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"Ich will beweisen, dass jede Frau gut aussehen kann" - Diese jungen Designerinnen zeigen uns, wie stylisch ein tolerantes Europa wÀre

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HIJABWIESN
Getty
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Weibliche Passion kunterbunt

Sie sind weiblich, muslimisch und ihre Körper bedeckt. Wahrscheinlich tragen sie auch nur diese "Fetzen" am Kopf, weil sich darunter ein ungepflegter, einsamer und scheuer HaarknĂ€uel befindet, der fĂŒr die große Welt noch nicht bereit ist. Sie sind schon ein Mysterium, diese weiblichen "Mohamedaner" (so nennt man Musliminnen im deutschsprachigen Raum recht oft, wenn man sie beleidigen möchte), aber wir wollen gar nicht zu viel mit ihnen zu tun haben, den sie haben nicht viel drauf- denken viele!

In your Face, Haters!

Auf junge Musliminnen trifft man heute in so gut wie in jeder Branche. Die letzten olympischen Spiele in Rio waren wohl der grĂ¶ĂŸte Beweis dafĂŒr, wie weit es kopftuchtragende Musliminnen schon geschafft haben. Aber eine Branche war fĂŒr sie fast unerreichbar- die Modebranche.

Wieso? Weil ihnen oft vorgeworfen wird, sie hÀtten keinen Geschmack in punkto Style. Wie sollte das auch mit einem Kopftuch gehen? Ich kann aus eigener Erfahrung bestÀtigen, dass ein Outfit mit einem Kopftuch kombiniert, mehr KreativitÀt braucht, um gut auszusehen.

Nun ja, Zeiten und GeschmĂ€cker haben sich verĂ€ndert. Die Amis haben es uns vorgemacht: In der letzten New York Fashionweek war eine Modest Fashion- Collection von der indonesischen Muslima Anniesa Hasibuan zu sehen. Die Designerin zeigte uns vor, wie es in Europa aussehen könnte, wenn fĂŒr Toleranz etwas mehr Platz wĂ€re.

Macht Platz da!

Muslimische Fashionqueens auf Instagram machen sich schon seit Jahren breit, haben Millionen von Follower und verdienen mit Mode ihre Brötchen. Dina Toki-o zum Beispiel, die englisch-Ă€gyptisch-StĂ€mmige "Lazy Doll", machte den Turbanlook zum Kult- und das auch bei Nichtmusliminnen. Der jungen Designerin folgen ĂŒber 1 Million auf Instagram, um ihren Geschmack zu bewundern.

Yasemin aka „YazTheSpaz89" ist amerikanische StaatsbĂŒrgerin mit kubanisch-tĂŒrkischen Wurzeln und hat eine Farbkombination drauf, die auch ihr seit Jahren unzĂ€hlige Follower verschafft. Die Liste der Damen, die mit Modest Fashion ihr Geld verdient ist sehr lang und wird immer lĂ€nger. Um das Ganze auf den deutschsprachigen Raum herunterzubrechen, habe ich mich mit S. Rollexa unterhalten.

Die DeutschtĂŒrkin ist mit ihren jungen 25 Jahren schon in der Modewelt herumgekommen. Nicht nur, dass sie beim Eurovision Contest als Stylistin gearbeitet hat, auch in Wien lernt sie gerade bei einer der renommiertesten Designerinnen fĂŒr Braut-und Abendmode. Rollexas Designs sind einfach zu beschreiben: HĂ€tten der Westen und der Orient eine LiebesaffĂ€re, wĂŒrde diese Liebesgeschichte so aussehen, wie ihre Designs. Hier zwei Beispiele:

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Fotocredit: Rollexa

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Fotocredit:Elisabeth Radhe

Die kreative Muslimin in High Heels und schick gebundenem Kopftuch macht aber nicht nur fĂŒr muslimische Frauen Mode: "Ich will beweisen, dass absolut jede Frau gut aussehen kann. Meine Kundinnen sind so unterschiedlich wie Ost und West und genauso sind auch meine Designs. Ich nehme mir die Inspiration aus allem, was mich umgibt. Die Farben eines Vogels im Sonnenlicht inspirieren mich.

Jedes kleinste Detail um mich herum spricht mich an und das adaptiere ich in meiner Arbeit. Das ist mein Job und den mache ich mit purer Leidenschaft." Auf die Frage, ob sie es als KopftuchtrĂ€gerin in der Modebranche schwer hat, antwortet sie ganz selbstbewusst: "Nein. In dieser Branche hat es jeder schwer, aber ich habe nicht das GefĂŒhl, als sichtbare Muslima benachteiligt zu werden. Im Gegenteil. Ich breche Stereotype. Wenn ich wo Backstage auftauche, mit Kopftuch, in High Heels und einzigartigem Style, dann schauen mich alle verwundert an.

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Nachdem die Kollegen jedoch mit mir gearbeitet haben, gehe ich mit gutem Gewissen nach Hause, weil ich das Stereotyp von der faden, verklemmten Muslima richtiggestellt habe. "Nicht nur Rollexa bricht Stereotype. Dasselbe macht auch Maria Dilek. Maria ist zwanzig Jahre alt und eine Wiener Fashionista, die auf Instagram (Mariaa.sm) ĂŒber 30.000 Follower hat. Ihr Geschmack ist simpel, aber auffallend und individuell.
Auffallend & Individuell. Das sind wohl die Wörter des Jahres fĂŒr die Muslima 2016.

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Fotocredit: Maria Dilek (Instagram: mariaa.sm)

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