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An den Mann, der mir geraten hat, mich mit Säure zu übergießen

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Bloggerin Menerva Hammad erreichte kürzlich eine Hass-Mail von einem anonymen Absender. Er beleidigte darin ihr Äußeres und schlug vor, sie solle sich "mit Säure übergießen" oder "über eine Operation nachdenken". Mit obigem Video und diesem Beitrag wendet sie sich jetzt an alle Frauen, die Ähnliches erlebt haben - und es leid sind, im öffentlichen Diskurs auf ihr äußeres Erscheinungsbild reduziert zu werden.

Lieber Max M.,

Als mich deine Nachricht erreichte, war ich gerade dabei, meine Tochter ins Bett zu bringen.

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Ich habe deine Zeilen gelesen und atmete erstmal tief durch. Danach legte ich mein Handy zur Seite. Ich musste schmunzeln.

Hättest du mir deine Beleidigungen vor einigen Jahren an den Kopf geworfen, hätte ich wahrscheinlich geweint. Ich hätte den Frust in mich hineingefressen und noch schlimmer: Ich hätte dir jedes einzelne Wort geglaubt.

In den letzten Jahren bin ich jedoch stärker geworden. Wild entschlossen habe ich an meinem Selbstwertgefühl gearbeitet und auch vielen anderen Frauen dabei geholfen, ihre Stärke zu finden.

Heute lassen mich diese Nachrichten deshalb kalt. Ich weiß, wer ich bin und was ich erreicht habe.

Offensichtlich habe ich dich aber ganz und gar nicht kalt gelassen. Anscheinend habe ich mit meinen Texten einen wunden Punkt bei dir zum Bluten gebracht. Warum sonst hättest du dir die Mühe gemacht, mir zu schreiben?

Sachliche Kritik ist ein seltenes Gut

Vielleicht hast du dich von mir und dem, was ich auf meinem Blog schreibe, provoziert gefühlt. Wenn das so ist, dann will ich weiter provozieren: Ich behalte den Inhalt deiner Nachricht nicht für mich.

Ich will anderen Frauen zeigen, was passiert, wenn wir öffentlich unsere Meinungen und Ansichten zu kontroversen Themen preisgeben:

Einige stimmen ihr zu, Einige sind anderer Meinung - und dann gibt es noch eine letzte Gruppe. Die, die sie auf ihr Aussehen reduziert und glaubt, damit alle anderen Argumente zunichte zu machen.

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Sachliche Kritik ist heutzutage ein seltenes Gut. Menschen lesen Nachrichten und Meinungsstücke im Netz und reagieren mit Beleidigungen und Hassbotschaften - weil sie wissen, dass sie hinter ihrem Bildschirm gut versteckt sind.

Doch hinter jeder Kolumne steht ein Mensch.

Dessen Meinung muss man nicht teilen. Der Ton macht jedoch die Musik. Wir können unterschiedlicher Meinung sein und trotzdem respektvoll miteinander umgehen.

Nur weil ich eine Frau bin, gehst du nicht respektvoll mit mir um

Mein lieber Max M., hinter den Kolumnen auf meinem Blog stehe ich. Du teilst meine Meinungen offensichtlich nicht. Und nur weil ich eine Frau bin, gehst du nicht mehr respektvoll mit mir um.

Du verspürst mir gegenüber großen Hass - ohne mich zu kennen. Ich dagegen empfinde dir gegenüber gar nichts - gerade weil ich dich nicht kenne.

Deshalb glaube ich: Am allermeisten hasst du dich selbst.

Mehr zum Thema: "Sei bloß nicht du selbst, die Menschen zerstören dich sonst" - drei Beispiele zeigen, wie krank unsere Gesellschaft ist

Ich hoffe, dass du eines Tages diesen Hass wieder ausatmest und in etwas Positives umwandeln kannst.

Hilf anderen Menschen, mach ihnen Komplimente, aber zuallererst: Liebe dich selbst.

Ich habe deine Nachricht noch am selben Tag veröffentlicht, an dem ich sie bekommen habe, weil ich ein Zeichen setzen möchte. Ich will nicht, dass Frauen, die Opfer von Bodyshaming sind, es für sich behalten und die Beleidigungen am Ende auch noch glauben.

Von ganzem Herzen wünsche ich dir viel Liebe

Bodyshaming hat nicht nur mit der Figur zu tun. Viel schlimmer ist, dass Frauen, die öffentlich eine kontroverse Meinung vertreten, auf ihren Körper reduziert werden, um ihre Argumente zu entkräften. Als wären sie dadurch nichts mehr wert.

Lieber Max M., ich habe eine Nachricht von dir bekommen, aber dafür über 200 Kommentare und viele private Nachrichten von Menschen, die über deine Zeilen nur den Kopf schütteln können.

Mehr zum Thema: Mit Burkini ins Schwimmbad: "Wir sind hier nicht in der Türkei"

Ich schreibe gegen alles, was du in deiner Nachricht an mich ausdrückst - Hass, Diskriminierung und Vorurteile.

Wenn du erwartet hast, dass ich verzweifle oder gar aufhöre zu schreiben, muss ich dich enttäuschen. Ich hoffe nur, dass du irgendwann sehen kannst, wie leer deine Beleidigungen sind.

Von ganzem Herzen wünsche ich dir ganz viel Liebe, M.

Von Menerva Hammad, Bloggerin und Journalistin

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