BLOG

Die Pinterest-Strategien deutscher Unternehmen

21/08/2015 17:29 CEST | Aktualisiert 21/08/2016 11:12 CEST

2015-08-19-1439985433-4208635-deutscheunternehmenaufpinterest.png

Mit der Etablierung eines Deutschland-Büros im vergangenen Jahr in Berlin wurde schnell klar, dass Pinterest auch auf dem hiesigen Markt große Ambitionen hegt. Zeit genug, um einmal zu überprüfen, wie deutsche Unternehmen die Plattform nutzen.

Was ist Pinterest?

Pinterest ist eine visuelle Suchmaschine, ein Bookmarking-Tool und eine Discovery-Plattform, die immer wieder mit sozialen Netzwerken verglichen und auch von Google Analytics als solches eingeordnet wird. Sie finden denn auch auf Pinterest eine Vielzahl an sozialen Komponenten (Teilen, Liken, Kommentieren, Folgen), doch beachtliche 95 Prozent der Inhalte stammen von professionellen Content-Anbietern, sprich Unternehmen, Marken und profilierten Bloggern.

Genutzt wird Pinterest vor allem zur Ideengebung und Inspiration, d.h. um Zukünftiges (etwa Hochzeiten, die neue Wohnung oder auch einfach nur das Abendessen) zu planen. Dabei werden verschiedene Bilder (Pins) auf entsprechende Pinnwände gespeichert. Pins sind in der Regel mit einem Link verknüpft, der auf die Ursprungsquelle verweist, weshalb Pinterest für einen höheren Traffic auf Ihren Seiten sorgen kann.

Das Potential von Pinterest für Unternehmen

Pinterest erfreut sich vor allem bei im E-Commerce tätigen Unternehmen einer großen Beliebtheit. Nicht nur, dass der durchschnittliche Pinterest-Nutzer über ein überdurchschnittlich hohes Einkommen und eine hohe Shopping-Affinität verfügt. Diverse Studien und Case Studies belegen überdies, dass über Pinterest generierte Einkäufe höher sind als auf den zum Vergleich hinzugezogenen Plattformen wie Facebook und Twitter.

Pinterest wird von vielen Unternehmen dazu eingesetzt, Traffic auf ihre Webseite zu lenken, da jeder Pin (jedes hochgeladene Bild, z.B. von einem Produkt) auf die entsprechende Landing Page auf der Webseite des Unternehmens verlinkt, z.B. auf eine Detailansicht im Shop. Bereits jetzt liegt Pinterest als Verweisquelle deutlich vor Twitter, Google+ und Youtube und damit auf Platz 2 hinter Facebook.

Philipp Engelmann, Gründer der Online-Plattform Fablife, die Lifestyle-Produkte für Männer kuratiert, betrachtet Pinterest als ideale Plattform und das nicht nur aufgrund des enormen organischen Wachstums, den Fablife seit Beginn seiner Pinterest-Aktivitäten verzeichnet, sondern auch angesichts der überdurchschnittlichen Konversionsrate von über Pinterest akquirierten Nutzern:

„Pinterest ist für uns als owned Marketing Channel der wichtigste. Dort können wir unsere Nutzer genau dort abholen, wo wir sie haben möchten. Nämlich auf der Suche nach Inspiration und den schönen Dingen des Lebens."

Unternehmen bietet Pinterest mit Werbemöglichkeiten (Promoted Pins) und One-Klick-Shopping (Buyable Pins) sehr gute Möglichkeiten der Monetarisierung. Diese finden sich derzeit aber noch im Einführungsstadium und sind bislang nur auf dem US-amerikanischen Markt verfügbar.

Deutsche E-Commerce-Anbieter und Publisher können jedoch bereits von Rich Pins profitieren, das sind mit Metadaten angereicherte Pins, die Nutzern z.B. einen Alert aussenden, wenn ein Produkt im Preis gesenkt wird oder wenn sie sich einem Ort nähern, den sie auf ihren Pinnwänden abgespeichert haben.

2015-08-19-1439985027-8450860-_dawandaartikelrichpin.png

Produkt Rich Pin bei Dawanda Germany mit Preisinformation zum Artikel

Da Inhalte auf Pinterest immer wieder geteilt werden und nicht wie in sozialen Netzwerken schnell im Newsfeed verschwinden, können Ihre Produkte so immer wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangen. Auch durch die stark genutzte Suchfunktion (46 Prozent der aktiven Pinner haben herkömmliche Suchmaschinen bereits durch Pinterest ersetzt) werden Inhalte immer wieder relevant. Professionelle Pinner setzen demzufolge bereits auf Pinterest SEO und optimieren ihre Keywords, Pin- und Pinnwand-Beschreibungen mit deutlichen Erfolgen.

Erfolgreiche Pinterest-Strategien deutscher Unternehmen

Angesichts des großen Potentials von Pinterest für Unternehmen hat Marpha Consulting die Pinterest-Auftritte von 23 deutschen Unternehmen untersucht und dabei vier Strategien identifiziert, die für einen erfolgreichen Einsatz der Plattform empfehlenswert sind.

