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Wir stellen unseren Kindern jeden Abend dieselben drei Fragen

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Zum ersten Mal sind meine beiden Töchter in der Schule - in verschiedenen Klassen und verschiedenen Schulen. Es ist interessant zu beobachten, wie tagsüber unsere vierköpfige Familie in vier verschiedene Richtungen geht.

Einerseits bin ich dankbar für die neuen Eindrücke und die neuen Menschen, mit denen sich meine Kinder konfrontiert sehen, doch gleichzeitig bin ich auch besorgt, dass ich den Kontakt zu ihnen verliere, während sie aus dem Nest fliegen.

Ich denke, das klingt sehr mütterlich, doch ich schreibe es trotzdem - ich musste einen Weg finden unsere Familienbande zu stärken, obwohl wir alle unseren Horizont erweitern und über den eigenen Tellerrand schauen.

Komplizierte Pläne fassen oder Pinterest nutzen war noch nie meine Stärke. Wir vier bleiben nun also auf eine ganz einfache Art und Weise verbunden, indem wir jeden Abend am Familientisch die selben drei Fragen stellen und beantworten.

Was hast du heute Mutiges getan?

Ich will, dass meine Töchter wissen, dass sich Mut üblicherweise in vielen kleinen Taten zeigt und nicht in einer großen Geste. Sie sollen wissen, dass sie ihr eigenes Vermächtnis an Mut besitzen - es liegt an ihnen dieses auf dem Spielplatz und in der Welt zu hinterlassen.

Es ist wichtig, dass sie ihr ehrliches Löwenherz früh erwecken - jetzt wo sie sich noch von ihren Eltern beschützt fühlen. Jetzt sind wir noch ihre Rettungsanker, aber schon bald, in der Schule, in der Arbeit und in ihrem Privatleben, werden sie auf eigenen Beinen stehen müssen.

Wenn im Leben mal etwas beängstigend sein wird, oder sie vor einer riskanten Entscheidung stehen werden, will ich, dass sie auf jahrelange, waghalsige Taten zurückblicken können, die ihnen dabei helfen werden, diese Momente zu bewältigen. Was hast du heute Mutiges getan?

Ich hoffe, dass diese Frage ihnen lehren wird, ihre eigene Tapferkeit zu erkennen. Und wenn die Zeit kommt, in der sie diesen Mut wirklich brauchen, wird er etwas Vertrautes und Altbekanntes sein.

Was hast du heute Nettes getan?

Kinder können grausam sein. Erwachsene ebenso. Das beweist doch nur, dass wir menschlich sind. Natürlich reicht es nicht nur menschlich zu sein, wir müssen auch barmherzig sein. Egal was man über staatliche Schulen denkt, Fakt ist, dass sie unseren Kindern auf wirksame Weise die Unterschiede vermitteln, die uns gleichzeitig trennen und uns Kraft geben.

Meine Kinder müssen nicht die Mutter Theresa ihres Spielplatzes sein. Aber ich will, dass sie wissen, was um sie herum passiert. Ich will, dass sie Problemlösungen finden, um ihre Umgebung zu verbessern.

Allzu oft lehrt die Gesellschaft unseren Töchtern, dass Nettigkeit klein beigeben oder Schwäche bedeutet. Das ist nicht das, wovon ich rede. Wir bringen unseren Töchtern bei, dass Nettigkeit Verständnis und Stärke bedeutet.

Das kann sich so zeigen, dass sie sich für einen Freund einsetzen, wenn kein anderer es tut. Oder vielleicht werden sie sich auch beim Mittagessen zu einem Mädchen setzen, das sonst immer alleine da sitzt.

Was hast du heute Nettes getan? Nettigkeit ist eine Stärke und ich erwarte von meinen Töchtern, dass sie diese, wie ihre Muskeln, tagtäglich spielen lassen.

Bei was hast du heute versagt?

Wenn wir wollen, dass unsere Kinder Erfolg mit Beständigkeit anstreben, sollten wir dafür sorgen, dass sie keine Angst vor dem Versagen haben. Oftmals führen Fehler, Fehltritte und Fehleinschätzungen zu Heimlichtuerei und Schamgefühl.

Ich will nicht, dass meine Kinder schlechte Noten, zerbrochene Freundschaften oder alles andere, was sie verletzen könnte verheimlichen. (Beziehungsweise wenn sie selber jemanden oder etwas verletzen). Das Leben ist voller Niederlagen - selbstverschuldet oder auch nicht - doch das heißt nicht, dass wir uns geschlagen geben sollten!

Es bedeutet einfach nur, dass wir uns Mühe geben und darin liegt doch etwas Schönes, oder nicht? Also jubeln wir jeden Abend unseren Fehlern zu.

"Ich bin vom Klettergerüst gefallen, weil ich dachte, dass ich drei Balken auf einmal überspringen könnte. Konnte ich aber nicht."

"Du hast heute etwas neues ausprobiert! Ich bin sehr stolz auf dich! Und schau mal wie cool dein Pflaster auf deinem Kratzer ausschaut!"

"Der Lehrer wollte, dass ich meinen Namen schreibe, aber ich konnte es nicht richtig. Das hat mich traurig gemacht."

"Du hast entdeckt, dass es dir wichtig ist deinen Namen richtig zu schreiben! Was für eine tolle Erkenntnis! Möchtest du heute Abend daran arbeiten?"

Es gibt eine Lieblingsfrage

Das ist die Lieblingsfrage meiner Töchter und ich kann es ihnen nicht wirklich verübeln. Es ist auch meine Lieblingsfrage. Es hat etwas Befreiendes über die größten Debakel des Tages zu reden, während man gegrillte Käsesandwiches isst und Tomatensuppe löffelt.

Du meinst, dass ich Mist bauen kann und trotzdem noch am Familientisch sitzen darf und geliebt werde? Allerdings! Bei was hast du heute versagt? Indem wir in der Familie über unsere Fehler sprechen, verhelfen wir uns zum individuellen Erfolg.

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Mein Mann und ich beantworten auch jeden Abend die drei Fragen. Die Mädchen lieben unsere Antworten, sie kichern über unsere mutigen Momente, fühlen sich von unseren kleinen Nettigkeiten inspiriert und helfen uns im Angesicht unserer Fehler Lösungen zu finden oder diese zu akzeptieren.

Ihre Reaktion auf unsere Teilnahme war das überraschendste Geschenk an diesem ganzen Ritual. Es ist beachtenswert, wie sie uns als Partner und gleichzeitig als Eltern wahrnehmen.

Sie machen mich mutiger, sie machen mich netter und sie bringen mich dazu mir mehr Mühe zu geben oder eben zu versagen. Meine lieben, starken Mädchen.

Wir werden diese drei Fragen auch in den kommenden Jahren weiterhin stellen. Die Antworten werden sich verändern, aber die Liebe, die sie erfahren, wird bleiben.
Und für uns vier reicht das.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Timea Sternkopf aus dem Englischen übersetzt.

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(juk)