BLOG

Lady Gaga: Leben zwischen Ruhm und chronischer Erkrankung

22/09/2017 19:19 CEST | Aktualisiert 22/09/2017 19:19 CEST
shutterstock

Am 8. September feierte die Netflix-Dokumentation von Chris Moukarbel "Gaga: Five Foot Two" über Lady Gaga auf dem Toronto Film Festival sein Debut. Ab 22. September läuft die Dokumentation für alle auf Netflix. Produziert wurde sie von Lady Gaga und Heather Parry.

Trailer zu "Gaga: Five Foot Two":

Die Doku gibt viele Einblicke

Die Doku zeigt die Frau hinter der Künstlerin Lady Gaga. Sie gibt Einblicke hinter die Bühne, sie zeigt die Grammy-Gewinnerin bei der Produktion und Veröffentlichung ihres 5. Albums "Joanne", wie sie sich auf ihren Super-Bowl-Halbzeitauftritt vorbereitet sowie Stefani Joanne Angelina Germanotta, so Lady Gagas richtiger Name, privat. Vom Einkauf bei Walmart bis hin zum Arzttermin, von ihrem Kampf mit Beziehungen, wo sie Trost findet und der tägliche Kampf mit ihrer angeschlagenen Gesundheit. Lady Gaga gewährt uns einen sehr breit gefächerten Einblick in ihr Leben.

Bei der Premiere auf dem Toronto Film Festival erklärte sie unter Tränen, dass sie wegen der starken chronischen Schmerzen eine Auszeit plant und noch nicht weiß, wie lange diese andauern wird.

Am 12. September veröffentlichte sie ein Twitter-Statement, in dem sie zum ersten Mal öffentlich machte, dass es sich bei ihren chronsichen Schmerzen und ihrer chronischen Erkrankung um die Erkrankung Fibromyalgie handelt und sie helfen möchte, auf diese Krankheit aufmerksam zu machen und sie Menschen, die davon betroffen sind, zusammenbringen möchte.

Tweet:

Nur zwei Tage später ließ sie ihre Follower wissen, dass sie wegen starker Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Ein weiterer Promi mit Fibromyalgie

Ein weiterer Prominenter, der offen zu seiner Fibromyalgie-Erkrankung steht, ist der Schauspieler Morgan Freeman. Er steht zudem offen zu seinem Marihuana-Konsum, da dies das Einzige ist, was seine Schmerzen lindert. Auslöser seiner Fibromyalgie war vor rund 10 Jahren ein Autounfall, bei dem sich der Oscar-Preisträger mit seinem Auto überschlug. Durch diesen Unfall wurden seine linke Schulter, Arm und Ellbogen zerschmettert. In einer vierstündigen Operation reparierten Ärzte seine Nerven. Noch immer hat er Einschränkungen in seiner linken Hand und muss einen Kompressionshandschuh tragen, um Pooling (Versacken des Blutes) zu verhindern.

Doch was ist Fibromyalgie eigentlich?

Das Wort Fibromyalgie besteht aus drei Teilen: "fibra" ist aus dem Latein und bedeutet "Faser", "mys" ist griechisch und bedeutet "Muskel und "algos", ebenfalls griechisch, bedeutet Schmerz. Es bedeutet also übersetzt "Faser-Muskel-Schmerz". Man spricht auch vom "Fibromyalgie-Syndrom", da man mit dieser Erkrankung viele weitere Symptome hat und der Auslöser (noch) nicht bekannt ist.

Charakteristisch für Fibromyalgie sind, neben Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen, die chronischen Schmerzen in der Muskulatur und den Sehnenansätzen. Zudem zeigt sich bei vielen Betroffenen eine Druckempfindlichkeit an den bis zu 18 sogenannten Tender Points (18 bestimmte Schmerzdruckpunkte am Körper).

Weitere Symptome sind ein Schwellungsgefühl der Hände und Füße sowie dem Gesicht, Magen-Darm-Probleme, Herzrhythmusstörungen bis hin zu Herzanfällen, Schwindelanfälle, Morgensteifheit sowie Atemprobleme und viele weitere.

Fibromyalgie ist seit 2005 von der Weltgesundheitsorganisation im Bereich "Sonstige Krankheiten des Weichteilgewebes" unter dem Diagnoseschlüssel M79.7 klassifiziert. Zudem ist die Erkrankung eine häufige Nebenerkrankung von Myalgischer Enzephalomyelitis und tritt ebenfalls gehäuft in Familien auf. Auch ich habe Fibromyalgie als Nebenerkrankung, ein weiteres Familienmitglied von mir ist ebenfalls an Fibromyalgie erkrankt.

Eine Studie gibt Klarheit

Bereits 2013 wurden in einer Studie Schäden an den kleinen Nervenfasern nachgewiesen. Untersucht wurde eine Gruppe mit 25 Fibromyalgie-Betroffenen sowie eine Kontrollgruppe mit 10 Menschen, die an Depressionen erkrankt sind (Fibromyalgie-Patienten wird oft fälschlicherweise nachgesagt, sie hätten eine Depression).

Untersuchungen unter dem Mikroskop der Heiß-Kalt-Wahrnehmung, der Schmerzschwellen der Haut und der kleinen Nervenfasern der Haut zeigten Auffälligkeiten in allen drei Bereichen. Besonders die schmerzleitenden Nerven sind betroffen. Bei der Kontrollgruppe zeigten sich keine Störungen. Auch wenn sich bei den Fibromyalgie-Studienteilnehmern auf den ersten Blick ähnliche Symptome einer Depression zeigten wie bei der Kontrollgruppe, weisen die Studienergebnisse einen ganz klaren Unterschied auf.

Die geschädigten Nervenfasern sind für die Schmerzwahrnehmung und Temperaturempfindlichkeit zuständig. Somit gelten die Schmerzen nun als neuropathische Schmerzen (Schmerzen, die durch eine Schädigung/Erkrankung des Nervensystems entstehen). Ob dies allerdings die Ursache oder die Folge von Fibromyalgie ist, muss noch abgeklärt werden.

Fibromyalgie ist eine reale und schwere Krankheit

Somit ist zum einen also schon seit Jahren nachgewiesen, dass die Erkrankung wirklich existiert und zum anderen, dass es eine organische Grundlage gibt.

Trotz allem wird die Erkrankung noch immer verkannt, von vielen Medizinern sogar als nicht existent betitelt. Die Betroffenen, denen man die Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen nicht ansieht, müssen nicht nur, neben vielen weiteren Symptomen, mit den starken chronischen Schmerzen klarkommen, sie müssen sich auch noch vor ihrem Umfeld rechtfertigen und sich anhören, dass es "ihre Krankheit" gar nicht gibt.

Es bleibt zu hoffen, dass Lady Gagas Doku mit dazu beiträgt, dass die vielen falschen Vorurteile gegenüber der Erkrankung und vor allem auch gegenüber der Betroffenen abgebaut werden. Am Ende des Tages sind wir alle Menschen und es zeigt sich mal wieder: Die wirklich wichtigen Dinge im Leben wie Gesundheit, kann man nicht mit Geld kaufen.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

id="huffPostGWW01"

z-index="999"

lang="de-DE"

units="m"

par="huffpost_widget"

geocode="52.52,13.38"

links="https://weather.com/de-DE/wetter/heute/l/$geocode?par=huffpost_widget">

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');

Sponsored by Trentino