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Wie der Kaffeeanbau in Ruanda Leben rettet

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Wissen Sie eigentlich, wo der Kaffee herkommt, den Sie täglich trinken? Gar nicht so einfach, zumal die Standard-Supermarktkaffees wilde Mischungen verschiedener Sorten sind. Doch der Trend geht zum Spezialitätenkaffee, Third Wave nennt man das in der Szene - die Rückkehr zu einem bewussten Genuss, der hinterfragt, wo der Kaffee herkommt und wer ihn anbaut. In etwa so wie beim Wein.

Dass der Kaffeeanbau nicht zwangsläufig Ausbeutung bedeuten muss, zeigt das Beispiel von Kaffee-Kooperative.de, ein Start-up aus Berlin, das ruandischen Kaffee importiert und direkt mit der produzierenden Kaffee-Kooperative Musasa Dukundekawa kooperiert.

Ruanda ist schon etwas Besonderes: Nicht nur, dass Plastiktüten in dem Land absolut verboten sind, seit dem traurigen Genozid 1994 haben die Frauen im Land auch einen unglaublichen Schub an Emanzipation erlebt - erzwungenermaßen sozusagen, aber letztlich doch eine positive Entwicklung bei all dem Leid.

Eine der Kaffeebäuerinnen der Musasa-Kooperative ist Odette Murekatete

Seit dem Genozid ist Odette verwitwet. Sie hat vier leibliche Kinder und adoptierte zusätzlich ein Waisenkind. Ihre beiden ältesten Kinder haben die Sekundarschule bereits abgeschlossen. Eine gute Bildung für ihre Kinder ist Odette wichtig und sie sähe es gern, wenn diese studieren.

Odette und ihr Adoptivsohn Odette und ihr Adoptivsohn

 

Was den Kaffeeanbau anbelangt, so bewirtschaftet Odette 500 Kaffeesträucher. Aktuell plant die Kooperative den Anbau von Biokaffee und Odette wird unter den ersten Biokaffeebäuerinnen sein. Ihren Tagesablauf schildert Odette folgendermaßen:

"Drei Tage in der Woche arbeite ich auf meiner Kaffeeplantage, von 7 Uhr morgens bis zum Mittag. Anschließend gehe ich nach Hause und bereite das Essen für die Kinder vor. An den anderen beiden Tagen arbeite ich in meinen anderen Gärten, wo ich Lebensmittel anbaue, um meine Familie zu ernähren." Darüber hinaus bietet Odette, ebenfalls im Rahmen der Kooperative, handgefertigte Produkte an.

Odette fertigt Körbe Odette beim Körbeflechten

 

Odette ist stolze Besitzerin einer Kuh, die ihr nicht nur als Milchlieferant dient, sondern auch Dung liefert, mit dem sie ihre Kaffeesträucher beglückt: "Die Kuh habe ich von der Kooperative bekommen, damit wir selbständig organischen Dünger für unseren Kaffeeanbau produzieren können.

Die Milch kommt wiederum meiner Familie zugute. Meine Kuh warf bereits fünf Kälber, die nun im Besitz anderer Mitglieder der Kooperative sind. Wir haben innerhalb der Kooperative ein großartiges System geschaffen, so dass Kälber kostenfrei an die Mitglieder verteilt werden, die noch keine Kuh haben. Damit profitieren nach und nach alle von der Anschaffung!"

Odette mit ihrer Kuh Odette mit ihrer Kuh

 

Der Kaffeeanbau hat mir und meiner Familie enorm geholfen

Jeden Morgen kocht Odette Milch zum Frühstück auf. Die Kinder bekommen Tee dazu, während Odette einen Löffel Kaffee hinzufügt: "Ich trinke gern Kaffee. Wie könnte ich ihn auch anbauen und verkaufen, wenn ich nicht wüsste, wie er schmeckt!"

Lachend fügt sie hinzu: "Der Kaffeeanbau hat mir und meiner Familie enorm geholfen. Seit ich der Musasa Dukundekawa Kooperative 2003 beigetreten bin, hat es mir der Kaffee ermöglicht meine Familie zu ernähren, die Schulausbildung meiner Kinder zu finanzieren, die Bauern zu bezahlen, die Krankenversicherung und und und. Ich habe jetzt sogar ein Sparbuch bei der Kooperative."

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Und was kommt als nächstes? "Wir Frauen in der Musasa-Kooperative scharren schon förmlich mit den Füßen, um mit der Produktion des 'Frauenkaffees' zu beginnen. Ich glaube, das wird uns nicht nur ein höheres Einkommen einbringen, sondern auch dazu beitragen, dass Frauen gesellschaftlich ein höheres Ansehen gewinnen."

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