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Ein Herz für Klaus - was wir für Obdachlose tun können

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Viele Monate lang suchte der Blogger und ehemalige Obdachlose Max Bryan einen Ort zur Aufstellung eines Wohncontainers für seinen immer noch Obdachlosen Kumpel Klaus, um den 61-Jährigen beim Überwintern zu helfen.

Doch die Suche nach einem geeigneten Stellplatz erwies sich als schwierig. Was der 41-Jährige während seiner Suche erlebte und wie die Geschichte am Ende ausging - erfahrt Ihr in diesem Bericht.

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Meine erste Begegnung mit Klaus werde ich nie vergessen. Ich stand auf der Rolltreppe und jemand hinter mir fragte: "Haben wir die selben Wege?" Ich drehte mich um und sah den Mann an. Mit der Frage meinte er natürlich nicht, ob wir tatsächlich den gleichen Weg hatten. Sondern, ob wir dasselbe Schicksal teilen. Denn: Wir waren beide obdachlos.

Klaus' einfühlsame und weise Art hat mich sofort beeindruckt. Wir haben uns viel über unser Leben ausgetauscht und es entstand eine Art Straßen-Freundschaft. Er war mein Leidensgenosse und Weggefährte.

Damals - 2010 - war ich selbst schon viele Monate auf Wohnungssuche. Keine leichte Angelegenheit in Hamburg. Ich lief von Wohnungsbesichtigung zu Wohnungsbesichtigung. Ohne Erfolg. Ich wurde mit Sätzen wie "Wir rufen Sie an, wenn es für Sie geklappt hat" vertröstet. Doch dieser Anruf kam nie und so lebte ich auf der Straße - wie viele Andere auch.

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Viele Stellen sind bemüht zu helfen, doch wenn es konkret wird, finden sie etliche Gründe, warum sie doch nicht helfen können. Meist bleiben dann nur die Notunterkünfte der Stadt und dort lebt man auf sehr engen Raum mit fremden Menschen zusammen und die Furcht vor Übergriffen ist groß. Es gibt Schlägereien und Sachen werden geklaut.

Das war nichts für mich und so suchte ich mir eine "Platte" - also einen Schlafplatz im Freien, wie wir Obdachlosen das nennen. Erst schlief ich im Schanzenviertel, doch dann kamen die Maikrawalle und ich wurde vertrieben, musste mir was Neues suchen. Ich bekam den Tipp, es im Hafen zu versuchen und fand dann eine Sitzbank, die lange Zeit mein Zuhause wurde.

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Mit dem Fahrrad Richtung Süden

Nach 18 Monaten hatte ich die Nase dann voll. Auf einer Demo gegen den Hamburger Mietenwahnsinn sprach ich zu 6000 Menschen und verließ die Stadt anschließend mit dem Fahrrad Richtung Süden. "Ich steige nicht eher aus dem Sattel, bis ich eine Wohnung habe", sagte ich meinen Kumpels zum Abschied.

Ich fuhr 1000 Kilometer - 4 Monate - und lange Zeit war unterwegs niemand bereit, mir eine Chance zu geben. Ich traf nette und nicht so nette Menschen. Die Liebsten aber in Minden, wo ich auch länger blieb, eine Wohnung war dennoch nicht dabei. "Wenn es für Sie geklappt hat, rufen wir Sie an" - hieß es auch dort und wieder ging ich leer aus.

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Am Ende landete ich dort, wo ich vor 20 Jahren weg ging - in meiner alten Heimat Bad Nauheim. Als junger Mensch machte ich dort eine Ausbildung im Reisebüro. Die Hoffnung, meinen alten Chef dort zu finden, war groß. Doch das Reisebüro gab es nicht mehr. Alles kaputt und nur noch eine Baustelle.

Mehr zum Thema: Die Stadt Hamburg wollte Obdachlose vertreiben - doch dann folgte Aufstand von unerwarteter Seite

Ich ließ mich dann am Sprudel nieder, einer historischen Brunnenanlage und der meines Erachtens einzig gute Schlafplatz der Stadt. Eine Frau sprach mich an: "Ich habe ein Gästezimmer für dich", sagte sie.

