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Beklemmender Augenzeugen-Bericht: So erlebte ich die Katastrophe

14/11/2015 12:57 CET | Aktualisiert 14/11/2016 11:12 CET
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Ich war im Fußballstadion Stade de France, weil ich dort arbeiten sollte. Ich habe Leute in den Farben der französischen Flagge geschminkt, ihnen Lose verkauft und den Weg gezeigt.

Bis 21:15 Uhr war alles normal. Wir haben uns mit dem ganzen Team getroffen, um nochmal alles zu besprechen. Uns wurde gesagt, dass wir danach eigentlich gehen können. Aber dann haben wir plötzlich eine Explosion gehört und dann noch eine zweite.

Die Wände und der Boden im Raum haben gewackelt. Uns wurde gesagt, dass das ein Feuerwerk gewesen sei, um uns keine Angst zu machen. Aber wir haben gefühlt, dass etwas Schreckliches passiert ist.

Wir haben Polizei-Sirenen gehört

Nach fünf bis zehn Minuten haben wir Polizei-Sirenen gehört. Ich habe versucht, mich auf Twitter anzumelden, um Informationen zu bekommen, aber das Netzwerk ist zusammengebrochen. Letztendlich habe ich dann über „iTélé" erfahren, dass es ein Attentat auf Paris gegeben hat. Wir haben alle verstanden, dass die Situation wirklich ernst ist.

Die Fans haben weiter applaudiert. Als das Tor fiel, war das ganze Stadion außer sich vor Freude. Ganz im Gegensatz zu uns. Nach der ersten Explosion durfte niemand mehr das Stadion verlassen.

Dann hat uns jemand erklärt, dass die Eingreiftruppe der Nationalpolizei vor Ort ist. Eine halbe Stunde nach den ersten beiden Explosionen kam es zu einer dritten, sie war genauso stark. Die Menschen im Raum haben versucht über die sozialen Netzwerke Informationen zu erhalten.

Hollande wurde evakuiert

Wir erfuhren, dass Hollande evakuiert wurde. Die Leute fingen an, sich aufzuregen, weil sie eingesperrt waren. Der Raum war groß und die Luft erträglich, aber wir waren etwa zu Hundert und es war warm.

Die Leute fingen an, Unsinn zureden, dass es wer weiß wie viele Attentate in Paris gegeben hätte.

Kurz vor dem Schlusspfiff hat man uns gesagt, dass wir gehen dürfen. Das Stadion war umgeben von Absperrungen. Ich bin unter einer Brücke durchgegangen, um in die Bahn zu steigen. Dort, in 20 Meter Entfernung, sah ich zwei Polizisten, die ihre Waffe auf einen jungen Mann richteten, der behauptete, Journalist zu sein. Die Polizisten schienen das nicht zu glauben. Sie zwangen ihn sich hinzuknien.

Wir gerieten in Panik

Um mich herum gerieten alle allmählich in Panik. Man sagte uns, welchen Weg wir zum Zug nehmen sollten. Einer nach dem anderen. Zusammen mit zwei Freunden rannte ich in Richtung der Bahn. Wir suchten in Bercy bei einem Freund Zuflucht. Ich blieb die ganze Nacht dort.

Dieser Beitrag erschein zuerst auf der HuffPost France und wurde von Sabrina Hoffmann aus dem französischen übersetzt.

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