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Hilfe, die Nachrichten machen mich depressiv

16/01/2017 17:27 CET | Aktualisiert 17/01/2018 11:12 CET
Gettystock

Mir wurde oft gesagt, dass Depression nur in meinem Kopf stattfindet. Normalerweise stimmt diese Aussage. Schlechte Dinge passieren, aber es hängt vom Gehirn ab, wie es diese Dinge verarbeitet. So kann eine Depression entstehen. Mein Gehirn zum Beispiel tendiert dazu, negative Situationen nicht richtig zu verarbeiten.

Wenn ich also nicht meine tägliche kleine Dosis Citalopram zu mir nehme, könnte es passieren, dass ich eine Woche lang nicht aus dem Bett komme und vergesse, wie duschen geht. Könnte. Muss nicht. Könnte.

Jedenfalls hatte ich in letzter Zeit das Gefühl, dass ich meine Depression schlechter unter Kontrolle habe als sonst. Ich kann sie nicht mit Pillen, Therapie oder positivem Denken kontrollieren, weil ich keine Macht über die Gründe für die Depression habe.

Sie liegen in der Welt da draußen. Trump wurde zum Präsidenten gewählt, der Rechtsruck, Brexit, die Tories bauen das Gesundheitssystem ab, die Tatsache, dass ich niemals ein Haus besitzen werde. Nichts davon ist meine Schuld und trotzdem sind das alles Gründe für meine Depression.

Die Situation betrifft mich nicht, bedrückt mich aber trotzdem

Gestern habe ich auf Twitter erfahren, dass die Republikaner versuchen, Obamacare abzuschaffen und ich sorgte mich stundenlang um die Millionen Menschen, die sterben werden, wenn sie ihre Krankenversicherung verlieren. Es geht um Leben und Tod.

Ich finde es so selbstverständlich, dass jeder kostenfreien Zugang zu einer medizinischen Versorgung haben sollte, dass ich nicht verstehe, wie jemand, der bei Sinnen ist, dagegen sein kann. Die Situation betrifft mich nicht, bedrückt mich aber trotzdem.

Es sind zu viele Infos auf einmal. Ich folge vielen Amerikanern auf Twitter und der ständige Strom von negativen Nachrichten beeinflusst mich heutzutage viel stärker als früher, wenn ich einfach nur einen Artikel gelesen habe. Du kannst dich ja nicht einfach bei Twitter ausloggen, wenn dich die Tweets depressiv machen.

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Erstens fühle ich mich in dieser schwierigen Zeit verpflichtet, mir darüber im Klaren zu sein, was passiert. Trumps Aufstieg und der Rechtsruck in Europa können nicht ignoriert werden. Wenn wir eine neue faschistische und rassistische Ära vermeiden wollen, sind wir gezwungen, uns zu informieren.

Zweitens sind soziale Medien nun Teil unseres Lebens. Wenn ich mich jetzt überall ausloggen würde, würde ich automatisch den Kontakt zu fast allen meinen Freunden verlieren. Ich liebe Twitter, weil ich gerne lese, was meine Freunde machen und weil ich gerne über ihre Witze lache.

So kann ich Teil derer Leben bleiben, auch wenn uns tausende Kilometer voneinander trennen. Dasselbe gilt für Facebook. Wenn ich meinen Account löschen würde, würde ich mich isolieren, und davon würde ich noch depressiver werden.

Drittens ist es ein Privileg, Nachrichten ignorieren zu können, und ich habe nichts ignoriert. Die USA sind eine Supermacht. Es heißt oft: Wenn Amerika niest, fängt sich der Rest der Welt einen Schnupfen ein. Die Tage des Isolationismus sind gezählt. Auch wir Engländer müssen uns in Acht nehmen. Die USA setzen oft den Standard für die anderen Länder, was akzeptabel ist und was nicht.

Soziale Medien sind Teil unseres Lebens

An dem Tag, nachdem Trump gewählt worden ist, erschienen überall rassistische und sexistische Graffiti in meiner Heimatstadt. Wenn der Mann, der sagt "fass ihnen an den Schritt" Präsident wird - wer traut sich denn dann noch, eine Vergewaltigung zu melden?

Die USA haben laut und deutlich gesagt, dass es ihnen egal ist. Ich wünschte, ich könnte mich ausloggen und die Welt ignorieren. Aber diese Hürde ist zu hoch. Mal aus ganz persönlicher Sicht gesprochen - ich bin eine lesbische Frau und ich habe Angst.

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Was können wir also tun? Wie können wir weiterhin online aktiv bleiben, trotz Depression? Ich weiß es noch nicht. Ein paar lustigen Accounts zu folgen ist jedenfalls ein guter Anfang. Auch, mit Freunden online zu kommunizieren, hilft.

Vor allem müssen wir aber lernen, das Handy für ein paar Stunden weglegen zu können. Ich schaue etwa 20 Mal pro Stunde auf mein Telefon. Das muss aufhören. Ab morgen versuche ich, nur noch einmal pro Stunde auf mein Telefon zu schauen, und hoffentlich fühle ich mich dann weniger depressiv. Wenn du so ähnlich bist wie ich, solltest du das auch probieren. Lass uns hoffen, dass es klappt.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der HuffPost UK und wurde von Agatha Kremplewski aus dem Englischen übersetzt.

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