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Es war das erste Mal - nach fast zwei Jahren - dass ich ein solches Angebot bekam. Dieser Moment veränderte mein Leben. Erst wohnte ich drei Wochen bei ihr, dann half sie mir, eine Wohnung zu finden. Sie legte ein gutes Wort für mich ein und ich konnte auf einen wunderschönen Hof ziehen. Dort lebe ich heute noch und betätige mich unter anderem als Chronist eines riesigen Anwesens aus dem 16. Jahrhundert.

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Von Zeit zu Zeit kehre ich nach Hamburg zurück - wie auch jetzt - wo ich Klaus helfe - denn ich habe Klaus nie vergessen. Unsere räumliche Trennung änderte nichts an den Bildern der Vergangenheit und so kam ich auf die Idee ein paar Spenden zu sammeln, damit Klaus wenigstens im Winter ein Dach über dem Kopf hat.

Vielleicht auch ein Anfang zur Veränderung. Meine Erfahrung zeigt ja, dass eine kleine Entscheidung - eine kleine Chance - ein ganzes Leben verändern kann. Deshalb sage ich auch heute: Werdet Chancengeber! Für die Hoffnung auch der Anderen!

Klaus helfen

Im Juni letzten Jahres gründete ich eine kleine Bürgerinitiative - "Hilfe für Hamburger Obdachlose" - um etwas zurück zu geben - von dem - was ich bekam. Heute habe ich die Möglichkeiten dazu, denn ich kann eine große Facebook-Gemeinde fragen, ob sie Klaus mit unterstützen mag.

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Schnell kamen über 5000 Euro zusammen. Von dem Geld habe ich Klaus einen beheizten Wohncontainer organisiert, doch als es um die Aufstellung des Containers ging, wurde es schwierig. Trotz intensivster Suche nach einem Stellplatz erhielt ich nur Absagen. Wir hatten zwar das Geld und den Container - aber wir bekamen keinen Stellplatz.

Mehr zum Thema: Übergriffe auf Obdachlose gehören zum Alltag

Zum Beispiel fragte ich die Hamburg Messe - die allein schon über 10.000 Quadratmeter Freifläche verfügen - ob auf dem riesigen Gelände irgendwo sechs Quadratmeter Platz wären, um den Winter über einen Wohncontainer für einen Hamburger Obdachlosen aufzustellen. Aber nix da - keine Chance! Die Flächen seien zu stark frequentiert.

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Dasselbe Dilemma am Hamburger Fischmarkt. Auch dort eine riesige Fläche, die den ganzen Winter leer steht. Als Absage bekam ich dann nur: "Wir können das nicht machen, weil mit der Zusage ein Präzedenzfall schaffen würden, auf den sich Andere berufen könnten".

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250 Pastoren angeschrieben

Am meisten aber haben mich die Kirchen enttäuscht. Ich habe 250 Pastoren angeschrieben und sie um Hilfe gebeten. Nur 50 meldeten sich zurück. Entweder hatten sie keinen Platz oder bekamen keine Baugenehmigung von der Stadt. Andere wiederum hatten seltsame Ausreden, zum Beispiel, dass es aus technischen Gründen nicht klappen würde.

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Auch Hamburgs Hauptpastor Alexander Röder war darunter. Wir kennen uns schon ein paar Jahre und auch er hat mich am Ende schwer enttäuscht. Erst lud er mich ein - dann sagte er ab, weil ein 16-köpfiges Gremium sich angeblich dagegen entschieden hätte. Am Ende stellte ich heraus, dass er selbst auch nicht wollte, obwohl er zuvor noch groß in die Kamera tönte, wie wichtig es sei, Obdachlosen zu helfen.

Zitat daraus: "Den Willen zu entwickeln - diese Menschen von der Straße zu bekommen - und ein Obdach wenigstens für die Nacht anzubieten - finde ich - ist etwas - was wir aus unserer christlichen Verantwortung heraus unterstützen müssen" - sagt der Mann, dessen Gremium sich am Ende gegen die Unterbringung von Klaus auf dem freien Platz bei St. Michaelis entschieden hat. Ein trauriges Beispiel für Scheinheiligkeit und Heuchelei der Kirchen - wie ich finde.