Die untersuchten Unternehmen decken eine Vielfalt an Branchen ab, von Mode über Wohnen, Essen, Baumarkt, Männer, NGO, Kosmetik bis hin zu und Medien. Diese Stichprobe, die im Juni 2015 erhoben wurde, kann natürlich nicht als repräsentativ gelten, gibt aber einen guten Einblick in die Nutzung von Pinterest.

Die Unternehmen haben im Durchschnitt 28 Pinnwände mit einer durchschnittlichen Anzahl von 2.436 Pins angelegt. Die mit Abstand meisten Pins finden sich bei Lifestyle-Unternehmen wie Fablife, Westwing, Stylefruits und Dawanda Germany. Die Anzahl der Follower liegt im Schnitt bei 35.707, dabei überrascht vor allem das Frauenportal Wunderweib der Bauer Media Group mit nahezu einer halben Million Followern - das übertrifft sogar die Anzahl an Fans auf Facebook.

Bisher gelingt es nur wenigen Unternehmen, eine große Anzahl von Pinnern zu begeistern - was jedoch in erster Linie daran liegen dürfte, dass Pinterest hierzulande noch nicht allzu bekannt ist. Die Unternehmen selbst folgen im Schnitt 377 Pinnern. Die durchschnittliche Anzahl von Gefällt mir-Angaben liegt bei 425. Brands wie Westwing, WWF, Obi und Nivea bringen ihre Begeisterung für andere Pins regelmäßig zum Ausdruck.

Pinterest als Produktkatalog

Als verkaufsfördernde Plattform wird Pinterest von vielen Unternehmen als Produktkatalog eingesetzt, das seine ganze Wirkung dann entfaltet, wenn die Landing Pages zum Shop führen. Letztlich spiegelt dies auch die Nutzererwartung wider, denn 93 Prozent der Nutzer planen ihre Einkäufe über Pinterest und 73 Prozent haben bereits einmal etwas gekauft, das sie auf Pinterest gesehen haben. Mit der Einführung des Buy It-Buttons wird sich der umsatzsteigernde Effekt von Pinterest für Unternehmen in Zukunft sicher noch steigern.

2015-08-19-1439985607-7707046-pinterestrittersport.png

Ritter Sport präsentiert seine Schokoladenprodukte auf thematisch ausgerichteten Pinnwänden

Pinterest als Plattform zur Ideengebung und Inspiration

Unternehmen sollten jedoch nicht allein auf die Katalog-Strategie setzen, sondern diese vielmehr um kuratierte Inhalte erweitern. Wer auf Pinterest aktiv ist, sucht in erster Linie Ideen und Inspiration. Darauf sollten sich Unternehmen einstellen und neben den eigenen Inhalten weitere markenrelevante Fremdinhalte pinnen, welche die eigene Expertise in der gewählten Nische zum Ausdruck bringen.

Ein gutes Beispiel liefert das Shopping-Portal Westwing, das sich wirksam als Ideengeber rund um den Markenkern Home & Living präsentiert. Da die eigenen Inhalte bei vielen Unternehmen ohnehin beschränkt sind, bietet eine Kombination dieser beiden Strategien die besten Voraussetzungen, um kontinuierlich zu pinnen und so dauerhaft Reichweite aufzubauen und neue Besucher auf die eigene Webseite zu lenken.

2015-08-19-1439986292-7882332-westwingfarbenpinnwandbeschreibung.png

Westwing bietet Inspiration zum Thema Inneneinrichtung

Pinterest als Portfolio

Dienstleister können Pinterest als Portfolio nutzen, um ihre Services und Projekte zu präsentieren. Durch eine Kombination mit kuratierten Inhalten ergibt sich hier sogar die Möglichkeit, zusätzliche mögliche Einsatzfelder aufzuzeigen, die in den bisherigen Projekten noch nicht realisiert wurden, aber im Rahmen des Möglichen liegen.

2015-08-19-1439986473-2617569-_malerheyseprofilbeschreibung.png

Malerfachbetrieb Heyse präsentiert realisierte Projekte auf entsprechenden Pinnwänden

Pinterest als Archiv

Schließlich können Unternehmen Pinterest auch als Archiv nutzen. Designer können so beispielsweise vergangene Kollektionen präsentieren, während traditionelle Unternehmen oftmals die Unternehmensgeschichte dokumentieren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, diverse Artikel zu bestimmten Themen auf entsprechenden Pinnwänden zu speichern, womit Pinterest eine Bookmarking-Funktion erfüllt.

Insofern können auch Content-Produzenten und Publisher von der Plattform profitieren. Pinterest lässt sich so auch im Produkt- bzw. Themen-Management einsetzen: Sind etwa Produkte anhaltend populär, die nicht mehr erhältlich sind, kann sich eine Neuauflage lohnen.

2015-08-19-1439986750-307300-burdacoverbilder.png

Die Zeitschrift Burda Style bildet ein Archiv der Ausgaben auf Pinterest ab

Pinterest bieten Unternehmen also eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich bestmöglich zu präsentieren und den Nutzern verschiedene Anknüpfungspunkte zu bieten. In den meisten Fällen wird es sich lohnen, die verschiedenen Strategien miteinander zu kombinieren, um auf Pinterest nachhaltig erfolgreich zu sein. Wenn Sie bereits auf Pinterest Erfahrung gesammelt haben, hinterlassen Sie gern ein Kommentar.


Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite

Gesponsert von Western Digital