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Kaffee in der Schwangerschaft und Stillzeit - Das musst du wissen!

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SCHWANGER
evgenyatamanenko via Getty Images
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In der Schwangerschaft ist so einiges tabu: roher Fisch, Rohmilchkäse und Gartenarbeit ohne Handschuhe etwa, wegen der Gefahr von Listeriose und Toxoplasmose, die das ungeborene Kind stark schädigen können.

Auch Kaffee steht immer wieder auf dem Prüfstand und zwar nicht nur im Rahmen der Schwangerschaft, sondern auch in der darauf folgenden Stillzeit. Grund genug, den aktuellen Forschungsstand einmal zusammenzufassen.

Kaffee in der Schwangerschaft: In Maßen genossen unbedenklich

An und für sich hat Kaffee bzw. der Konsum von Koffein in der Schwangerschaft neuesten Studien zufolge keine negativen Auswirkungen auf das ungeborene Kind. Dies gilt zumindest für einen moderaten Kaffeekonsum.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt Schwangeren ein Maximum von 200 bis 300g Koffein pro Tag. Das entspricht 2 bis 3 Tassen Filterkaffee. Zu berücksichtigen ist dabei jedoch, dass Koffein nicht nur in Kaffee enthalten ist, sondern auch in Tee, Schokolade, Cola und Energydrinks.

Wenn du diese Produkte zu dir nimmst, solltest du deinen Kaffeegenuss entsprechend reduzieren. Hier ein kurzer Überblick über den Koffeingehalt verschiedener Nahrungs- und Genussmittel. Die Angaben erfolgen in Spannen, da sie von Anbieter zu Anbieter variieren.

  • Instantkaffee (125ml) = 35-105mg
  • Filterkaffee (125ml) = 60-135mg
  • Espresso (30ml) = 35-100mg
  • Schwarzer und Grüner Tee (150ml) = 20-45mg
  • Eistee (330ml) = 10-50mg
  • Heiße Schokolade (150ml) = 2-7mg
  • Kakao (150ml) = 2-20mg
  • Cola (330ml) = 26-57mg
  • Energy Drink (330ml) = 70-120mg
  • Vollmilchschokolade (100g) = 3-35mg
  • Bitterschokolade (100g) = 50-110mg
  • Koffeinhaltige Schmerzmittel = ca. 50mg pro Einzeldosis

Schwangeren wird zudem empfohlen, den Kaffee zwischen den Mahlzeiten zu trinken, da das Getränk die Eisenaufnahme aus der Nahrung behindert.

Gerade Schwangere müssen jedoch aufgrund der erhöhten Blutproduktion auf einen ausgeglichenen Eisenhaushalt achten. 

Hinzu kommt weiterhin eine erhöhte Halbwertszeit des Koffeins im Körper, die während der Schwangerschaft von durchschnittlich 4 Stunden auf bis zu 15 Stunden steigen kann.

Wie wirkt Kaffee in der Schwangerschaft auf das ungeborene Baby?

Lange wurde kolportiert, dass Kaffeekonsum in der Schwangerschaft ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko in sich birgt. Diese These wurde von jüngsten Studien widerlegt.

"Wir haben keinen Zusammenhang zwischen dem Koffeinkonsum und einer Frühgeburt gefunden."

Ein übermäßiger Koffein-Konsum kann jedoch zu einem niedrigeren Geburtsgewicht des Babys führen.

So lag in einer groß angelegten Studie das durchschnittliche Geburtsgewicht der Babys von Müttern, die rund 100mg Koffein pro Tag zu sich nahmen, um 21 bis 28g unter dem Durchschnittswert von 3600g.

Die Babys von Frauen, die 200mg und mehr Koffein täglich zu sich nahmen, wiesen wiederum ein um 60 bis 70g niedrigeres Geburtsgewicht auf als die erste Gruppe. Für Babys, die zum errechneten Termin auf die Welt kommen, stellt dies kein Problem dar. Bei Frühgeburten und eher zarten Babys kann dies jedoch ein zusätzlicher Risikofaktor sein.

Hinzu kommt, dass Koffein über die Plazenta in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes absorbiert wird. Im Gegensatz zu Erwachsenen, die Koffein über Enzyme (Cytochrome) abbauen, verfügen Babys im Mutterleib noch nicht über derartige Enzyme.

Dementsprechend dauert es um einiges länger, bis der Fötus das Koffein verstoffwechselt hat: Nach 82 Stunden ist erst die Hälfte des aufgenommenen Koffeins abgebaut.

Kaffee in der Stillzeit

Auch in der Stillzeit gilt die Empfehlung von maximal 300mg Koffein täglich. Empfohlen wird generell, den Kaffee direkt nach dem Stillen zu trinken, damit bis zur nächsten Stillphase möglichst viel Koffein abgebaut wird. Interessant zu wissen: Zucker und Milch im Kaffee verzögern die Aufnahme von Koffein, der Latte Macchiato sorgt also für eine verlängerte Koffeinwirkung.

So wirkt Koffein in der Stillphase auf Babys

Wenngleich ein moderater Kaffeekonsum deinem Baby nicht schadet, solltest du dennoch wissen, dass es mehr als drei Tage dauert, bis ein Baby das über die Muttermilch aufgenommene Koffein abgebaut hat.

Frühchen verarbeiten Koffein sogar noch langsamer.Drei bis vier Monate alte Säuglinge benötigen immerhin noch 14 Stunden, um Koffein abzubauen. Nehmen stillende Mütter mehr als die empfohlenen 300mg Koffein täglich zu sich, kann dies beim Baby Unruhe, Bauchschmerzen, Blähungen und Schlafstörungen hervorrufen.

Kaffee-Alternativen für Schwangere und Stillende

Falls du unsicher bist, ob Kaffee deinem Baby nun schadet oder nicht oder falls du lieber gleich für einige Monate auf Kaffee verzichten möchtest, so gibt es durchaus einige Alternativen, um das Kaffee-Ritual nicht völlig aufgeben zu müssen.

Neben koffeinfreiem Kaffee gibt es Getreide-Alternativen wie Dinkel-Kaffee zu entdecken, die lecker schmecken und auch in diversen Variationen zubereitet werden können. Manche Cafés bieten Cappuccino aus Dinkel-Kaffee bereits als koffeinfreie Alternative an.

Wenn du auf Kaffee nun gar nicht verzichtest, diesen aber bewusster konsumieren möchtest, greife auf koffeinarme Kaffeesorten zurück: Kaffee aus 100% Arabica-Bohnen hat nur halb so viel Koffein wie Kaffee-Mischungen mit Robusta-Bohnen. Auch Instantkaffee ist eine Alternative, enthält er doch weniger Koffein als der traditionelle Filterkaffee.

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