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Islam sells: Warum die Österreicher aufhören müssen, im Wahlkampf nur über Muslime zu sprechen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FPOE
dpa
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Islam sells.

Mit diesem Titel fasst die Journalistin Ingrid Thurner in einem Artikel für die "Wiener Zeitung" die momentane Lage des Wahlkampfes in Österreich zusammen. Besser kann man es nicht ausdrücken.

Es gibt sechs Spitzenkandidaten, die sich in so gut wie keinen Themen einig sind. Lunacek von den Grünen fordert zum Beispiel die Ehe für Alle, Strache und Kurz sind vehement dagegen, weil es ihrer Meinung nach gegen die christlichen Werte ist.

"Die eingetragene Partnerschaft ist fair genug", argumentieren Kurz und Strache, oftmals im selben Atemzug.

In TV-Shows wird herumgeschrien, von links und rechts kommen Schuldzuweisungen, weit und breit nur Dirty Campaigning und es macht den Anschein, als würden sich die Vertreter der verschiedenen Parteien nicht gegenseitig riechen können.

Nur ein Thema gibt es, bei dem sie sich einig sind und, wo man plötzlich links von rechts gar nicht mehr so leicht voneinander unterscheiden kann:

Den Islam.

Der Islam verkauft sich als Wahlthematik nicht nur gut, er ist ein Wundermittel, das für mehr Stimmen und ein Beschützerimage sorgt.

Man möchte die eigene Kultur und die eigenen Werte retten und den Untergang des Abendlandes verhindern, denn die Baklava-Kultur nimmt immer mehr zu und das wolle man nicht.

Doch während die Politiker sich am Islam aufreiben, werden wichtige Probleme der Österreicher nur stiefmütterlich behandelt.

Mehr zum Thema: Verschleierte Hetze: Das österreichische Burka-Verbot zeigt, dass es nie darum ging, Frauen zu befreien

Es ist gar nicht so lange her, da gründete der Außenminister, der auch Integrationsminister ist, den Österreichischen Integrationsfonds. Integration soll gelebt werden und durch gelungene Integrationsbeispiele - meistens prominente Aushängeschilder- gefördert werden.

Rechtzeitig zu Ramadan werden "Iftar"-Einladungen (Einladungen zum Fastenbrechen) ausgesendet, damit der interreligiöse Diskurs leichter wird - Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.

Auch mit der MJÖ (Muslimische Jugend Österreich) wurde zusammengearbeitet, denn Sebastian Kurz ist vom Alter und seiner damaligen Einstellung her, im Unterschied zu den anderen Politikern, den jungen Muslimen sehr nah gewesen.

Heute, gar nicht so viele Jahre später, möchte Integrationsminister Kurz, der weder ein bosnisches Lied, noch ein türkisches Sprichwort oder ein arabisches Gedicht kann, die Migration stoppen.

Das Wort Integration hat einen negativen Beigeschmack

Mein erster Gedanke war "Wäre er dann nicht arbeitslos?"

Alleine schon das Wort Integration hat einen negativen Beigeschmack.

"Die Integration" kommt aus der integrativen Pädagogik und dient dazu, dass Menschen mit allerlei Behinderung "integrativ" in die Gesellschaft begleitet werden. Später wurde es ein Begriff für Minderheiten - früher Menschen jüdischen Glaubens - und heute sind es eben die Ausländer oder die Muslime, die sich in die österreichischen Werte integrieren sollen.

Wenn das nicht adhoc funktioniert, gilt man auch als integrationsunwillig. Um den Islam und die Muslime so darzustellen, wie man möchte, dass sie gesehen werden, beauftragt Sebastian Kurz den Islamwissenschaftler Ednan Aslan, eine Studie über Islamkindergärten zu machen.

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

Die Studie wurde durchgeführt und wenn man ihr Glauben schenkt, werden schon in den Kindergärten kleine Terroristen ausgebildet. Natürlich machte diese Geschichte große Schlagzeilen. Endlich gibt es Schwarz auf Weiß eine Studie, die die Radikalität von vierjährigen Binladens bestätigt.

Schon Jahre davor hat die junge Journalistin Nour Kelifi für das Kulturmagazin "das biber" eine Undercover-Reportage gemacht, mit genau gegenteiligen Ergebnissen. Für ihre gelungene Arbeit räumte sie einen Journalistenpreis nach dem anderen ab und kam unter die besten 30 unter 30 im Magazin "Der österreichische Journalist" im Jahr 2016.

Wem soll nun Glauben geschenkt werden?

Der Islam ist böse, die Muslime gehören verbannt

Florian Klenk von der Zeitung "Falter" veröffentlicht kurz nach dem Erscheinen von Aslans Studie Leaks, die beweisen, dass die Studie nicht wissenschaftlich ist. Außerdem wimmelt sie von Ausbesserungen vom Ministerium. Keiner von Aslans Mitarbeitern möchte nun etwas damit zu tun haben und auch Aslan und Kurz distanzieren sich einmal von dieser Arbeit, dann wieder nicht.

Im Moment wird die Studie unter anderem von der Hauptuni Wien auf Wissenschaftlichkeit überprüft. Die Sozialwissenschafterin Andrea Schaffar schrieb im "Der Standard", dass die Studie "nichts mit Forschung zu tun hat".

Das ist nun die Schiene, die Sebastian Kurz für seinen Wahlkampf ausgewählt hat. Eine Schiene, die Strache ja schon seit vielen Jahren fährt.

Der Islam ist böse, die Muslime gehören aus dem Land verbannt und die Ausländer sind an allem Schuld, wofür es gilt Schuld zu tragen.

Mehr zum Thema: Ich bin entsetzt, wie auf dem Rücken der Muslime Politik betrieben wird

Komisch, dabei stammt er selber aus einer Migrantenfamilie. Aber wer tut das eigentlich nicht? An Strache ist aber wenigstens sympathisch, dass er seiner fremdenfeindlichen Einstellung treu bleibt. Man weiß, wo man bei ihm steht. Man weiß, was er und seine Partei von Frauen halten, vor allem, wenn es um die Töchter in der Bundeshymne und in der Partei selber geht.

Diese Männer spielen einem nichts vor, außer es geht um Antisemitismus, denn da sind sie öffentlich zwar immer dagegen, einige von ihnen tragen aber dann doch sehr stolz die Kornblumen und es tauchen immer neue Skandale und antisemitische Posts auf, die dann später gelöscht, oder zurückgenommen werden.

Hass und Hetze sind gestiegen, weil die Politiker einfach gut verkaufen

Einer dieser zwei Herren wird höchstwahrscheinlich die Wahl gewinnen, sie haben die Anti-Islam-Karte gewählt und diese funktioniert sehr gut. Es ist eine altbekannte Methode, aber mit den Jahren ändert sich die Glaubensgruppe.

Und obwohl Österreich eines der sichersten Länder auf der Welt ist und Wien zum mehrfachen Mal zur lebenwertesten Stadt der Welt ernannt wurde, die Kriminalitätsrate, sowie die Arbeitslosenrate laut den Statistiken zurückgegangen sind, sind Hass und Hetze gestiegen, weil diese einfach gut verkaufen.

Wir wissen alle, dass diese Methode gut funktioniert, denn die deutsch-österreichische Geschichte ist in diesem Fall ein gebranntes Kind, das nicht aus seinen Fehlern lernt.

Das schadet am Ende allen Bürgern und Bürgerinnen Österreichs. Statt zusammen die wahren Probleme des Landes zu bekämpfen und die Zukunft zu gestalten, wird Islampanik, Hass und Ausgrenzung geschürt.

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