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Die Strategie der Liebe

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Meine Mutter kommt die Treppe runter, sie trägt ein figurbetontes schwarzes Kleid, ihre blonden Haare frisch frisiert, dezentes Make up, sonnengeküsste Haut... Ich schaue in das Gesicht meines Vaters und in seinen Augen sehe ich etwas, was mich immer wieder aufs neue fasziniert: unendliche Liebe.

Seit 28 Jahren sind meine Eltern glücklich verheiratet. Sie respektieren einander, vertrauen einander und lieben sich bedingungslos. Sie sind ein Team, Partner fürs Leben...In guten wie in schlechten Zeiten.
Doch wie schafft man das? Ist eine glückliche Ehe Zufall, oder gibt es ein Konzept dahinter?
Seit ich denken kann war die Beziehung meiner Eltern mein größtes Vorbild. Eines Tages wollte ich genau so glücklich sein...Sollte doch kein Problem sein, es sieht schließlich so einfach aus.

Heute weiß ich es besser: Es ist nicht einfach, ganz im Gegenteil. Den Partner fürs Leben zu finden und ihn vor allen Dingen auch zu halten, glücklich zu machen und gleichzeitig auch selbst glücklich zu sein...Dieses Gleichgewicht herzustellen scheint wohl die größte Aufgabe einer Beziehung zu sein.
Nach meiner letzten Beziehung habe ich meine Mutter um Rat gefragt: „Wie machst du und Papa das? Was ist das Geheimnis?"
Für all diejenigen, die jetzt eine Sintflut an romantischen, poetischen Weisheiten erwarten, tut mir leid ich muss euch enttäuschen. Anstelle von Liebesgeschwafel folgte vielmehr eine „Strategie der Liebe".

Eigentlich passen die Wörter „Strategie" und „Liebe" überhaupt nicht zusammen. Liebe entsteht im Herzen, Strategien entstehen im Kopf. Liebe ist spontan, unkontrollierbar und instinktiv, eine Strategie hingegen ist per Definition „ein genauer Plan für die Handlungen, mit denen man ein Ziel verwirklichen will".
Konträrer geht es kaum und dennoch macht es manchmal Sinn beide Komponenten miteinander zu kombinieren. Ein bisschen Verstand hat dem Herzen noch nie geschadet und das Herz kann dem Verstand durchaus manchmal auf die Sprünge helfen.

Die erste und wichtigste Lektion meiner Mutter besagt, dass eine gute Beziehung ein fortlaufendes Projekt ist. Es gibt keinen Punkt an dem man sich zurücklehnen kann und alles läuft plötzlich von allein. Es ist eine harte, aber durchaus lohnenswerte Arbeit.

Eine Beziehung ist wie ein Haus, du kannst nicht einziehen, einmal alles hübsch machen und dann nie wieder putzen, aufräumen und umdekorieren.

Es gibt immer wieder kleinere und größere Reparaturen. Ignoriert man diese, verkommt das Haus. Also investiert man lieber in diese Instandhaltungen bevor man sein Zuhause verliert und in eine andere Wohnung umziehen muss. Man muss an sich arbeiten, Kompromisse eingehen und immer wieder aufs neue lernen mit den Fehlern des anderen umzugehen.

Du wirst keinen Mann ohne Macken finden, ermahnte sie mich. Die Kunst dahinter ist lediglich jemanden zu finden, mit dessen Fehlern du leben kannst.
Film und Fernsehen verkaufen uns das perfekte Bild von Liebe, Ehe und Zweisamkeit. Das ewige Feuer der Leidenschaft, tägliche Schmetterlinge und Liebesschwüre. Danach streben wir und wehe dieser Hollywoodglam geht in unserer eigenen Beziehung verloren.

Aufgewachsen in einer „Wegwerfgesellschaft", schmeißen wir unsere Partnerschaft in den Müll. Bei ersten Anzeichen von Problemen verlieren wir die Geduld und strecken die Waffen nieder. Gibt schließlich immer noch was Besseres da draußen. Wir eifern falschen Idealen hinterher und vergessen auf was es tatsächlich ankommt. Wir wollen den sexy Badboy, vergessen aber das auch er irgendwann ein dickbäuchiger Glatzkopf sein kann. Die Gespräche mit ihm waren nie der Hit aber dieser Körper hmmmmmm. 15 Jahre später sind die Gespräche immer noch miserabel, man hat nicht den selben Humor, keine gemeinsamen Interessen aber der Sex damals war so atemberaubend. Ja damals. Und was bleibt? Ein hässlicher Dummkopf der dich nicht zum lachen bringen kann.
Vielleicht brennt das Feuer der Leidenschaft irgendwann nicht mehr lichterloh aber dafür das Feuer der Loyalität und des Vertrauens dafür umso heller.

Mehr von der Autorin unter https://hoetogethim.com