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Auf Wiedersehen, mein Baby

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
PREGNANT SAD FILTER
Paul Vasarhelyi via Getty Images
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Die Blutungen setzten am Sonntag ein.

Sie waren nur ganz schwach.

Ich wei├č, dass Blutungen im ersten Schwangerschaftstrimester ein normales Symptom f├╝r eine normale Schwangerschaft sein k├Ânnen. Da ich mich jedoch mit Schwangerschaften auskenne und bereits zwei Kinder zur Welt gebracht habe, wei├č ich auch, dass Blutungen bei mir nicht normal sind. Bei manchen Frauen sind sie jedoch normal. Manchmal w├Ąre ich auch gerne eine dieser Frauen.

Also machte ich mir nicht allzu viele Sorgen.

Als ich am Montagmorgen aufwachte, waren meine Kleidung und mein Bettlaken voller Blut.

Riley kam fr├╝her von der Arbeit nach Hause und wir fuhren ins Krankenhaus.

Bevor wir den Schildern zur Ultraschallabteilung folgen durften, mussten wir uns in einem kleinen B├╝ro anmelden. Auf den B├╝cherregalen standen Plastikpflanzen.

Ich versuchte, ruhig zu bleiben. Ich rieb meine Finger aneinander, w├Ąhrend die Frau mir l├Ąchelnd Fragen stellte.

"In Ordnung, Sie sind also ├╝ber eine Preferred Provider Organization krankenversichert?"

"Ja."

Ich will mein Baby sehen.

"Als Notfallkontakt haben wir Ihren Mann eingetragen. Stimmt das noch?"

"Selbstverst├Ąndlich. Ist das noch okay f├╝r dich?" Ich wende mich Riley mit einem Augenzwinkern zu.

Es ist ja auch sein Baby.

"Okay. Mal sehen, ob wir sonst noch etwas kl├Ąren m├╝ssen ..."

Lebt mein Baby noch?

"Gut, dann sind diese Angaben hier also alle korrekt ..."

"Das sind sie."

Dieses Baby f├╝hlte sich so richtig an.

"Alles klar. Dann gehen Sie beide jetzt links raus und folgen den Schildern in Richtung Ultraschallabteilung den langen Flur hinunter. Kurz vor dem Ausgang gehen Sie links, dann rechts und dann wieder links. Okay? Alles Gute."

Geht's dir gut, mein Baby?

Wir gingen den langen Flur entlang und ich h├Ątte am liebsten direkt den Ausgang genommen. Stattdessen gingen wir links, dann rechts und dann wieder links. Wir mussten uns erneut an einen Schreibtisch mit einem Monitor setzen und uns anmelden, bevor ich mich endlich hinlegen durfte.

"Okay, ziehen Sie bitte Ihre Hose bis zu den H├╝ften herunter. Ein bisschen Gel auf den Bauch und los geht's."

Die ├ärztin sagt kein Wort, w├Ąhrend sie den Ultraschall macht.

K├Ânnen Sie mein Baby sehen?

"Sie m├╝ssten jetzt bitte Ihre Blase entleeren. Die Toiletten sind ganz unten den Flur entlang. Wenn Sie wiederkommen, ziehen Sie bitte alles ab der Taille aus und decken Sie sich mit diesem Tuch zu. Ich komme wieder, sobald Sie fertig sind."

Riley fragt mich, ob er mitkommen soll. Er macht sich Sorgen um mich. Ich bin gleich wieder da.

Als ich auf der Toilette meine Unterhose herunterziehe, str├Âmt das Blut aus mir heraus. Es ist mittlerweile ganz dick und es l├Ąuft schon ├╝ber die Innenseiten meiner Oberschenkel, bevor ich mich ├╝berhaupt auf die Toilette setzen kann. Ich sehe hellrote Blutklumpen. Sie sind klein und waren vorher nicht da. Ich atme tief durch.

Das ist bestimmt nicht mein Baby.

Ich brauche ein paar Minuten, um mich sauber zu machen. Ich wische meine Blutspuren vom Toilettensitz und vom Boden auf. W├Ąhrend ich zum Untersuchungsraum zur├╝ckgehe, versuche ich mich innerlich anzuspannen, um den Blutstrom zu verringern. Ich habe Angst, dass ich die ├ärztin mit Blut vollspritzen k├Ânnte.

