BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Melanie Mittermaier Headshot

Diese 11 fatalen Fehler dürft ihr beim Fremdgehen nicht machen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
COUPLE BED
Uwe Krejci via Getty Images
Drucken

Für viele Menschen bedeutet Fremdgehen das Ende ihrer Beziehung. Wenn in der Nachbarschaft, in der Firma oder im Freundeskreis jemand eine Affäre hat, ist das für einige Wochen das Gesprächsthema Nummer 1 auf Partys und in der Kaffeeküche. Trennt sich ein Paar, steht schnell die Vermutung einer Affäre im Raum.

Viele sind sich absolut sicher: Das macht man nicht! Sowas ist das Allerletzte und ein Betrüger verdient es, für den Rest seines Lebens in der Hölle zu schmoren. Männer kommen dabei noch ein bisschen besser weg als Frauen. Eine Frau, die fremdgeht, ist eine Schlampe. Soviel steht fest!

Jeder hofft, dass ihm/ihr das niemals passieren möge. Für Betrogene bricht eine Welt zusammen und auch wenn die Beziehung vorher alles andere als glücklich war, ist NUR die Affäre Schuld an der Krise.

Fremdgehen ist toll!

Niemand würde es freiwillig zugeben, doch wenn andere fremdgehen ist das höchst spannend und aufregend. Endlich passiert mal was und es gibt Tratsch-Futter! Hurraaaaa! Viele lieben es, mit Genuss auf einen Betrüger einzuhacken und mit dem Finger auf die Fehler von anderen zu zeigen.

Wenn du noch nie in einem Fremdgeh-Forum gelesen hast, lass es sein. Das ist übel. Auch in harmlosen XING- oder facebook-Gruppen gibt es unterirdische Kommentare von Menschen, die keine Ahnung haben, aber voller Lust verurteilen, Hiebe unterhalb der Gürtellinie austeilen und z.B. eine Geliebte als "Dorfmatratze" beschimpfen.

Ich persönlich liebe die Geschichten meiner Klienten, die in eine Affäre "geraten" sind. Obwohl der Leidensdruck sehr hoch ist, sind die Betroffenen nicht in der Lage, ihre Fremdliebe zu verlassen und die Affäre zu beenden. Der Stammtisch-Ratschlag: "Er/Sie muss sich halt entscheiden", funktioniert nicht. Willkommen im Leben!

Was sind nun die Fehler beim Fremdgehen?

Fehler Nr. 1: Den Partner für dumm verkaufen

Kürzlich hat mir eine Klientin erzählt, dass sie im Navi vom Familien-Auto die Adresse der (angeblichen) Ex-Geliebten gefunden hat. Die meisten Affären fliegen durch technische Geräte auf. Allen voran das Handy. Gerade Frauen sind romantisch veranlagt und bringen es nicht über's Herz, den Chat-Verlauf zu löschen.

Interessant finde ich die Variante, dass der Partner das Handy nicht mehr achtlos am Tisch liegen lässt, sondern mit auf's Klo nimmt und während seinem Geschäft auf WhatsApp online ist. Es fällt auf, wenn das Handy mehr (oder weniger) genutzt wird als sonst und wenn es plötzlich eine Display-Sperrung gibt, die es sonst nie gab.

Dreist wird es, wenn alle Indizien für eine Affäre sprechen, die jedoch vehement abgestritten wird. Deine Partnerin/dein Partner ist doch nicht doof! Wenn du schon fremdgehst, dann zeige deinem Partner wenigstens Wertschätzung, indem du die Spuren ernsthaft verwischst!

Fehler Nr. 2: Vor der Verantwortung drücken

Hängt mit Nr. 1 zusammen. Eine Geheimhaltung und die dazu gehörigen Lügen sind völlig verständlich, weil du deine Beziehung schützen willst. Doch weiter zu lügen, wenn deine Affäre bereits am Auffliegen ist, macht keinen Sinn. Wenn es soweit ist, darfst du den Arsch in der Hose haben und dich der Situation stellen.

