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Trendmonitor 2017: Snapchat und Instagram sind die neuen Shootingstars unter den Video-Networks

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Online-Video bezeichnete Mark Zuckerberg Anfang 2016 als ÔÇ×Mega-Trend". Die Zahlen geben ihm recht: Nach der ARD/ZDF-Onlinestudie 2016 schauen 86 Prozent der Internetnutzer in Deutschland Online-Videos.

Der Wettbewerb im Bewegtbildmarkt wird sich weiter versch├Ąrfen. Google, Facebook, Amazon, Twitter und Co. ziehen weiter in die Schlacht um Aufmerksamkeit und Werbeums├Ątze, aber am Ende k├Ânnte der Newcomer Snapchat die Nase vorn haben. Entscheiden werden es die Teenager.

Facebook, Amazon, Twitter: Wer greift YouTube am erfolgreichsten an?

Im Sommer 2016 startete Facebook seine Livestreaming-Plattform ÔÇ×Facebook Live". Das erkl├Ąrte Ziel: YouTube und Periscope von Twitter auf dem Bewegtbild-Werbemarkt anzugreifen. Aber ein Gigant kommt selten allein im Internet: Amazon startete Mitte 2016 die Videoplattform Amazon Direct und integrierte seine Live-Gaming-Plattform Twitch. Eine direkte Attacke auf YouTubes lukrative ÔÇ×Let's Play"-Reichweiten.

Auch Twitter positioniert sich neu auf dem Videomarkt und stellte dazu seinen Mini-Videodienst Vine ein. Zuk├╝nftig will man sich st├Ąrker auf die Vermarktung von Live-Videos und tagesaktuellem Geschehen konzentrieren.

Twitter setzt dabei unter anderem auf die eigene Live-Streaming-Plattform Periscope, die k├╝nftig verst├Ąrkt professionelle Inhalte verbreiten soll. Zudem sicherte sich Twitter die Online-├ťbertragungsrechte der Donnerstagsspiele der amerikanischen Footballliga NFL

Trotz des heftigen Konkurrenzkampfes der Gro├čen untereinander bereiten insbesondere neue Player den gro├čen sozialen Netzwerken Kopfschmerzen - allen voran Snapchat. [siehe Grafik]

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Facebook und Co. beneiden Snapchat um junge Nutzer

Der Erfolg von Snapchat kommt nicht ├╝berraschend. Die Foto-App ist schon seit 2013 bei Jugendlichen hoch im Kurs, das Ausma├č des Erfolges beindruckt dennoch: Snapchat war 2016 in den USA bei Teenagern das beliebteste soziale Netzwerk und l├Ąsst Facebook abgeschlagen auf Rang 4 zur├╝ck. (Piperjaffray 2016)

In Deutschland war Snapchat 2016 bei den 10- bis 19-J├Ąhrigen laut JIM-Studie nach WhatsApp mit 95 Prozent und Instagram mit 51 Prozent bereits auf dem dritten Rang mit 45 Prozent der regelm├Ą├čig genutzten Kommunikationsangebote. Facebook erreichte nur noch 43 Prozent.

Kein Wunder also, dass Facebook bereits 2013 versuchte, den Dienst f├╝r damals spektakul├Ąre drei Milliarden Dollar aufzukaufen. Snapchat sagte ab, man f├╝hle sich unterbewertet. Und recht hatten sie: Mittlerweile wird Snapchat auf knapp 20 Milliarden Dollar gesch├Ątzt. Ein B├Ârsengang stehe lt. Branchenangaben kurz bevor.

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Seitdem greift Facebook auf eine alte Regel in der Tech-Branche zur├╝ck: ÔÇ×If you can't buy it, copy it." So wurden viele Funktionen von Snapchat kopiert: selbstl├Âschende Bilder, lustige Gesichtsmaskeraden bis zum Live-Video-Chatting. Fast alles wurde in die Facebook-eigenen Dienste Instagram und WhatsApp integriert.

Facebook ist damit aber nicht allein: Auch Twitter kopierte zuletzt flei├čig. Snapchat selbst antwortet mit einer eigenen Videobrille (die durchaus ein Erfolg werden k├Ânnte) und setzt damit einen st├Ąrkeren Fokus auf das neue Kerngebiet von Facebook - Live-Video und Virtual Reality.

Wem geh├Ârt die Zukunft?

Ob die Copy- oder Buy-Strategien der Netzwerke Erfolg haben, h├Ąngt davon ab, ob gen├╝gend junge Nutzer ├╝berzeugt werden k├Ânnen, ihre sozialen Netzwerke zu wechseln, oder bereit dazu sind, mehrere Netzwerke mit ├Ąhnlichen Funktionen gleichzeitig zu nutzen.

Im schnell wachsenden Online-Videomarkt scheint momentan genug Platz daf├╝r zu sein. Snapchat ist jedenfalls bestens positioniert und hat mit seiner jungen Nutzerbasis eine gute Ausgangslage, den rasanten Wachstumskurs weiter beizubehalten.

Facebook, das langsam zum Netzwerk der ├älteren mutiert, hat sich mit WhatsApp und Instagram ebenso in Stellung gebracht. WhatsApp wie Instagram haben eine weiter steigende junge Nutzerbasis und k├Ânnten es geb├╝ndelt mit Snapchat aufnehmen.

Dennoch steht die Hauptplattform Facebook vor gro├čen Ver├Ąnderungen. Der langfristige Erfolg von Facebook Videos und Facebook Live wird daf├╝r entscheidend sein, wie das Netzwerk in Zukunft besteht, wenn junge Nutzer sich weiter abwenden. Die ├╝berw├Ąltigende Nutzerzahl von 1,8 Milliarden Personen weltweit d├╝rfte Facebook jedoch noch f├╝r einige Zeit den n├Âtigen Spielraum geben.

F├╝r Twitter sieht die Zukunft dagegen weniger rosig aus: Finanzielle Verluste, kombiniert mit einer stagnierenden Nutzerzahl, scheinen das langsame Ende des Netzwerks anzudeuten. ├ťbernahmeger├╝chte machen bereits die Runde. YouTube k├Ânnte der Gewinner dieser Entwicklung sein. An dem Videogiganten f├╝hrt auch 2017 kein Weg vorbei. Ein per B├Ârsengang bestens kapitalisiertes Snapchat wird f├╝r alle zur Herausforderung.

Max Reichert, Consultant Goldmedia

Der Artikel ist Teil des Goldmedia Trendmonitors 2017. Goldmedia gibt im Trendmonitor allj├Ąhrlich in Form von Analysten-Kommentaren einen Ausblick auf relevante Trends in den Bereichen Medien, Internet und Telekommunikation des kommenden Jahres in Deutschland. www.Goldmedia.com

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