8 Wochen Blutungen haben. NICHT LUSTIG! Natürlich ist auch diese Erfahrung von Frau zu Frau anders - wie eben alles in diesem Abenteuer des Mutterseins.

Gerade am Anfang möchte man doch für sein Kind stark sein und wenn man daran scheitert, entstehen echt große Schuldgefühle. Ich weiß jetzt schon, dass ich mein nächstes Baby mehr "genießen" werde, weil ich schon in etwa weiß, was auf mich zukommen wird.

Das Wochenbett ist anstrengend, du wirst mit deinen Schmerzen und Schlaffheit beschäftigt sein, wo du dich am liebsten mit deinem Baby beschäftigen wollen würdest. Deswegen: Steh diese Zeit nicht alleine durch!

Zeit ist das Zauberwort

Lass dir Zeit mit deinem Kind, hol dir Hilfe (dein Partner, deine Mama, seine Mama, Hebamme, eine gute Freundin ...), du darfst auch Milch abpumpen, wenn dir das Stillen - und das wird es - am Anfang zu viel wird.

Nur weil überall Mütter niedergemacht werden, weil sie hin und wieder einmal abpumpen, heißt das nicht, dass du es nicht darfst, oder ein schlechtes Gewissen dabei empfinden musst. DU entscheidest was du darfst!

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Stillen ist Teamwork und braucht Zeit. Ich habe mich in der Schwangerschaft am meisten auf das Stillen gefreut und brauchte trotzdem unzählige Tage, bis ich die Schmerzen meistern konnte.

Lass dir von keinem einreden, dass du eine schlechte Mutter bist, wenn du für etwas länger brauchst, eine Sache anders, oder vielleicht langsamer als andere machst. Du bist die Mama und du machst die Regeln.

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Blog Hotel Mama.

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