Hör auf, Dinge zu beschönigen nach dem Motto: "Ich wollte das gar nicht, er/sie hat mich verführt, gezwungen, gefesselt, ...!" Auch Schuldzuweisungen machen die Sache nicht besser. "Du wolltest nie Sex!", ist ein Argument, was beleuchtet werden darf, aber nicht, um sich vor der Verantwortung zu drücken.

Natürlich hast du gute Gründe für eine Affäre. Und ja, deine Partnerin/dein Partner trägt ebenso die Verantwortung für die Situation zu 100%. Das Zauberwort heißt EBENSO. Beide Partner dürfen sich verändern, wachsen und aus der Situation lernen.

Fehler Nr. 3: Beichten für's eigene Gewissen

Du bist fremdgegangen und hast ein schlechtes Gewissen bis China. "Soll ich meinem Partner den Seitensprung beichten?", ist eine Frage, dir mir ständig gestellt wird. Darauf gibt es keine Pauschal-Antwort. Jede Situation ist anders. Ich frage dann gerne nach dem WARUM. Warum willst du beichten?

Wenn es um DICH geht - lass es sein! Wenn du mit deinen Schuldgefühlen nicht klar kommst, ist es nicht die Aufgabe deines Partners dich zu erleichtern. Es ist deine!

Deine Gefühle zu äußern ist wie pupsen - es erleichtert dich, verpestet aber die Luft!

Der Satz stammt aus dem großartigen Artikel "Warum man viel weniger auf Gefühle hören sollte".

Du darfst lernen, mit deinem Verhalten zu leben und deinen Frieden damit zu machen. Erst dann kannst du dich deinem Partner mitteilen und deine Beziehung auf ein nächstes Level heben. Wenn es ein einmaliger Seitensprung war, der dir einfach nur gut getan hat, genieße und schweige!

Wenn du die Monogamie abschaffen willst, ein neues Beziehungskonzept leben und deine Partnerschaft bereichern willst, dann MUSST du mit deinem Partner darüber sprechen. Wenn du nur ein Vaterunser für deine Sünden abbitten willst, geh in die Kirche, aber belaste deinen Partner nicht damit!

Fehler Nr. 4: Die eigenen Emotionen nicht im Griff haben

Hängt zusammen mit Nr. 3. Viele, die fremdgehen, sind mit den eigenen Gefühlen überfordert. Sie haben nicht gelernt, sich selbst zu beruhigen und sich selbst glücklich zu machen. Die Affäre kompensiert alles, was in der Beziehung fehlt. Einige sind wie ein Junkie abhängig von dem/der Geliebten, weil sie dort bekommen, was sie sonst vermissen.

Meine Klientinnen (und Klienten) berichten von einer kaum auszuhaltenden Sehnsucht und dem Wunschtraum, eine offene Beziehung zu leben, um diese Sehnsucht (offiziell erlaubt) stillen zu dürfen. Wenn sich die Affäre zurückzieht, weniger Kontakt wünscht oder eine emotionale Gleichgültigkeit zeigt, kommt das Ursprungs-Muster zum Vorschein: Die Angst, nicht geliebt zu sein, nicht liebenswert zu sein, nicht genug zu sein.

Mehr zum Thema: 40 Prozent der Frauen gehen fremd, weil Männer diesen einen Fehler machen

Fremdgehen kann die inneren Defizite nur kurzfristig ausgleichen. Die eigenen Emotionen wie Einsamkeit, Minderwertigkeit, Langeweile oder was auch immer kannst du nur selbst im Zaum halten. Weder dein Partner, noch die Affäre kann es leisten, dass du dich immer geliebt und wichtig fühlst, dass du ein spannendes Leben hast und glücklich bist.

Fehler Nr. 5: Zu glauben, dass die Affäre immer gleich bleibt

Beziehungen verändern sich. Immer! Auch eine Affäre ist eine Beziehung. Und auch die verändert sich. Meistens nicht zum Positiven. Obwohl es länger dauert, bis eine Art "Alltag" einkehrt, passiert es doch. Irgendwann wird auch die aufregendste Zweitbeziehung zur Gewohnheit. Oder einer will mehr, als der andere geben kann. Dann wird es ungemütlich.

