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So extrem hat sich unser Verständnis von Rassismus verändert

13/11/2015 10:31 CET | Aktualisiert 13/11/2016 11:12 CET
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Wir schreiben den November im Jahr 2015. Während das Wetter für diese Jahreszeit ungewöhnlich mild ist, ist die Stimmung in der Bevölkerung erkaltet. Bis zu einer Million Flüchtlinge werden bis Ende des Jahres erwartet.

Neulich gab die Bundesregierung zu, sie wisse gar nicht, wie viele Menschen in den letzten Monaten nach Deutschland gekommen seien. Doch während ein Teil der Bevölkerung sich den geflüchteten Menschen annimmt, bildet sich auf der Gegenseite eine neue Rechte.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder verschiedene Gruppierungen, die durch diverse bürgerlich anmutende Aktionen und Parolen versuchten, die gesellschaftliche Mitte zu erreichen. Allen voran die NPD, die vorgab, eine familienfreundliche Partei mit nationalen Interessen zu sein.

Großteils verliefen die Versuche der Nationalisten, sich im bürgerlichen Gewand zu verkaufen, jedoch schnell im Sand. Nun scheint sich allerdings an der Grundstimmung der Mitte einiges geändert zu haben. Rassistische Ressentiments werden nicht mehr geächtet, nein, vielmehr erntet man schiefe Blicke, sollte man diesen nicht zustimmen.

Anderes Verständnis von Rassismus

Auch das Verständnis von Rassismus generell hat sich stark verändert. Waren vor einigen Jahren noch Witze über Randgruppen großteils verpönt, so sind Witze über Flüchtlinge heutzutage vollkommen in Ordnung. Es wird stark unterschieden zwischen "guten Ausländern" und "bösen Flüchtlingen".

Ob die betreffende Person hierbei wirklich Asyl beantragt hat oder nur aus touristischen oder studentischen Zwecken in Deutschland ist, ist Nebensache. Der Rassismus wendete sich in den letzten Monaten von der Herkunft wieder hin zur Farbe der Haut.

Dabei gibt es viele verschiedene Gründe, warum die gesellschaftliche Mitte immer weiter nach Rechts gerückt ist. Viele Menschen geben der Regierung die Schuld daran. Merkel und Gauck seien Volksverräter und handelten nicht im Sinne des Volkes, heißt es. Also bliebe einem ja gar nichts anderes übrig, als sich von den traditionellen Parteien weg hin nach rechts zu orientieren.

Wieder andere sehen eine große Verschwörung in der Flüchtlingskrise. Diese sei eine von Amerika geplante Invasion, um das weiter erstarkende Europa zu destabilisieren. Ohnehin seien die Amerikaner sowieso schuld an allem Elend auf dieser Welt. Und ein weiterer großer Punkt ist natürlich der Kampfbegriff der Lügenpresse.

Das Problem mit der "Lügenpresse"

Die Systemmedien berichteten sowieso nur einseitig, die Polizei bekäme "von oben" einen Maulkorb und dürfe nicht über die Straftaten von Flüchtlingen berichten. Doch selbst wenn die Polizei dies berichtigt und verneint, lassen sich die Lügenpresseschreier nicht beruhigen. Sei ja schließlich "von oben" angeordnet worden. Lieber wird dubiosen Seiten in sozialen Netzwerken geglaubt, die themenfremde Bilder mit erlogenen Hassbotschaften verbreiten.

Die so schützenswerte deutsche Kultur, die europäischen Werte und das Vertrauen in das Grundgesetz werden gerne schnell über Bord geworfen, wenn wieder einmal auf einem rechten Internetblog Lügen über angeblich kriminelle Flüchtlinge verbreitet werden. Natürlich gibt es auch unter den Flüchtlingen Kriminelle, genauso wie unter den Deutschen.

Jede Bevölkerungsgruppe hat seine schwarzen Schafe. Doch nirgends werden diese so breit getreten wie bei diesem Thema. Wenn vor 70 Jahren nur die wenigsten Deutschen treue Nationalsozialisten waren, so wird eine Schlägerei in einem Asylbewerberheim heute als Anlass dafür genommen, die sofortige Abschiebung aller Flüchtlinge zu fordern.

Man könnte beinahe behaupten, das D in Deutschland stünde für Doppelmoral. Mit der Geschichte des Nationalsozialismus will man sich nicht mehr beschäftigen, PEGIDA hat den "Schuldkult" sogar für beendet erklärt. Aber auf die großen deutschen Dichter und Denker wird man ja wohl noch stolz sein dürfen.

Video: Pegida-Demo in Dresden: Vermummte hindern Demonstranten am Interview mit Journalisten

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