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Brexit - eine Riesenchance für Europa

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BREXIT
NIKLAS HALLE'N via Getty Images
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In diesen Tagen werde ich allenthalben auf den möglichen Brexit angesprochen. Der Brexit ist für Europäischen Union eine Riesenchance, ihre falschen und dysfunktionalen Strukturen der EU zu reformieren.

Ein Kerneuropa, wie von Wolfgang Schäuble 1994, vorschlagen und von Helmut Kohl abgelehnt, hätte viele Vorteile. Der Rest der EU könnte endlich enger zusammenwachsen. Auch Deutschland Position würde gestärkt.

Großbritannien hat sich aufgrund seiner lange stolzen kolonialen Tradition nie wirklich als Teil Europas gesehen, sonder eher als Richter über das Schicksal Europas („Balance of Power").Großbritannien hat eine sehr eigene Identität, und viele Entscheidungsprozesse behindert. Immer wieder hat Großbritannien Sonderregelungen verlangt. Bis heute gehört England nicht zur Eurozone, aber Englisch die Haupt-Amtssprache der EU. Diese Trittbrettfahrerei könnte nach einem Brexit aufhören. Zum Nutzen aller.

Ein Brexit wäre gut für Deutschlands Finanzmarkt

In den vergangenen 20 Jahren ist Frankfurt zu einem Finanzplatz zweiter Klasse geworden. Ein Brexit würde gerade für den Finanzmarkt Deutschland sehr positiv sein. Wenn einmal eine Entscheidung gefallen ist, kann diese sicher innerhalb von 2 Jahren weitgehend umgesetzt werden Die tatsächlichen ökonomischen Verflechtungen außerhalb des Finanzsektors sind nicht so gravierend.

Allerdings könnte die Unsicherheit die Börsenkurse stark unter Druck setzten. England könnte sich gezwungen sehen, die Zinsen heraufzusetzen. Das wiederum würde in der jetzigen angespannten Weltlage zu Insolvenzen von Staaten und Unternehmen führen. Es könnte sich die nächste Finanzkrise entwickeln.

Ein Glücksfall für die EU

Dennoch: der Brexit wäre ein Glücksfall für die Europäische Union und würde deren politische Weiterentwicklung wesentlich beschleunigen. Er wird - leider - nicht kommen. Die Medienmacht und die Finanzeliten stehen hinter der EU in ihrer jetzigen Form.

Bereits im Falle des Referendums zur schottischen Unabhängigkeit schrieben 16 von 17 schottischen Tageszeitungen gegen die Unabhängigkeit und gegen das eigene Volk, denn im Zweifel steht man den großen Werbekunden näher.

Bezahlte Regierungswerber zogen von Haustür zu Haustür, um alten Menschen einzureden, dass sie ihre Pensionen verlieren, wenn sie für die schottische Unabhängigkeit stimmen. Bei der Frage des Brexit sind die Kräfteverhältnisse ähnlich. Er wird daher ein schöner Traum bleiben.

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