BLOG

Von Bloggermamas und Instagramistas

29/01/2017 21:26 CET | Aktualisiert 29/01/2017 21:26 CET
gettystock

Wie alles begann...

Es war der erste Abend, an dem ich meine Tochter nicht mitgenommen habe. "Geh´ und triff deine Freunde, du brauchst mal eine Auszeit, ich passe gerne auf", sagte meine Mutter zu mir und ich war dankbar für das Angebot. Es war schon Monate her, dass ich mich schick machte, High Heels trug und alleine aus dem Haus ging. Herrlich! Es tat auch gut die Mädels wieder zu sehen.

Nach dem Essen saßen wir noch da und tratschten. Eine meiner Freundinnen sah mich an und fragte neugierig:" Wann schreibst du wieder etwas? Ich vermisse deinen Witz, deine Worte, kommt jetzt nix mehr?" Ich habe damals einen Schmerz gespürt, den ich nicht beschreiben kann. Schreiben ist das einzige, was ich kann.

Ich habe mir damit meine Brötchen verdient, ich hatte immer Zeit dafür, aber nun, als frischgebackene Mutter, hab ich nicht einmal mehr Zeit um in der Nase zu bohren. "Ich denke, da kommt jetzt nix mehr, nein", sagte ich und versuchte das Thema zu wechseln.

Sie aber beharrte darauf:"Du kannst doch nicht einfach aufhören. Was wird aus deinem Buch? Was wird aus deinem Aktivismus für Musliminnen in Österreich? Was wird aus dir?"

Danke für das Salz in meine Wunde, dachte ich mir, lächelte und sagte :"Ich bin jetzt Mutter." "Na und", kam von ihr ganz salopp und ich war kurz davor meine Nerven zu verlieren :" Hör´ mal, das ist nicht so einfach, wie du es dir vorstellst. Schreiben braucht Zeit, viel Zeit, Lust und einen freien Kopf. Mein Kopf ist grad alles andere als frei.

Können wir bitte das Thema wechseln? BITTE!" Sie sah mich an und sagte selbsbewusst:" Wenn ich dich im Fernsehen gesehen habe, war ich stolz darauf, deine Freundin zu sein. Du hast den Burkini wieder zum Trend gemacht und warst damit auf einem Magazin-Cover! Du bist auch eine tolle Mutter, das weiß ich, aber wo ist deine Passion zum Schreiben geblieben?" Stille. Lange Stille.

Passion

Auf dem Heimweg saß ich in der Straßenbahn, lehnte meinen Kopf auf die Fensterscheibe und dachte über mein Leben nach. Passion. Ja, wo war sie denn? Irgendwo zwischen Windeln und Beißringen verschwunden, rate ich einmal. Ihre Worte haben mich so sehr getroffen, wahrscheinlich weil sie wahr sind. Ich hatte früher schon einmal einen Blog, aber dieser hat kläglich versagt.

Ich habe Freunde, Verwandte und Bekannte auf Facebook dazu genötigt die Seite zu liken, zu teilen und zu lesen. Ich denke damals haben mich sogar einige gelöscht, so genervt waren sie von mir. Außerdem, wer würde das schon lesen wollen, was ich schreibe? Ich schreibe weder über Mode, Make Up, oder veganem Lifestyle, also bin ich uninteressant für alle Menschen. "Nicht für alle Menschen.

Mütter würden dich gerne lesen. Ich bin Mutter und ich lach mich immer kaputt, wenn du mir von deinem Alltag mit deiner Tochter erzählst, schreib doch darüber", rät mir eine Freundin. Gut, ich hätte schon einmal ein konkretes Thema: Mamasein

Nicht, dass ich mich immer damit auskenne, aber meine Tochter ist noch am Leben und ihr geht es gut. Und was soll das Ziel sein? Unterhaltung, aber auch Information. Ja, das gefällt mir. "Du musst aber auf jeden Fall ein Instagram-Account haben für deinen Blog, das ist jetzt trendy, ohne dem brauchst du gar nicht anfangen", erzählt mir eine andere Freundin, die ein richtiger Social-Media-Freak ist.