So absurd es klingt, auch Affären gehen durch Krisen. Es ist ein Leichtes, die Affäre dann zu beenden. Doch die Lernaufgabe bleibt bestehen. Wir können uns nicht davor drücken, unsere Hausaufgaben zu machen. Wenn du deine Affäre als "Lückenbüßer" nutzt (für welche Lücke auch immer), wirst du vom Leben mal sanft, mal unsanft aufgefordert, deine Lücke selbst zu schließen.

Beziehungen haben ein Hauptziel: Die Persönlichkeit der Partner weiter zu entwickeln und die eigenen Beziehungs-Fähigkeiten zu erweitern. So bequem das Fremdgehen deine Defizite verschleiern mag, irgendwann kommen sie doch zum Vorschein.

Fehler Nr. 6: Schuldgefühle

Ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle machen einen Seitensprung nicht besser, nicht ungeschehen und helfen niemandem! Im Gegenteil. Ich erlebe in der Beratung ständig, dass Schuldgefühle die Sache nur schlimmer machen.

Der "Betrüger" zieht sich in sich selbst zurück, kommt mit seinen Gefühlen nicht klar und verhält sich anders als sonst. Da merkt ein Blinder mit Krückstock, dass hier was faul ist. Manche Affären fliegen nur deshalb auf. Positive Gefühle, wie Sinnlichkeit, Genuss, erotische Erinnerungen oder Fantasien hingegen bereichern die Beziehung und das Sexleben mit dem Partner.

ACHTUNG! Die ehrliche Reue, den Partner verletzt zu haben, (und nicht für die Tat an sich!) ist für eine Verarbeitung einer aufgeflogenen Affäre extrem wichtig. Mit Empathie und Verantwortungsbewusstsein die Schmerzen und Nöte des Partners ernst zu nehmen, ohne sich im Selbstmitleid zu ertränken, ist der erwachsene Weg aus der Krise.

Fehler Nr. 7: Extreme Eifersucht

Das ist für mich der Gipfel der Dreistigkeit und kommt leider öfter vor, als du jetzt glauben magst. Der UNTREUE Partner quält den anderen mit Eifersuchtsanfällen. Da wird das Handy kontrolliert, eine Szene nach der anderen angezettelt und Beschuldigungen und Verdächtigungen inflationär rausgehauen.

Ich vermute, es liegt daran, dass wir gerne von uns selbst auf andere schließen. Derjenige, der nicht treu ist, weiß aus eigener Erfahrung, wie hinterhältig jemand sein kann und unterstellt dasselbe Verhalten seinem Partner.

Oder, und das ist noch dreister, versucht der Fremdgeher mit allen Mitteln von seinem Fehlverhalten abzulenken und macht dem Partner absichtlich ein schlechtes Gewissen, so dass er oder sie ständig damit beschäftigt ist, sich selbst zu verteidigen. Und keine Zeit hat, Indizien zu überprüfen und dem anderen auf die Schliche zu kommen.

Fehler Nr. 8: Integrität, Selbstachtung, Werte verletzen

Wenn dir Treue extrem wichtig ist und du trotzdem in eine Affäre geschlittert bist, hast du ein ernsthaftes Problem. Du verletzt deine eigenen Werte, verlierst deine Selbstachtung und Integrität. Auch wenn du nun versuchst, dir dein Verhalten schön zu reden und es zu rechtfertigen, kannst du dir selbst kaum in die Augen schauen.

Viele meiner Klienten leiden Höllenqualen, weil sie ihre eigenen Werte missachten, können die Affäre aber nicht beenden. Tricky! Hier gibt es einen Werte-Konflikt. Freiheit und Treue sind entgegen gesetzte Werte, die irgendwann anfangen miteinander zu streiten.

Jetzt hast du zwei Möglichkeiten: Dein Verhalten deinen Werten unterzuordnen (und den Liebeskummer auszuhalten) oder deine Werte zu hinterfragen und anzupassen. Wenn du zu dir selbst und zu deinem Verhalten stehen lernst und deinen Frieden damit machst, dass du nicht immer brav und korrekt handelst, kehrt die Selbstachtung zurück.

Fehler Nr. 9: Pseudo-Freiheit, Pseudo-Abenteuer, Pseudo...

