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Warum Fremdgehen auch keine Lösung ist

08/02/2016 15:07 CET | Aktualisiert 08/02/2017 11:12 CET
ullstein bild via Getty Images

Am 14. Februar ist Valentinstag. Die Huffington Post widmet sich eine Woche lang dem Thema „Modern Love".

Was bedeutet Liebe in einer vernetzten Welt: man ist nur so verliebt wie das Facebook-Profil es zeigt? Der nächste Partner ist nur einen Wisch weg? Wir daten über Kontinente hinweg?

Was bedeutet Liebe für euch? Sendet eure Texte an blog@huffingtonpost.de.

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Der Vollmond taucht die Landschaft in ein zartes Licht. Grillen zirpen und der laue Sommerwind streichelt meine Haut.

Ich spüre zwei fremde Hände auf meinem Körper und schaue in unbekannte Augen. Dieser Blick lässt mein Herz bis zum Hals schlagen. Kurze, stoppelige Haare kitzeln meine Handflächen und ich spüre Haut unter meinen Fingern, die sich so ganz anders anfühlt.

Das Gesicht des Fremden nähert sich und seine weichen Lippen berühren meine. Was für ein Kuss! Neu, aufregend, ungewohnt, leidenschaftlich - WOW! Ich genieße, ich spüre, ich zittere...

Aus der Ferne dringt eine vertraute Musik an mein Ohr und ich höre Regen plätschern. Regen?

Schläfrig blinzle ich, mach den Wecker aus und schau auf die Uhr. Ein bisschen kann ich noch liegenbleiben. Nochmal kurz die Augen schließen, und die Erinnerung an diesen wundervollen Traum genießen. Hach...

Eine leichte Sehnsucht in mir flüstert: „das würde ich gerne mal wieder in Echt erleben."

Sofort erklingt die strenge Stimme der Vernunft: „HALT, STOPP! Das darfst du nicht! Du bist verheiratet."

„Oh, schade" erwidert die Sehnsucht, „schön wäre es schon..."

Während sich Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern weiter streiten, kommt mein wundervoller Mann zur Tür herein und überreicht mir mit einem strahlenden „Guten Morgen!" meinen Cappuccino.

Was war nur los mit mir? Ich lebe die Beziehung meiner Träume. Wir lachen viel, haben große Ziele und ein leidenschaftliches Liebesleben. Wieso sollte das nicht reichen?

Als das Buch „Treue ist auch keine Lösung" auf meinem Nachtkästchen lag, fragte mich mein Mann, was mich am Fremdgehen reizen würde. Nach kurzem Nachdenken war meine Antwort: „Neugierde, Aufregung, Abenteuer." Und auch er gab zu, dass er diese Gedanken kennen würde. Aus Gesprächen mit anderen Frauen weiß ich, dass viele von ihnen diese Sehnsucht ab und zu verspüren. Sie wünschen sich ein heimliches „Gspusi" für die Schmetterlinge im Bauch.

Ich lebe die Beziehung meiner Träume. Wieso sollte das nicht reichen?

Ich glaube, dass das völlig normal ist. Die Kirschen in Nachbars Garten sind süßer und auch für Kinder sind Verbote besonders reizvoll. Ich glaube, jeder von uns hat eine „dunkle" Seite, die von Zeit zu Zeit Beachtung finden möchte. Wir wollen nicht immer perfekt funktionieren, brav sein und verantwortungsbewusst. Manchmal wollen wir frech sein, Verbotenes tun und die weiße Weste im Schrank hängen lassen.

Deswegen müssen wir noch lange nicht alles poppen, was nicht bei drei auf dem Baum ist (oder nicht hochkommt). Wenn Treue nicht die Lösung ist, ist es Fremdgehen mit Sicherheit auch nicht.

Ich gehe nicht in ein Kaufhaus und kaufe alles, was mir gefällt. Ich esse keine 10 Kugeln Eis hintereinander und ich verprügle niemanden, wenn ich wütend bin. Und nicht jede erotische Phantasie ist dazu gedacht, ausgelebt zu werden.

Was dann?

Für mich ist es Ehrlichkeit. Nicht dem Partner gegenüber, sondern mir selbst:

1. Welche Gedanken denke ich?

2. Welche Gelüste, heimliche Träume, verbotene Wünsche habe ich?

3. Wie sieht meine „dunkle" Seite aus? Kann ich es aushalten, sie mal anzuschauen?

Danach kommt die Erlaubnis. Ich darf denken, wünschen und mich sehnen, wonach ich will. Auch wenn es moralisch verwerflich oder verboten ist.

  • Wie fühlt es sich an, wenn ich mir alle Gedanken und Gelüste (innerlich) erlaube?

  • Welche Gedanken tun mir gut und welche nicht?

  • Was davon will ich unbedingt ausleben?

  • Muss ich es ausleben, oder reicht schon die Erlaubnis, es denken zu dürfen?

Die Menschen glauben, sie könnten Lust, Liebe und Sehnsucht einfach einsperren, verdrängen oder verbieten. Das wird niemals funktionieren und macht niemanden glücklich. Freiheit schon!

Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch!

Der Beitrag erschien auf http://www.lifaa.de

Die Autorin betreibt den Blog http://www.melanie-mittermaier.de/

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