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Mit Burkini ins Schwimmbad: "Wir sind hier nicht in der Türkei"

14/08/2016 14:12 CEST | Aktualisiert 25/08/2017 10:10 CEST
Menerva Hammad

"Diese Frau muss hier raus! Ich kann das nicht länger ansehen! Wie können Sie zulassen, dass hier jemand in einem Burkini schwimmt?!"

Mit dieser Aussage, einem Zeigefinger in meine Richtung ausgestreckt und einer wütenden Miene kam eine mir unbekannte Frau in einem Wiener Freibad auf mich zu. Sie hatte zwei Bademeister an ihrer Seite und mit der Beschwerde gerufen, eine Dame - in dem Fall war das ich - sei vollständig bekleidet im Wasser.

"Wir sind hier nicht in der Türkei! Sie müssen SOFORT gehen!"

Alle Leute im Wasser schauten mich fragend an, die Bademeister waren verwirrt und ich ging aus dem Wasser. Die Dame konnte nicht aufhören mit ihrem drohenden Zeigefinger vor meiner Nase zu fuchteln und schimpfte mit mir: "Ich habe Sie gesehen, Sie kamen mit diesem Gewand schon hier herein! Das ist unhygienisch!"

Ich versuchte mich zu verteidigen: "Schauen Sie, das ist ein Burkini, und der Stoff aus dem der gemacht wurde, ist wie der von einem stinknormalen Badeanzug, es ist nur mehr Stoff dran."

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Sie sah mich unglaubwürdig an und fasste meinen Burkini ohne mich zu fragen an. Als sie bemerkte, dass ich Recht hatte, kam die Nonplusultra-Aussage von ihrer Seite: "Trotzdem, wir sind hier nicht in der Türkei! Sie müssen SOFORT gehen!"

Das regte mich so sehr auf, zumal meine Eltern aus Ägypten sind, dass mir nur diese Antwort einfiel: "Ich verstehe, ich muss mich also ausziehen, um Österreicherin zu sein? Schön! Was wollen Sie denn von mir sehen? Meine Brüste, davon könnte ich Ihnen zwei anbieten, eine Pobacke, davon hätt ich eine ganze Postleitzahl, so groß ist mein Hintern! Oder vielleicht lieber ein bisserl Wampe? Ich habe viel Wampe, man sieht das nur nicht. Ich kann Ihnen aber leider nichts zeigen, was Sie nicht ohnehin schon kennen und wenn Sie sich hier umsehen, dann werden Sie viel Brust und vor allem Wampe sehen, ist es denn so schlimm, wenn das dann eine Person nicht von sich zeigt?"

Sie ignorierte meine zu direkte Antwort, lief rot an und drehte sich zum Bademeister: "Ich möchte, dass diese junge Dame geht!"

Der Bademeister sah sie an und meinte ganz gelassen: "Diese junge Dame hat Eintritt gezahlt, keinem was getan UND ich sehe ihre Badekleidung nicht als unpassend. Sie dagegen haben für Aufruhr gesorgt, unsere Schwimmgäste belästigt und jemanden beleidigt. Ich bitte nun Sie zu gehen." 

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Im Prinzip ist es egal, was ich tue - ich bleibe immer die Ausländerin

Die Frau und ich waren sehr verwundert. Sie, dass sie gehen musste und ich, dass ich bleiben durfte. Ich bedankte mich sehr bei ihm und sah sie nicht einmal mehr an. Als ich später in der Umkleidekabine das Geschehen gedanklich vor Augen hatte, musste ich kurz überlegen.

Im Prinzip ist es egal, was ich tue, was meine Eltern durchgemacht haben, um in dieses Land zu kommen, wie viele Jobs mein Vater hatte, damit er sich meine Ausbildung leisten konnte, was ich studiert habe, was ich arbeite, wie sehr ich mich anstrenge, oder was ich für dieses Land tue, ich bleibe immer die Ausländerin. Und wenn mich mein äußeres Erscheinungsbild nicht verrät, dann tut das mein Name. 

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Ich frage mich, ob es jemals besser sein wird, denn einfach ist es nicht, nein, einfach ist es nicht. Aber solange es Menschen wie meinen Bademeister gibt, die sich für den Menschen im Menschen einsetzen, sich von keinerlei Äußerlichkeiten täuschen lassen und keine Angst haben gegen den Strom zu schwimmen, stirbt meine Hoffnung nicht.

Als ich mich auf den Heimweg machte, bat ich ihn noch um ein Selfie mit mir, denn auch wenn ich nicht auf den Mund gefallen bin und immer meine Frau stehe, so war ich heute ein hilfloses Mädchen und habe durch ihn gelernt, dass Helden nicht immer maskiert sind.

Von Menerva Hammad, Journalistin und Bloggerin

Der Beitrag erschien zuerst auf dasbiber.at.

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