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Ich sehe was, was du nicht siehst...

18/09/2017 15:02 CEST | Aktualisiert 18/09/2017 15:05 CEST

Lass uns ein kleines Spiel spielen: schließe die Augen und stell dir das Haus gegenüber deiner Wohnung vor. Nicht schummeln. Nimm dir eine Minute Zeit und denke darüber nach.

Na welche Farbe hat es? Wie sehen die Fenster aus? Weißt du nicht? Keine Sorge, damit bist du nicht alleine.

Wie heißt eigentlich der Kiosk an der Ecke und wieso ist dir noch nie aufgefallen, dass gleich um die Ecke dieser wunderschöne Kirschblütenbaum steht?

Als ich letzte Woche im Stau stand habe ich eine vorübergehende Familie beobachtet. Ein kleines Mädchen lief an der Hand ihrer Mutter. Es schaute überall hin, reckte den Kopf nach oben, drehte sich um, schaute links, rechts. Die Kleine machte den Anschein als wolle sie jede einzelne Kleinigkeit ihrer Umwelt entdecken und in sich aufsaugen. Sie taumelte regelrecht vor lauter Eindrücken.

Es war traumhaft zu beobachten wie aufgeweckt dieses Mädchen war. Ich bemerkte ein breites Grinsen in meinem Gesicht und erinnerte mich an meine Kindheit zurück. Die ganze Welt war ein großes Abenteuer und es gab auf jeder Wiese, in jedem Wald, an jeder Straßenecke etwas zu entdecken.

Dieses kleine Mädchen sollte unser Vorbild sein. Die Welt zieht ganz oft an uns vorüber und wir verpassen die schönsten Kleinigkeiten ,die interessantesten Details.

Wir laufen in vorgezeichneten Linien ohne links und rechts zu schauen. Als eine Generation von Reizüberflutung und Sensationsgeilheit sind wir den alltäglichen , kleinen Wundern gegenüber völlig abgestumpft. Wenn wir ab und an durch die Augen eines Kindes sehen, werden wir so viel Schönes und Neues entdecken: das Lächeln eines Fremden in der Ubahn, eine Wolke die sich im Wind langsam zu einem Herz verformt...

Wir sollten mit all unseren Sinnen genießen und völlig „in dem Moment sein". Unsere Gedanken sind schon im Morgen und wir verpassen die Magie von heute, weil der Ärger von gestern unsere Aufmerksamkeit einfordert.

Während wir mit lieben Freunden unterwegs sind, planen wir noch während dem Dinner über Whatsapp dieTreffen von nächster Woche. Wir sind nicht im Hier und Jetzt, obwohl es die einzige Zeit ist, die wir aktiv steuern können.

Ich sehe was, was du nicht siehst....oder siehst du es jetzt auch?

Mehr von der Autorin auf: https://hoetogethim.com/