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Der grüne Donut

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DONUT
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Am 8. November 2016 waren die Präsidentschaftswahlen in den USA. Sie gingen so aus, dass ein xenophober Antifeminist, der sich über Menschen mit körperlichen, sowie geistigen Behinderungen lustig macht, nicht nur straflos davon kam, sondern auch noch Präsident wurde.

Obwohl ich nicht in den USA lebe, war ich am Boden zerstört und zutiefst enttäuscht. Welcher Vater wählt einen Mann, der mit "Grab ´em by the Pussy" wirbt? Und vor allem: Welche Frauen wählen solch einen Mann?

Der blaue und der grüne Donut

Zum Trost gönnte ich mir ein paar Donuts, denn irgendwo musste der Frust hin. Darunter waren ein blauer und ein grüner. Mir kam das Lachen, denn im Dezember sind die Präsidentschaftswahlen in Österreich, meinem Heimatsland. Die Kandidaten könnten unterschiedlicher nicht sein:

Ein blauber Norbert Hofer, der alles "fremde" aus Österreich rauswerfen möchte, ohne bemerkt zu haben, dass Österreich in den letzten 100 Jahren praktisch auf "fremden" Beinen zu stehen gelernt hat- und: ein grüner Alexander Van der Bellen, der Österreich als das Mosaik der Kulturen das es seit über hundert Jahren schon ist, weiterhin kunterbunt beibehalten möchte.

Heimweh

Nun, auch dieser Tag ist gekommen. Alexander Van der Bellen ist von über 50% der ÖsterreicherInnen zum neuen Bundespräsidenten der Republik Österreich gewählt worden. Warum ist mir das so wichtig?? Mir ist das wichtig, weil ich in den letzten Jahren viel außerhalb von Österreich war und nicht oft Heimweh hatte.

In den letzten Jahren hatten sich die Attacken auf Muslime und homosexuelle Paare so sehr gehäuft, dass ich mich in der Ferne eher wohl fühlte, weil ich mich weder erklären, noch rechtfertigen musste sichtbare Muslima zu sein. Aber vor allem ist mir der Sieg von Alexander Van der Bellen wichtig, weil ich Mutter bin. Ich möchte nicht, dass meine Tochter eines Tages verweint nach Hause kommt und mir erzählt, sie hätte von Klassenkameraden Ohrfeigen abkassieren müssen, weil sie Muslima sei.

Ich würde nicht wollen, dass sich diese Geschichte wiederholt. Meine Geschichte und die Geschichte so vieler anderer. Ich möchte nicht, dass ich ihr erklären muss, warum ich nicht mit ihr in den Schwimmbad gehen kann, nur weil ich einen Burkini trage und das zu einer Szene führen könnte, die sie nicht sehen soll. Ich möchte nicht, dass sie das Gefühl hat, kein gleichwertiges Mitglied dieser Gesellschaft zu sein. Ich möchte nicht, dass ihr eines Tages jemand zwischen die Beine greift und sie denkt, dass das in Ordnung sei, weil wir Männer an die Spitze der Regierung treiben, die mit solch Absurditäten werben und wir sie dafür auch noch bejubeln.

Danke, mein Österreich

Meine lieben Österreicher! Ich würde euch am liebsten alle abbusseln. An dieser Stelle ist es wichtig "Danke" zu sagen. Danke mit Herz, Bussi und Umarmungen. Danke dafür, dass Diversität für euch über Nationalismus steht. Danke an jene, die sich daran erinnern, wohin blinder Nationalismus führen kann. Danke dafür, dass Multikulti über MeinKulti steht. Danke dafür, dass WIR, über ICH steht, für die Freudenstränen, für das Miteinander und vor allem dafür, dass ich mehr als je zuvor stolze Österreicherin bin.

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