Zur├╝ck auf dem Untersuchungstisch. Riley sitzt in der Ecke. Er sieht mich an und ich wei├č, dass er genau versteht, was gerade in mir vorgeht. Doch als Mutter macht man sich permanent Sorgen um sein Kind - auch wenn man gerade dabei ist, sein Baby zu verlieren. Ich konnte diese Sorgen noch nie mit jemand anderem teilen. Ich schaue nach oben an die Decke.

Die ├ärztin r├Ąuspert sich.

"K├Ânnten Sie bitte Ihren Hintern anheben und beide F├Ąuste unter jeweils eine Pobacke legen? Ich sehe momentan leider noch nicht genug."

Das kann ich und das tue ich auch. Doch mitten in meiner Bewegung sp├╝re ich, wie ein rotes Rinnsal aus mir heraus flie├čt und an meiner H├╝fte herab l├Ąuft. Ich kann es nicht aufhalten. Ich entschuldige mich, doch ich wei├č nicht, ob die ├ärztin es ├╝berhaupt h├Ârt.

H├Ârst du mich, mein Baby?

Es muss ziemlich l├Ącherlich aussehen, wie ich so daliege. Meine Arme und Beine beginnen zu zittern, w├Ąhrend die ├ärztin die Ultraschallsonde in mir hin und her bewegt und auf den Bildschirm starrt.

"Okay. Soll ich es Ihnen zeigen?"

Sie gibt mir einen Spiegel und ich darf zumindest eine meiner wackligen Pobackenst├╝tzen loslassen. Ich nehme den Spiegel in die linke Hand und halte ihn in Richtung des Bildschirms. Dabei versuche ich, meine Pobacken nun nur noch mit der rechten Faust zu st├╝tzen. Das ist gar nicht so einfach. Man muss sich auch ├╝ber kleine Erfolge freuen k├Ânnen.

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Meine linke Hand zittert noch immer, als ich sie entlaste.

Ich sehe mein Baby nicht.

"Ich sehe hier Folgendes: Der Dottersack ist noch da. Und hier sieht man einen sehr kleinen Embryo. Doch er ist zwei Wochen kleiner als er sein sollte. Und falls es ├╝berhaupt einen Herzschlag gibt, ist er sehr langsam. Ich kann jedoch nicht wirklich sagen, ob es einen Herzschlag gibt. Im Moment sieht es so aus ... als w├Ąren Sie noch schwanger."

Werde ich das Baby behalten?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Da m├╝ssen Sie einen Frauenarzt fragen. Wir m├╝ssen weitere Untersuchungen durchf├╝hren. Morgen.

Als wir gehen, ist der Untersuchungstisch voller Blut. Ich sch├Ąme mich.

In den darauffolgenden zwei Tagen gab ich die Hoffnung nicht auf.

Ich lasse dich nicht los, mein Baby.

Doch irgendwann kam immer mehr Blut und ich hatte immer st├Ąrkere Kr├Ąmpfe. Ich sa├č weinend auf der Toilette, w├Ąhrend ich mein ungeborenes Kind verlor. Ich brauchte ein paar Minuten, um mich sauber zu machen. Um die Teile von dir und mir wegzuwischen, die auf den Toilettensitz und auf den Boden gespritzt waren.

Zum Gl├╝ck waren die Kinder gerade in der Schule, als es passierte.

Es tut mir leid, dass ich dich nicht kennenlernen durfte, mein Baby.

Ich habe mich immer gefragt, warum die meisten Frauen nicht ├╝ber ihre Fehlgeburt sprechen wollen. Ich hielt das immer f├╝r falsche Scham. Und zum Teil ist es das ja auch. Doch es ist auch noch etwas anderes. Als Mutter trauert man. Und man kann seine Trauer nicht teilen. Ich schaffe es nicht, in das andere Augenpaar zu blicken, das mich von der Seite her zu tr├Âsten versucht. Doch ich f├╝hle diesen Blick auf mir ruhen. Ich wei├č, dass ich verstanden werde.

Das reicht mir.

