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Würden wir Muslime euch umbringen wollen, hätten wir schon längst die Döner vergiftet

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KEBAP
Adam Berry via Getty Images
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Die Welt braucht ein großes Pflaster, denn sie blutet überall und der Schmerz ist kaum auszuhalten.

Die frischeste Wunde ist wohl London, denn dort spielten sich die jüngsten, terroristischen Taten ab: Ein Terrorist fährt in einem Minibus eine Menge Leute nieder, die gerade aus einer Moschee herauskamen.

Dabei schrie er laut Augenzeugen: "Alle Muslime, ich will alle Muslime töten!". Bei diesem Attentat ist eine Person ums Leben gekommen, zehn weitere wurden schwer verletzt.

Terror oder kein Terror?

Überall in den Medien wird davon gesprochen, dass es ein "Zwischenfall" sei und, dass "Ein Mini- Van" die Tat begangen hätte. Der Täter selbst wird höchst passiv dargestellt, nämlich so, als träge er für seine eigenen Taten keine Verantwortung.

Der Einzige, der von "Terror" in diesem Fall spricht, ist der Bürgermeist Sadiq Khan. Er wird auf den sozialen Netzwerken von Menschen überall auf der Welt als "Heuchler" bezeichnet.

Auch in Amerika ist gestern eine Muslima ums Leben gekommen, die von einer Moschee in Virginia auf dem Weg nach Hause gekidnappt und geschlagen wurde. Später fand man sie tot in einem Teich.

Bei diesem Fall spricht man genauso wenig von einem Terroristen, eher von einem geistig Verwirrten. Die Termini der meisten Medien weltweit sind hier leicht durchschaubar: Als Terrorist wird der Täter nur dann benannt, wenn er muslimischen Glaubens ist.

Islamfeindliche Übergriffe um 62 Prozent angestiegen

Ob er religiös ist oder nicht, spielt hierbei keine Rolle - Hauptsache der Name und sein Aussehen passen. Sobald es sich aber um "White Terrorism" handelt, sind es Einzelfälle von Geisteskranken, die in der Berichterstattung höchst passiv dargestellt werden.

Aber eine Sache haben diese Terroristen- woran sie auch immer glauben- gemeinsam: Sie alle schaffen es, den Hass aufeinander zu schüren - und das mit Bravour.

Somit haben sie ihr größeres Ziel erreicht und dies ist nicht, dass unschuldige Seelen ums Leben kommen, sondern, dass der Hass in der Menschheit mehr Platz hat als alles andere.

Laut der Dokustelle in Österreich stiegen die islamfeindlichen Übergriffe von 2015 auf 2016 um 62 Prozent an. Hier handelt es sich nur um die dokumentierten Attacken, denn nicht jedes Opfer meldet solche Taten.

Es ist unbeschreiblich wichtig, dass man gegen den terroristischen Strom schwimmt und diesen Leuten nicht gibt, was sie sich erträumen.

Mehr zum Thema: Reaktionen auf London-Terror: Politiker in aller Welt trauern, AfD gibt Merkel Schuld

Wir dürfen nicht gegeneinander stehen, denn genau dies wäre die Weiterführung dieses Terrors. Unter dem #NichtmitUns hat die Islamwissenschaftlerin und Religionslehrerin Lamya Kaddor am 17.6. in Köln einen Marsch gegen Hass organisiert.

Sie ist mit Hunderten Deutschen nicht etwa marschiert, um sich zu distanzieren, sondern, um sich klar gegen Hass und Terror zu positionieren.

Nicht nur Muslime, sondern auch Nichtmuslime sind Hand in Hand gegen Hass und für das Miteinander demonstriert, haben gesungen und somit ein starkes Zeichen gesetzt.

Trotzdem wurde die Aktion von Teilen der muslimischen Community und auch außerhalb dieser stark kritisiert.

Die klare Gefahr des Extremismus

Die muslimischen Kritiker sind der Meinung, dass es nichts gäbe, wovon man sich distanzieren müsse und jenen außerhalb der muslimischen Community, war die Anzahl der marschierenden Menschen bei weitem nicht genug.

In Berlin gab es auch einen Marsch, den der rechtsextremen "Identitären Bewegung". In einem Straßeninterview mit dem "Deutsche Welle"-Reporter Jaafar Abdulkarim, verneinten sie aber, dass sie rechtsextrem, oder Nazis seien. Sie möchten, dass Deutschland, blond, blauäugig und reinrassig bleibt.

Mehr zum Thema: Umfrage: Fast jeder zweite Muslim in Deutschland hat sich 2016 für Flüchtlinge engagiert

Genau hier wird für mich eine klare Gefahr sichtbar, denn solche Aussagen haben uns schon vor über 70 Jahren nur Leid und Kummer bereitet. Was tun wir also? Es wäre schon ein großer Schritt, wenn man die mediale Berichterstattung bewusst aufmerksam lesen würde.

Ein Täter ist ein aktiver Mensch, der genau weiß was er tut, wenn er jemanden umbringt- solange es keinen psychologischen Attest gibt, der das Gegenteil beweist. Religion und Herkunft haben sind für einen Terroristen kein Auslöser um jemanden umzubringen, das ist immer eine eigene Entscheidung.

Einfach den Döner Kebap vergiften

Würden wir Muslime euch umbringen wollen, hätten wir schon längst die Döner vergiftet, die alle Fremdenhasser still und heimlich verdrücken.

Gibt es muslimische Terroristen? Ja. Gibt es nichtmuslimische Terroristen? Mehr, als man zu glauben wagt. Aber das Ganze ist kein Wettbewerb.

Diese Menschen haben in unserer Mitte nichts verloren und wenn ihre Taten der Grund sind, warum wir uns weiterhin mit Steinen bewerfen, dann haben sie gewonnen und ihren Willen durchgesetzt.

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Ein Miteinander ist nicht nur möglich, sondern auch die gelebte Realität. Wenn es darauf ankommt, dann halten Menschen nämlich zusammen und lassen sich nicht auseinander reißen.

Es gibt dafür genug Beweise und das sind nicht nur marschierende Menschenmassen, sondern auch Menschen unterschiedlichen Glaubens, die gemeinsam Fastenbrechen, so wie letze Woche in Wien, wo bei einem Open Air Iftar(=Fastenbrechen) über 1200 unterschiedliche Menschen miteinander gegessen haben.

Oder etwa, wie die jüdische Krankenschwester, Ola, die ein muslimisches Kind gestillt hat, solange die Mutter im Koma lag. Oder die Deutschtürkin Tugce Albayrak, die mit ihrem Leben zahlen musste, damit zwei andere Mädchen weiterleben können.

Öffnen wir unsere Augen, schalten wir bei der Berichterstattung das Hirn ein und hören wir auf, Teil des Terrors zu sein, denn Hass hat uns noch nie weitergebracht- ganz im Gegenteil.

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