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Wie das Bild des IS islamfeindliche Stimmung in Deutschland schürt

29/09/2015 11:19 CEST | Aktualisiert 29/09/2016 11:12 CEST
AFP via Getty Images

Theologie à la Abdel-Samad und IS

Hamed Abdel-Samad, der medial gehievte Kronzeuge im Fall 'Mainstream gegen den Islam', wird nicht müde, die Religion des Islams und seine Anhänger öffentlich zu verteufeln. Sein Islambild ist mit Hass, Mord und Intoleranz konnotiert, damit hat er sehr viel mit den Theologen des "Islamischen Staates" gemeinsam.

Warum Al-Baghdadi und Abdel-Samad den Koran gleich verstehen

Zunächst ist es hilfreich, die Bedeutung des Korans für Muslime zu erläutern. Muslime glauben an den einen Gott, der Propheten sandte, und mit einigen von ihnen auch Bücher, durch die er zu den Menschen sprach.

Das letzte heilige Buch der Muslime ist der Koran, das Manifest des islamischen Glaubens und die Hauptquelle des islamischen Verständnisses vom Schöpfer und den Geschöpfen, vom Dies- und Jenseits, dem Leben und dem Tod, den Geboten und Verboten und weiteren Aspekten. In einer nicht erreichten Sprachkunst begeistern die Reime und stilistischen Mittel Kenner und Liebhaber der arabischen Sprache.

Daher ist eine Übersetzung in eine andere Sprache unmöglich, und jene, die den Koran tatsächlich übersetzten, sprechen von einer ungefähren Interpretation. So viel Respekt zollen sie der verwendeten koranischen Sprache.

Aussprüche des Propheten Muhammad

Neben dem Koran genießen die Aussagen des Propheten Muhammad Rechtscharakter. Viele Werke der islamischen Literatur sind Sammelwerke, in denen die Aussprüche des Propheten zusammengetragen werden. In der theologischen Wissenschaft der Überlieferungen, werden jene auf Authentizität überprüft. Inhalt und Überlieferer werden untersucht.

Ungereimtheiten in der Überliefererkette eines Ausspruchs, oder Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Überlieferers, werten diesen ab und führen gar zu dessen Ablehnung. Inhaltlich gibt es eine Hauptregel: Jeder Ausspruch, der dem Koran widerspricht, gilt als ungültig. Folglich ist nicht jeder Ausspruch, der sich in den Sammelwerken finden lässt, authentisch und islamrechtlich relevant.

Die Gelehrten des Wahhabismus

In der Causa um Hamed Abdel-Samad ist paradox, dass er genau die Herangehensweise anwendet und die Quellen nutzt, die er zeitgleich kritisiert. Zunächst soll anhand von zwei Beispielen in vereinfachter Form die wahhabitische Vorgehensweise dargelegt werden:

1. Die Gelehrten des Wahhabismus haben eine eigene Lesart der islamischen Primärquellen. Die Quellen sind das Buch Gottes (der Koran) und die Sunna (Verfahrensweise) des Propheten Muhammad.

Wahhabiten betreiben keine wahre Exegese des Korans, sondern orientieren sich fast ausschließlich am Wortlaut. Ferner sind sie nicht in der Lage, den Koran systematisch, historisch oder teleologisch (nach Sinn und Zweck) zu verstehen. Das führt zu Ansichten, die von den Muslimen abgelehnt werden, jedoch bei Abdel-Samad und Co. Zuspruch finden.

2. Wie bereits gesagt, genießen die Aussagen des Propheten besonderen legislativen Status. Es gibt sehr viele Aussprüche in den historischen Werken der Muslime. Ob nun alle wirklich vom Propheten stammen, ist eine der wichtigen Fragen der islamischen Theologie, die sich in einer ihrer wissenschaftlichen Disziplinen seit Jahrhunderten damit befasst.

Was tun die Theologen genau? Sie überprüfen Inhalt, Überliefererkette und Einklang des Ausspruchs mit dem Koran. Auch das machen Wahhabiten nicht wirklich und nehmen jeden Ausspruch in den Büchern der Geschichte als authentisch an, der mit ihren politischen Interessen konform ist. Leider genau so wie der Herr Abdel-Samad.

Der Prophet der Wahhabiten und der von Abdel-Samad ist identisch

Die Ausführungen und Thesen von Abdel-Samad sind für Muslime nichts Neues. Sie kennen sie bereits aus den Büchern des Wahhabismus und seinen Predigern, die über diverse Informationskanäle diese Ansicht verbreiten. Und sie lehnen dies ab!

Die Söldner des IS töten, vergewaltigen und schänden. Sie benötigen genau dieses Bild des Propheten, um ihre niederen politischen Ziele zu legitimieren. Wenn Abdel-Samad nun sagt: "Mohammed war ein Massenmörder und ein kranker Tyrann" würde ihm Abu Bakr Al-Baghdadi entgegnen: Amen Bruder!

Medien spielen IS in die Karten

Die Rolle wichtiger Mainstream Zeitschriften und Magazine ist tragisch, weil sie dem IS ungewollt die Karten spielt. Aber auch, weil die Ansichten von Abdel-Samad rational betrachtet nur als Hetze gelesen werden können, und das ist in Zeiten der akuten Flüchtlingskrise ein Spiel mit dem Feuer.

Schade ist auch, dass durch diese unwissenschaftliche Befassung mit dem Thema, ernsthafte Stimmen, die zu einer notwendigen Korrektur einiger Grundwerke der muslimischen Welt aufrufen, ungehört bleiben..

Abschließend stellt sich für mich die Frage:

"Der gefährliche Prophet", titelt die ZEIT und bejubelt Hamed Abdel-Samads Thesen. Ob das auch mit Jesus oder Moses klappen würde? Ich hoffe nicht.

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