Ich hatte den ganzen Tag ferngesehen. Riley kam fr├╝her von der Arbeit nach Hause. Er ging mit den M├Ądchen Donuts essen. Ein Freund hatte uns Abendessen vorbeigebracht. An den Sch├╝sseln klebte ein Zettel: "Lasst ja nichts davon ├╝brig." Was f├╝r eine liebe Nachricht.

Wusstest du, dass man nach einer Fehlgeburt sogar noch fruchtbarer ist?

Mehr zum Thema: Wie ich lernte, dass ich nicht Schuld am Tod meines Sohnes bin

Und dass nach einer Fehlgeburt das Risiko nicht steigt, noch eine weitere zu erleiden?

Wusstest du, dass viele Frauen innerhalb von drei Monaten nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden?

Oder dass man sofort wieder versuchen kann, schwanger zu werden, sobald man keine Schwangerschaftshormone mehr im Blut hat?

Wusstest du, dass niemand Schuld an einer Fehlgeburt ist?

Wusstest du, dass ich nicht glaube, dass Embryos bereits eine Seele haben? Meine Trauer gilt also nur einer zarten Hoffnung und nicht der Realit├Ąt, und das macht den Schmerz ein wenig leichter.

Wusstest du, dass man absolut nichts tun kann, um eine einsetzende Fehlgeburt vor der zw├Âlften Woche aufzuhalten?

Ist dir klar, dass Fehlgeburten weniger stigmatisiert w├╝rden, wenn mehr Frauen dar├╝ber sprechen w├╝rden? Wenn sie mehr Unterst├╝tzung erhalten w├╝rden? Und mit Unterst├╝tzung meine ich Zuversicht, Liebe und Verst├Ąndnis.

Wusstest du, dass Zuversicht, Liebe und Verst├Ąndnis helfen?

Wusstest du, dass dein K├Ârper ein wundersames Konstrukt ist und dass auch dieser Embryo ein wundersames Konstrukt war, und dass beide vermutlich gemeinsam festgestellt haben, dass der Embryo nicht h├Ątte ├╝berleben k├Ânnen, weil die Chromosomen Abnormalit├Ąten aufwiesen, die sein ├ťberleben unm├Âglich gemacht h├Ątten?

Das hei├čt, dass eine Fehlgeburt nichts mit einem Fehler zu tun hat, auch wenn der Ausdruck das vermuten l├Ąsst. Stattdessen kam vielmehr alles genau so, wie es kommen sollte.

Heute wei├č ich diese Dinge.

Doch in dieser einen Nacht. In dieser einen Nacht, als ich hinter Riley die Treppen hinaufging, da musste ich mich am Gel├Ąnder festhalten.

Mein Baby. Mein Baby, das am 12. Mai auf die Welt kommen sollte. Mein Baby, von dem die M├Ądchen bereits Bilder gemalt hatten und f├╝r das sie sich beim Abendessen gerne Namen ├╝berlegt hatten. ("Mama, geht das Baby dann mit mir in den Zoo? Wie findest du Hazel?") Mein Baby, das mein letztes Kind sein sollte. Bei dem sich alles so neu anf├╝hlte wie bei meinem ersten Kind. Mein Baby, nicht das Kind, das ich sp├Ąter noch bekommen w├╝rde. Das Kind, das ich nie bekommen werde. Ich konnte sie schon riechen. Ich wusste, wie sie sich anf├╝hlen w├╝rde und ich konnte sie schon sp├╝ren. Ich hatte oft ein flaues Gef├╝hl im Magen wegen ihr und als sie verschwand, war mir schwindlig.

So, mein Baby.

Ich musste innehalten und mir ihren Geruch aus der Nase sch├╝tteln. Ich musste ihre H├Ąnde aus meinen Haaren nehmen.

Auf Wiedersehen, mein Baby.

Riley steht oben an der Treppe und sieht mich an. Er macht sich noch immer Sorgen um mich. Es tut mir leid, dass ich mir gerade keine Sorgen um ihn machen kann.

"Kommst du ins Bett, Meggi? Ist alles in Ordnung?"

Ja. Aber noch nicht ganz.

Dieser Blog erschien urspr├╝nglich auf der Huffington Post USA und bei megconley.com und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen ├╝bersetzt.

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(vr)