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#MillionsMissing: 17 Millionen Menschen werden vermisst

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Dimitri Otis via Getty Images
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Im Jahre 2004 startete die Serie 4400 - Die Rückkehrer im TV. Die Serie handelt von 4400 Menschen, die zwischen 1946 und 2004 von einem Tag auf den anderen aus der Gesellschaft verschwunden waren. Ganz plötzlich erschienen all diese vermissten Menschen wieder im Jahre 2004. Auch wenn es sich dabei um eine Mystery- und Science-Fiction-Serie handelt, erinnert sie mich ein wenig an die reale Aktion Millions Missing.

Science-Fiction-Serie versus Realität

All die Jahre verschwanden immer mehr Menschen, Frauen und Männer, Kinder und Erwachsene, aus dem gesellschaftlichen Leben. Der Stuhl in der Schulklasse bleibt auf einmal leer und der junge Mann fehlt plötzlich bei seiner Ausbildungsstelle, die ihm so viel Freude bereitet hat. Die junge Mutter kommt nicht mehr, wie sonst üblich, zur Aufführung im Kindergarten, der Vater kann nicht an der Hochzeit seiner Tochter teilnehmen und sie zum Altar führen.

In der Serie wurden diese 4400 Menschen von Menschen aus der Zukunft entführt. Doch anders als in der Serie geht es bei Millions Missing nicht um 4400 Menschen, sondern um 17 Millionen weltweit. Und diese 17 Millionen Menschen wurden auch nicht entführt, sondern sie erkrankten plötzlich an ME (Myalgische Enzephalomyelitis). Diese Erkrankung wird oft mit dem verharmlosenden und irreführenden Namen Chronic Fatigue Syndrome (CFS) oder Chronisches Erschöpfungssyndrom bezeichnet.

#MillionsMissing

Unter dem Begriff Millions Missing fand bereits am 25. Mai in 12 Städten eine weltweite Aktion statt, bei der Patienten, Angehörige, Freunde und weitere Unterstützer für eine bessere medizinische Versorgung, mehr Forschungsgelder, die Anerkennung von ME als schwere Erkrankung sowie für ein Ende der Stigmatisierung der Erkrankung demonstrierten.

Auch Hinterbliebene unterstützten die Aktion in Erinnerung an ihre Lieben, die an den Folgen von ME verstorben sind. Nun war es wieder soweit, am 27. September 2016 fand die zweite Runde der weltweiten Protestaktion statt. Ironischerweise ist der 27. September der Tag, an dem bei mir (im Jahre 2004) die Krankheit ME ausbrach.

Millions Missing in London vor der britischen Gesundheitsbehörde. Auf dem weißen Schild stehen die Namen von verstorbenen ME-Patienten:

Bei den Protestaktionen in den Städten wurden Schuhe der Erkrankten aufgestellt. Die Mehrheit der Betroffenen können aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht mehr auf sich aufmerksam machen, geschweige denn auf der Straße demonstrieren. Ein kurzer Infozettel an ihren ehemaligen Schuhen geben einen kleinen Einblick in ihre Situation. Begleitet wurde die Protestaktion weltweit über soziale Medien unter dem Hashtag MillinsMissing.

In den Niederlande waren über 1.000 Paar Schuhe aufgestellt:

Diese Protestaktion ist eine Aktion der weltweiten Vereinigung #MEAction, die versucht, die Situation für die Betroffenen zu verbessern.

25 Städte nahmen letzte Woche an dem weltweiten Protest gegen die schlechte Versorgung der ME-Betroffenen teil. Boston, Chicago, Washington, New York sowie 7 weitere große Städte waren allein in den USA dabei, Toronto in Kanada, Melbourne in Australien, Buenos Aires in Argentinien sowie London, Den Haag, Oslo und 6 weitere große europäische Städte.

#MillionsMissing in Hamburg

Dieses Mal beteiligte sich auch eine deutsche Stadt. In Hamburg bei den Magellan-Terrassen wurde ebenfalls protestiert und auf die schlechte Versorgung der Betroffenen aufmerksam gemacht. Organisiert wurde die Aktion von der kürzlich gegründeten Deutsche Gesellschaft für ME/CFS, unterstützt wurde sie von der Lost Voices Stiftung, die sich ebenfalls für Menschen mit ME einsetzt.

Die Gründungsmitglieder der Deutsche Gesellschaft für ME/CFS hielten kurze und informative Reden, ebenso wie die Vorsitzende der Lost Voices Stiftung, Nicole Krüger. Am Ende der zweistündigen Protestaktion stiegen Luftballons in den Himmel, beschriftet mit Wünschen rund um die Erkrankung.

Millions Missing in Hamburg:

Unterstützung der Protestaktion

Die Aktion wurde von AIDS Aktivisten unterstützt, unter anderem von Jim Eigo, der in New York eine Rede hielt:

Auch Forscher, Ärzte und Professoren unterstützen die Forderungen und waren bei den Demonstrationen ebenfalls vor Ort.

Die Forscher Prof. Ron Davis und seine Frau, sowie Prof. Jose Montoya und Prof. Eric Gordon kamen:

Auch die Direktorin der transnationalen Forschung am Center for Infection and Immunity sowie außerordentliche Professorin für Epidemiologie der Columbia's Mailman School, Dr. Mady Hornig, hielt eine Rede:

Im Ausland berichteten Zeitungen wie Business Insider, CBS Chicago und Bristol Post sowie die Oxford Mail. Auch das Fernsehen war vertreten, die BBC und Irish News drehten TV-Beiträge. U.S. News brachte einen Artikel und auch einen TV-Beitrag. Insgesamt sind es bis dato über 30 Medienberichte.

In London protestierte eine Frau nackt, mit einem Schild auf dem das Wortspiel " YOU CAN´T IGNORE ME NOW" (Du kannst mich/ME jetzt nicht ignorieren) stand:

In Nordirland unterstützten sogar Politiker die Aktion:

Und auch Senator John McCain schickte einen Tweet raus:

Ebenso unterstütze Senator Thom Tillis die Aktion:

Wie geht es weiter?

Während die Menschen in der Serie 4400-Die Rückkehrer im Jahre 2004 wieder ihr Leben aufnehmen konnten, nachdem sie aufgetaucht waren, ist dies für die ME-Patienten nicht möglich. Sie können, mangels fehlender Medikamente und zu wenig Forschung, nicht wieder ihr Leben aufnehmen. Sie fehlen weiterhin im Kindergarten, in der Schule, in der Ausbildung und im Berufsleben, wie auch bei Familienfeiern und weiteren Aktivitäten, die für andere Menschen selbstverständlich sind. Hinzu kommt, dass sie keine angemessene medizinische Versorgung erhalten.

Weitere Bilder zu #MillionsMissing findet man hier und auf Twitter, die Highlights findet man hier.

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