Wir sind zu klein

Unrühmlich auch die Absage einer freikirchliche Christusgemeinde aus Hamburg Bramfeld. Dortiger Kirchenvorsteher Sven Godau hielt es wochenlang nicht mal für nötig zurück zu rufen.

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Als ich ihn dann nach unzähligen Anrufversuchen doch noch an die Strippe bekam, sagte er nur: "Ich antworte nicht jedem" - und fügte hinzu, dass wir "zu klein" seien und er nur mit großen Organisationen wie der Diakonie zusammen arbeite.

Platz wäre also gewesen - aber in dem Fall scheiterte es an unser Größe - wir seien ihm schlicht zu klein für das Vorhaben. Das war schon hart - so etwas zu hören. Nach all den Mühen, die offenbar nicht gut genug sind für so manchen Kirchenvorsteher.

Unzählige Versuche - 1000 Seiten Protokoll

Ein Hamburger Radiosender brachte es dann schließlich auf den Punkt: "755 Quadrat-Kilometer groß ist unser hübsches Hamburg - genug Platz gäbe es also". Aber 6x2 Quadratmeter für einen Obdachlosen-Container - die waren dann einfach nicht drin.

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Es war sehr frustrierend all die Absagen zu hören und zu lesen. Fast 1000 Seiten lang ist mein Schriftverkehr mit den Menschen aus vier Monaten Stellplatzsuche. Ein trauriges Beispiel, dass so gar niemand helfen wollte - bis zu jenem Tag - als Hamburg Wasser sich bereit erklärte, den Container bei sich aufzustellen.

Durchbruch mit "Hamburg Wasser"

E-Mail Nummer 674 brachte den lang ersehnten Erfolg. Die in Hamburg sehr beliebte Szene-Bar "Strand Pauli" empfahl mir "Hamburg Wasser" - ein Trinkwasser-Unternehmen, die einen Parkplatz vor Strand Pauli gemietet hatten und tatsächlich, schon beim 1. Treffen war klar, dass sie es machen würden. Nur der Grundstückseigentümer müsse noch zustimmen - was gar nicht so leicht war. Aber auch das hatten wir geschafft und überwunden.

Niemals aufgeben

Inzwischen ist der Container am Strom angeschlossen und ein Dixi-Klo wurde aufgestellt.

Seit Ende Februar kann Klaus drin wohnen und wieder einmal habe ich gelernt, dass es sich lohnt für sein Glück zu kämpfen. Hätte ich nicht darum gekämpft, wäre es nie dazu gekommen und manchmal kann es helfen auch zwei oder drei Briefe mehr zu schreiben.

Also bloß nicht aufgeben, wenn die erste Absage kommt. Meist sitzt im selben Haus noch eine andere Person, die vielleicht mehr Verständnis für das Anliegen entwickelt - weshalb ein zweites und drittes Nachfragen durchaus Sinn macht - sofern es gute Gründe dafür gibt und die gab es. Einen Obdachlosen unterzubringen ist immer eine gute Sache!

Mut machen

Schon ab April sammle ich wieder Spenden. Denn aus "Ein Herz für Klaus" soll "Ein
Haus für Klaus" werden. Klaus wird etwas bekommen, das er nie wieder verliert, was ihm für immer auch gehört. Was genau das sein wird - dazu später mehr.

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Für den Moment freue ich mich nur über das Erreichte und auch das Symbol darin. Denn würde jeder, der kann, auch nur einen einzigen Wohncontainer bei sich aufstellen, gäbe es viel weniger Obdachlose auf den Straßen dieser Stadt und dieses Landes. Ein Ziel, für das es sich weiterhin zu kämpfen lohnt.

Max Bryan
15. März 2017

Redaktion: Katharina Pichler

Fotos: Facebook / Max Bryan

www.maxbryan.de

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