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Grab ´em by the Kopftuch

08/01/2017 14:59 CET | Aktualisiert 25/08/2017 10:20 CEST
Maskot via Getty Images

Weihnachten ist vorbei und der alltägliche Trott findet langsam wieder seinen Weg in unser Leben. Der Winter hat Österreich in eine schöne, ruhige und magische Winterlandschaft verwandelt - wie jedes Jahr eben.

Letzten Sommer gab es wochenlang die Burkini-Debatte. In Frankreich fing die Diskussion an, im Rest Europas war es auch Thema. Nun, wo es jetzt doch deutlich kälter ist und keine Burkini-Diskussion "passen" würde, reden wir doch über das Kopftuch. Wieder einmal. Wie jeden Winter.

Hundescheiße ist wichtiger als Arbeitslosigkeit

Wenn in Österreich nicht wieder über Hundescheiße diskutiert wird, die auf den Gehsteigen lauert und nur darauf wartet, den armen Fußgängern am Schuh zu kleben, dann ist es das Kopftuch, worüber sich Politiker den Kopf zerbrechen.

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Ja, richtig gelesen. Der Hundekot der Österreicher sorgt in der Politik für mehr Aufmerksamkeit, als zum Beispiel das Thema "Arbeitslosigkeit". Ich weiß nicht, ob es das Winterloch ist, das die österreichischen Politiker mit der "Kopftuchproblematik" stopfen wollen, oder ist es einfach nur purer Antifeminismus, aber mit der Zeit wird es langweilig.

Außenminister will Kopftuch verbieten - schon wieder

Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz findet, dass das Kopftuch im öffentlichen Dienst nichts verloren hat. Er möchte dieses dort nicht haben. Schön, dann soll er einfach keines tragen. Er sollte die Entscheidung über Bekleidung zu 100 Prozent alleine treffen dürfen, solange es sich um seinen eigenen Körper handelt.

Genetik ist das einzige Privileg, das er genießt. Blond, helle Haut, blaue Augen, europäisch. Dafür kann er nichts. So ist er geboren worden. Er ist ein Integrationsminister, der weder ein türkisches Sprichwort, ein bosnisches Gedicht, oder ein arabisches Lied kann.

Fremdenhasser bleibt Fremdenhasser

Was weiß er über die Menschen, die Steuern in seinem Land zahlen? Was hat ein Kopftuch mit Integration zu tun? Führen wir den Gedanken weiter: Mal angenommen das Gesetz ist in Kraft gesetzt und es gibt keine Kopftuchträgerinnen in Österreich mehr. Was dann? Regnet es dann Harmonie und Nächstenliebe? Fremdenhasser bleibt Fremdenhasser, denn es ist keine Brücke gebildet worden. Wo ist die Kommunikation? Wo ist die Aufklärung? Wo ist die Zusammenarbeit?

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Für mich als Muslima ist das Kopftuch wichtig, weil es Teil meiner Identität ist. Sollte ich es abnehmen müssen, würde ich gegen meinem Willen so leben, aber der Rassismus wird nicht aufhören. Mit Kopftuch bin ich die Kopftuchmafia und ohne bin ich eben die Negerschlampe. Für mich wird sich also nicht viel ändern, denn ich bin ja schließlich nicht sichtbar europäisch.

Fremdenhass beginnt im Kindergarten

In Österreich wird der Charakter schon im Kindergarten "abgehärtet" wenn man anders aussieht und andere Sprachen kann. Anstatt diese Vielfalt zu nutzen und unseren Kindern Ethik , Sprachen und Kulturen aller Welt beizubringen, hetzt man sie gegeneinander auf und erntet dann Jahre später wütende Erwachsene - auf beiden Seiten.

Wenn sich nichts ändert, dann ändert sich nichts. Ein Kopftuchverbot wird das Denken der Menschen nicht ändern, es zeigt nur, dass Frauen - wieder einmal - nicht entscheiden dürfen, was sie tragen. Dies alleine bedeutet im Jahr 2017, dass wir kläglich gescheitert sind.

Mädels, Solidarität ist angesagt

Frauen auf Frauen zu hetzen ist klug und klappt (leider!) immer. Nimm eine Frau im Minirock und erzähl ihr, dass die Frau im Kopftuch unterdrückt ist. Dann erkläre der Frau im Kopftuch, dass die Frau im Minirock billig ist. Ohne miteinander zu reden werden diese Frauen nur über einander reden und urteilen. Wieso? Weil wir Frauen leider denken, dass Freiheit mit Nacktheit kommt.

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Männliche Designer haben uns das eingetrichtert und wir glauben und leben es. Wir glauben, dass wir schlank sein müssen, wir glauben auch, dass große Lippen und runde Popos für Weiblichkeit stehen und wer all dies nicht hat und zeigt, der muss wohl unterdrückt sein.

Macht euch keine Sorgen um die Frau im Kopftuch, macht euch keine Sorgen um die Frau im Minirock, denn solange beide erwachsene Damen sind, wissen sie schon was sie tun. Es wäre aber unheimlich schön, wenn wir Frauen ENDLICH anfangen würden einander gegenseitig den Rücken zu stärken, auch wenn wir unterschiedlicher Meinungen sind, wir haben dasselbe Ziel: Selbstbestimmung. Solidarität ist angesagt, Mädels. Denn am Ende des Tages, nimmt jede Kopftuchträgerin das Kopftuch herunter und sieht nicht viel anders aus als du.

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