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Der Wein-Geheimtipp mit dem hässlichen Etikett

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„Hässlich" ist ein hässliches Wort. Klar, man könnte die Weinflachen vom Winzer Albert Götz aus der Pfalz auch freundlicher umschreiben. Aber dann würde nicht deutlich, wie stark sich Inhalt und Verpackung hier unterscheiden. Denn was in der Flasche drin steckt, ist eine sehr große Überraschung. Und das zu einem wahnwitzig geringen Preis.

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Wein-Konsumenten entscheiden nach Etiketten-Design

Keine große Überraschung ist, dass grundsätzlich das Design des Weinetiketts bei der Kaufentscheidung eine entscheidende Rolle spielt. Viele Winzer geben sich mittlerweile große Mühe, ansprechende Flaschen gestalten zu lassen. Sogar namenhafte Maler haben sich für Etikettenkunst gewinnen lassen: Baselitz, Dalí und Lichtenstein gehören dazu. Die Weine kosten bei Auktionen mittlerweile Tausende Euro.

Zurück zum Weingut Albert Götz, malerisch ist hier vor Allem Landschaft. Das Weingut ist in einer sagenhaften Idylle zwischen Rheinebene und Pfälzerwald gelegen. Wenn die Sonne über den Weinort Kirrweiler scheint, entwickelten sich berauschende Farbspiele auf den Weinreben. Aber warum hat sich all das nicht auf den Weinetiketten wiedergefunden?

Was sagt der Winzer dazu?

Winzer Götz sagt, die Flaschen sehen so seit über 15 Jahren aus. Sein Wein würde doch gut verkauft, besonders „hier in der Südpfalz". Das Weingut ist einfach ein ganz traditioneller Familienbetrieb: drei Generationen schuften hier, sein Vater, er selbst und der „Junior". Alle drei sind urgemütliche Pfälzer. Und im Übrigen sei ihm ja gar nicht bewusst, was an der Flaschengestaltung auszusetzen sei.

Ein Star unter Weinbloggern

Was Winzer Götz auch nicht weiß, unter Weinbloggern ist er mittlerweile umjubelt. Einmal als DER Grillwein der Saison gefeiert, ein andern Mal bei einer Blindverkostung (Jury testet ohne das Etikett zu sehen) als Übersee-Wein vermutet. Außerdem kursiert eine Geschichte, dass ein Weinkritiker die Götz-Flasche nur zum Ablöschen seines Risottos geöffnet hatte. Als sich seine Frau ein Glas von dem Wein genehmigte, musste sie ihren Mann regelrecht zur Verkostung zwingen. Der kam dann gar nicht mehr aus dem Staunen raus.

Drei Weinempfehlungen vom Weingut Albert Götz

Die Weine vom Weingut Götz kosten alle zwischen 4 und 6,25 Euro. Was einfach lächerlich ist, denn die Weine sind wirklich richtig gut und „trinkig". Die Preise kann der Winzer nicht anheben, sonst geht die Stammkundschaft aus der Region auf die Barrikaden.

Folgende Weine sollte man probieren, man kann Sie direkt beim Weingut zu ab-Hof-Preisen bestellen.

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1. Der Sauvignon blanc versprüht einen intensiven Geruch nach Stachel- und Johannisbeeren, der sich auch im Geschmack wiederfindet. Ein toller und leichter Weißwein, den man gut zu Salaten trinken kann. Für 6,25 Euro ab Hof zu kaufen.

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2. Den Gewürztraminer gibt es als Spezialität „lieblich" ausgebaut. Keine Angst vor der Frucht, denn der Wein ist ein saftiger und sehr trinkfreudiger Tropfen. Mit nur 10,5 % Alkohol vergisst man schnell, wie viele Gläser man bereits hatte, ohne unter dem Tisch liegen zu müssen. Für 5,75 Euro ab Hof zu kaufen.

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3. Den Riesling „vom Kalkmergel" trinkt der Chef Albert Götz selbst am liebsten. Mit Recht: Ein sortenytpischer Pfälzer Riesling, trocken und ein vernünftiger Abgang. Der „teuerste" Wein mit 6,25 Euro, einfach lachhaft. Ebenfalls ab Hof.

Der Inhalt zählt!

Die Weine vom Weingut Albert Götz sind richtig gute Alltagsweine, die Potential haben, auch anspruchsvollen Gaumen zu genügen. Winzer Götz sei verziehen, dass das Flaschendesign leider alles andere als preisverdächtig ist. Das hat aber auch sein Gutes: Man nutze den Überraschungseffekt und lege so Weinkenner aufs Eis. Einschenken, trinken lassen und später die Flaschen rausholen. Verblüffte Gesichter sind garantiert.

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