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Burkini-Verbot: Wer halbnackt ist, ist noch lange nicht frei

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BURKINI
Getty
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In Cannes ist nun das Tragen eines Burkinis verboten. Wieso? Weil dieser Badeanzug, der den ganzen Körper bedeckt, nach der Meinung von Generaldirektor der städtischen Dienste, Thierre Migoule, ein Zeichen von Sympathie ist. Sympathie mit dem Feind. Dem Islamischen Staat. Aha?!

Aber was haben Frauen und Mädchen, die in einem Ganzkörperbadeanzug (ähnlich dem Taucheranzug) tragen, mit dem IS zu tun? Hat man je einer Burkiniträgerin ein Attentat zuweisen können?

Kopftücher und Burkini - eine saisonale Debatten:

Im Winter sind es die Kopftücher und im Sommer die Burkinis. Je nach Saison sorgt ersteres, oder zweiteres in den Medien für Schlagzeilen. Aber wieso all das? Wieso fühlen sich viele Nichtmuslime von einem Schleier, oder gar einem etwas längeren Badeanzug angegriffen? Was passiert dem männlichen Ego, wenn sich eine Frau dazu entscheidet, in seiner Gegenwart bedeckt zu sein. Und warum fühlen sich einige Frauen in ihrer Weiblichkeit verraten, wenn sie auf Frauen treffen, die ein Kopftuch tragen?

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Es ist keine komplizierte Sache: Ich finde auch nicht alles schön, was ich auf der Straße sehe. Ich weiß aber auch, dass es mich nichts angeht, wer sich wie kleidet. Es ist deine Sache was du anziehst, aber lass´ es auch bitte meine Sache sein, wenn ich dir meinen Busen nicht ins Gesicht strecken möchte. Lass´ es bitte meine Sache sein, wenn ich im Sommer keine Hotpants, oder Leggings trage, denn ich erkenne und liebe meine Weiblichkeit auch ohne all dem - für mich- unnötigen Zeug.

(Text geht unter dem Video weiter)

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Nein, nicht weil ich unsterblich hübsch bin, das bin ich nämlich keineswegs, aber weil ich meinen Wert auch so kenne. Nicht nur als Frau, jedoch vor allem als Mensch. Nur weil wer halbnackt ist, ist er noch lange nicht frei, auch wer bedeckt ist, ist nicht zwingend unterdrückt und umgekehrt. Es ist für manche vielleicht eine Überraschung, aber keine von uns Kopftuchfrauen ist mit dem Kopftuch geboren worden. Ja, ganz richtig, eines Tages entscheidet sich Frau dazu, oder auch dagegen. Es steht einer Frau frei- sollte es jedenfalls.

Bist du Minirock oder Schleier?

Können wir Frauen im Jahr 2016 denn nicht die Freiheit überlassen, sich so zu kleiden, wie sie es gerne hätten? Wäre das nicht DIE wahre Emanzipation schlechthin? Nur, weil viele weibliche Berühmtheiten mit dem Po wackeln und dabei über Feminismus singen, heißt das noch lange nicht, dass diese Freiheit genießen. Freiheit findet IM Kopf statt und nicht darauf. Wir sollten lernen, Frauen nicht auf das zu reduzieren, was sie anhaben.

Dies wird aber ständig getan und ich bin es Leid darüber zu lesen, dass eine Frau entweder eine billige Minirock-Barbie ist, oder eine Schleier-Taliban. Frau ist so viel mehr. Aber Frau reduziert sich und lässt sich reduzieren, weil wir in einer oberflächlichen Gesellschaft leben, die uns gegeneinander aufhetzt und davon profitiert. Es geht gar nicht um das Kopftuch, den Burkini, oder den Minirock!

Ihr wollt Rechte für Frauen und zieht ihnen deswegen die Schleier vom Kopf? Was erwartet ihr? Was soll sich großartig ändern? Wird Fatima zu Stephanie? Keine wird dadurch erblonden! Wo sind die selbsternannten Freizeitfeministen, wenn es um gleichen Lohn für dieselbe Arbeit geht? Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz? Gewalt in der Familie aufgrund von Alkoholmissbrauch? Wo seid ihr bei diesen Themen? Keine Muslima braucht eure Zwangsbefreiungen und wäre es doch der Fall, würde sie schon selbst für ihre Befreiung sorgen.

Was Cannes kann, das kann ich auch

Eines Tages wird mich meine Tochter fragen, warum ich nicht mit ihr schwimmen kann. Wie soll dann meine Antwort lauten? „Weil ich Muslima bin." Wie wird sich das auf ihren Verstand auswirken? Man wundert sich in ganz Europa, woher die ganzen jungen Jihadisten kommen, die doch in Europa aufgewachsen sind und trotzdem dem Terror die Treue erklären. Genau so werden sie „gemacht".

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Wenn man sie von kleinauf nicht akzeptiert und ihnen klar macht, dass man sie hier nicht haben will. Dass sie so wie sie sind, einfach nicht in diese Gesellschaft passen, in der sie leben. Leider kennen sie keine andere Heimat, werden immer minder behandelt, kommen gar nicht zur Inklusion und nach einigen Jahren hat man einen gut gebackenen, jungen, emotional verwirrten, leicht manipulierbaren und hasserfüllten Menschen, der alles in die Luft jagen will.

Ich werde mich dem nicht anschließen. Ich spiele dieses Spiel nicht mit. Ich werde weiterhin im Burkini schwimmen und das, wo es mir beliebt. Das letzte Mal war in Texas und ich hatte großen Spaß. Keiner hat blöd geschaut, oder einen minderwertigen Kommentar abgelassen. Es war jedem egal, wer was trug, oder nicht trug.

Eine Oma trug obenrum gar nichts und untenrum nur ein String- Tanga, auch dies störte keinen, mich am wenigsten. Und wenn ich mich an diese Zeit in Texas erinnere und wie nett die Leute zu mir waren, wie nebensächlich mein Kopftuch war, erst dann begreife ich, wie sie spinnen, die Franzosen!

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