The World of Instagram:

Ich habe irgendwann einmal einen Instagram-Account erstellt: 11 Beiträge und 5 Follower. Ich habe mich nie für Instagram begeistert, weil ich mich damit nicht auskannte. Wieso um alles auf der Welt soll ich Fotos aus meinem Leben posten? Für wen? Wen interessiert das was ich gegessen habe, oder wie ich morgens im Bett beim Frühstücken aussehe? Und warum um alles in der Welt muss man dabei seine Beine zeigen? Und wer ist das arme Schwein, das über meinen Kopf steht und den Blödsinn fotographieren muss?

Aber okay, wenn ich dadurch zu mehr Lesern komme, dann möchte ich es probieren.

Ich habe mir vorgenommen Instagrammütter über Instagram zu beobachten. Sie ALLE lieben Yoga, haben ein Home-Office mit schönen Blumen am Schreibtisch,haben eingerahmte Sprüche auf der Wand hängen, sehen aus wie Fitnesstrainerinnen (oder sind welche), frühstücken perfektgeschnittene Avocadoscheiben auf Brot, oder das sogenannte #nicecream (keine Ahnung was das ist).

Sie schneiden Drachenfrucht in Sternförmchen auf ihr Müsli und sind tolle Fotografinnen. Und die Frage, die mich immer schon beschäftigte: Wer macht die schönen Fotos von ihnen? Selfies sind das keine. Wer ist die Person hinter der Kamera, die dazu genötigt wird, ständig ein Foto zu machen? Einige von ihnen posten jede Stunde ein Foto, oder eine sogenannte Story.

Meinstagram:

Ich kann kein Yoga. Zwischen Yoga und mir gibt es kein Namaste. Wir verstehen einander einfach nicht, weil ich nicht gelenkig bin und man während dem Yoga nicht reden sollte- tja, daran hat mich Yoga verloren. Ich habe zwar eine Yogamatte, aber auf der liege ich am Strand und lass mich sonnen, also ist es meine #YogaSonnenMatte.

Mein Home-Office ist mein Bett, oder unser Esstisch, das nicht mit frisch gepflückten Blumen, sondern mit Windeln(manchmal halbvoll) und Spielzeug geschmückt ist. Ich mag keine Avcados. Ich finde nicht, dass diese auf dem Brot schmecken. Wenn ich sie kaufe, dann kommen sie in den Salat und der Kern in die Erde in einem Topf, wir haben schon zwei Avocadopflanzen: Elma und Luise.

Ich liebe exotisches Obst, ich liebe es zu fotografieren, aber bevor ich Obst in Förmschen schneide, esse ich es und ich würde niemals behaupten ich sei eine Fotografin, nur weil ich im Besitz einer Kamera bin. Ich traue mich kaum zu sagen, dass ich Journalistin bin, ich sehe mich eher als jemand, der gerne schreibt und damit eben sein Geld verdient.

Das Bild vieler Mütter auf Instagram ist nicht jenes, das ich meinen Lesern vermitteln möchte. Ich finde es nicht (immer) echt. Ich habe mich dazu entschieden sehr wohl mit einem Blog zu starten und auch auf Instagram etwas mehr Life als Style zu posten.

Ich möchte damit niemandem zu nahe treten, mir ist schon klar, dass man niemandem folgen möchte, der ein "gewöhnliches" Leben hat, immerhin ist ja das eigene schon gewöhnlich genug. Und dennoch: Ich bin froh mit dem Blog angefangen zu haben und vor allem, dass ich auch mein Instagram-Account mit meinem "gewöhnlichem" Mamaleben fülle.

Ich freue mich über jede einzelne Nachricht meiner Leser und bin dankbar dafür, dass der Kontakt zwischen ihnen und mir nicht unterbrochen ist. Jede Mama könnte so viel über dieses Abenteuer "Mamasein" erzählen, schreiben und fotografieren, ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und noch glücklicher darüber bin ich, dass es auch stinknormale Mütter auf Instagram gibt.

Du kannst mir über Instagram folgen, um meinen "ganz normalen Wahnsinn" als Mama mitzuerleben unter blog_hotel_mama.

Und hier geht es zu meinem Blog.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Trentino