Auch das erlebe ich bei fast allen Affären. Ein Beispiel: Ein untreuer Ehemann flüchtet vor seiner Kontrolletti-Gattin in eine Affäre und hat zum ersten Mal das Gefühl, EIGENE Entscheidungen treffen zu können. Die Geliebte ist leider nicht minder Kontrolletti (hallo Beuteschema!) und der Mann ist unfreier als jemals zuvor.

Ein langweiliges Leben kann durch eine Affäre durchaus kurzfristig aufgepeppt werden, doch ein sexuelles Abenteuer macht den Rest des Lebens nicht aufregender. Anstatt jeden Abend vor dem Fernseher die spannenden Leben von anderen zu beobachten, mach dir lieber ein eigenes spannendes Leben.

Wenn du dich nicht traust, deinem Partner Contra zu geben und Freiheit und Selbstbestimmung innerhalb deiner Beziehung zu leben, wird es auch mit der Affäre nicht gehen. Die Auswanderer, die es nicht schaffen, in Deutschland ein cooles Leben zu haben, fallen auch im Ausland auf die Schnauze.

Fehler Nr. 10: Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben

Hängt zusammen mit Nr. 9. Wie eben beschrieben, wirst du mit deiner Affäre in 5 Jahren am selben Punkt stehen wie in deiner Ehe jetzt. Du nimmst dich selbst mit und dein unbewusstes Beuteschema auch. Auch wenn du eine offene Beziehung durchsetzt und deinen Partner nicht verlässt, darfst du selbst wachsen und dich weiter entwickeln.

Natürlich kann ein neuer Partner offener und liebevoller sein und es ist durchaus möglich, dass deine Beziehung längst tot ist und eine Trennung überfällig. Ist dein Partner nicht bereit, sich mit dir zu entwickeln und zu faul, feige und eitel, um sich zu bewegen, nimm die Beine in die Hand und lauf.

Doch wenn du jetzt den Fehler machst, von einer Beziehung in die nächste zu stolpern, ohne kurz inne zu halten und zu reflektieren, was schief gelaufen ist, was deine Anteile waren und wo du hinwillst, kann die neue Liebe extrem enttäuschen.

Fehler Nr. 11: Konsequenzen unterschätzen

Alles, was wir tun, hat Konsequenzen. Alles, was wir nicht tun, auch. Es hat Konsequenzen, einen einmaligen Seitensprung zu "beichten". Es hat auch Konsequenzen, es nicht zu tun. Es hat Konsequenzen, heimlich fremdzugehen. Es hat Konsequenzen, wenn eine Affäre auffliegt.

Die meisten Menschen denken, dass die schlimmere Konsequenz ist, wenn es raus kommt. Ist es aber nicht immer. Eine heimliche Affäre tut zwar weniger weh, doch sie verhindert das Wachstum in der Beziehung. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Das stimmt, und doch hat es Konsequenzen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Nicht nur sicht- und fühlbare Konsequenzen. Eine Affäre hat auch energetische Auswirkungen. Damit meine ich nicht, dass ein "Betrüger" vom Leben bestraft wird oder ihn/sie der Blitz trifft. Wenn jemand im Frieden ist mit sich und mit seinem Verhalten, hat es positive Auswirkungen auf die Energie. Schuldgefühle, und da sind wir wieder am Anfang des Artikels, haben negative energetische Auswirkungen.

Die Monogamie ist ein doofes Konzept, welches völlig am Leben vorbei geht. Es geht um Kontrolle und um Besitzdenken und hat nichts mit Liebe zu tun. Wir Menschen sind nicht immer brav und wir verhalten uns nicht nach unseren selbst gesteckten, meterhohen Idealen.

Wir dürfen lernen, entspannt und locker mit uns selbst (und unseren Partnern) umzugehen und uns selbst zu mögen, so wie wir sind. Unperfekt. Wir dürfen verstehen, dass das Leben und jede Beziehung ständig im Wandel ist und Wege finden, damit umzugehen. Fehler sind Teil des Lebens. Wir dürfen auch mit unseren "Fehlern" gelassen umgehen und idealerweise daraus lernen.

Leben darf leicht gehen und Spaß machen. Liebe auch!

Herzlichst
Melanie

Die Beitrag erschien zuerst auf dem Liebe Leben Blog.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.