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Warum ich aufgehört habe, im Urlaub Fotos zu machen (und ihr es auch tun solltet)

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Ich bin gerade von einem unvergesslichen einwöchigen Urlaub in Spanien zurückgekommen. Ich kann es kaum erwarten, mich an den PC zu setzen und alles für euch aufzuschreiben!

Ich habe noch nie so wenige Fotos wie im letzten Urlaub gemacht. Und das war ein richtig gutes Gefühl!

Schon deshalb, weil ich mich nicht um die Übertragung der Fotos auf meinen PC kümmern muss, sie nicht sortieren oder in Ordner speichern muss.

(Das mache ich in Wirklichkeit sowieso selten, was auch erklärt, warum der Speicher meines Handys in diesem Moment fast voll ist. Denn auch wenn ich die Fotos übertrage, habe ich immer Angst, sie von meinem PC zu verlieren und ich behalte sie deswegen immer doppelt. Ein bisschen dumm, ich weiß. Außerdem brauche ich die Fotos immer auf dem Handy, um meine Erzählungen vom Urlaub mit Bildern zu untermalen.)

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Man merkt schon, das Ganze geht mit Kopfzerbrechen, dämlichen Ängsten und guter Organisation einher.

Ich werde die Fotos eh nie wieder anschauen

Das ist jedoch nicht der wichtigste Grund, warum ich bewusst beschlossen habe, in meinem Urlaub weniger Fotos (und auch Videos) als gewohnt aufzunehmen.

Denn während ich hektisch zu meinem Handy griff, um wie gewohnt schnell Fotos zu machen, wurde mir klar, dass mich in dem Moment zwei Gründe dazu bewegten, den Augenblick festzuhalten:

  • Dass ich um jeden Preis eine Erinnerung dessen, was sich vor meinen Augen abspielt, haben muss, als ob mein Gehirn nicht imstande wäre, dieses Bild festzuhalten.
  • Dass ich anderen zeigen möchte, dass ich gerade etwas ganz Besonderes erlebe.

In beiden Fällen machte ich Fotos, die ich mit hoher Wahrscheinlichkeit nie wieder anschauen werde und die wie alle Fotos auf dem Handy oder meinem PC ein trauriges Dasein fristen. Du kannst ruhig zugeben, dass es bei Dir genauso ist!

In beiden Fällen lebte ich nicht den gegenwärtigen Augenblick. Und ich war weit von einem positiven Empfinden meines Körpers und dem Einklang mit meinem Geist entfernt.

Die Gegenwart muss an erster Stelle stehen

Und plötzlich wurde mir klar, dass ich wie alle Menschen bin, die im Kino oder im Restaurant mit ihren Freunden ständig auf ihr Handy starren und dabei die Realität, die sich vor ihren Augen abspielt, verpassen. Vielleicht gehörst Du auch dazu?

(Zugegebenermaßen bin ich schon immer der größte Technik-Freak gewesen. Aber das gegenwärtig Erlebte steht für mich IMMER an erster Stelle.)

Oder, sogar schlimmer, wie alle diejenigen, die auf einem Konzert zum Handy greifen, wenn ihr Lieblingssong kommt. Ich habe es ein paar Mal auch gemacht und es jedes Mal bereut. Es verdarb mir komplett den Augenblick, den ich gerade erlebte.

Meine Gefühle wurden von technischen Erwägungen unterbrochen: Ich hole schnell mein Handy aus meiner Tasche, ich öffne die Kamera oder Snapchat, ich wähle die Einstellung "Video" aus, ich warte den passenden Moment ab, ich versuche, im Dunkeln einen guten Bildausschnitt zu treffen und schicke das Video ganz schnell an meine Freunde ...

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Kurz gesagt, ich habe die Hälfte des Lieblingssongs, den dieser geniale Künstler gerade vor meinen Augen live performt hat, (was wahrscheinlich nur ein Mal in meinem Leben passieren wird) schon verpasst. Der magische Moment ist währenddessen vorüber.

Den Augenblick genießen sieht anders aus

Das lag einerseits immer daran, dass ich versucht habe, die Erinnerung an diesen Moment festzuhalten (wozu eigentlich, zumal ich den Moment nicht mal ausgekostet habe? Und außerdem werde ich mir die Aufnahme wahrscheinlich nie wieder anschauen).

Andererseits lag es daran, dass ich den Moment mit anderen teilen wollte (was auf jeden Fall nicht das Wahre ist, weil sie ja nicht anwesend waren. Außerdem ist es ihnen in Wahrheit vielleicht auch egal). Oder ich wollte einfach vor meinen Freunden angeben (allerdings hätte ich ihnen auch danach bildlich erzählen können, was ich Tolles erlebt habe).

Das ergibt doch alles keinen Sinn.

Ich habe mich darauf besonnen, dass meine Suche nach dem Jetzt darin besteht, in der Gegenwart zu leben und den Augenblick zu genießen. Schade, dass ich noch keine Kolumne darüber geschrieben habe, das kommt noch ...

Also habe ich in meinem Urlaub (selten) mein Handy rausgeholt, als wir mit dem Boot rausgefahren sind, um Delfine zu beobachten. Ich habe das Spektakel, das sich vor meinen Augen abgespielt hat, in vollen Zügen genossen und mich der Aufregung und Überraschung wie ein kleines Kind hingegeben.

Weniger Fotos und dafür welche, die einem wirklich etwas bedeuten

Ich habe mich zurückgehalten, um nicht alle Teller mit den Tapas vor dem Essen zu fotografieren und damit den natürlichen Ablauf des Essens und der laufenden Gespräche zu stören und zog es vor, das Essen zu genießen, wobei ich dabei den Geschmack in meiner Erinnerung behalten habe.

Ich habe die Flamenco-Aufführung in einem antiken römischen Theater mit Meerblick unter dem Sternenhimmel genossen und erst DANACH ein einziges Foto gemacht. Kein Foto und kein Video währenddessen. Das Erlebte behalte ich in meiner Erinnerung, und die unglaublichen Gefühle haben sich eingeprägt.

Unglaublich, wie gut ich alles verkaufen kann, ohne auch nur ein einziges Foto zu zeigen, oder?

Ich gebe es aber zu, ich habe in der Überschrift gelogen. Denn ich mache weiterhin Erinnerungsfotos. Auf Reisen, im Alltag mit Menschen, die mir was bedeuten, oder bei besonderen Anlässen.

Aber AUSSCHLIESSLICH solche Fotos, die einer besonderen Inspiration entspringen. Also solche, bei denen ich eine originelle Idee habe oder denke, dass es DER Augenblick ist - ohne dass dies jedoch den gegenwärtigen Augenblick in den Hintergrund rücken lässt.

Da fallen mir bestimmte unglaubliche und originelle Fotos ein, die ich von Landschaften oder Menschen, die mir nahestehen, gemacht habe. Alle entstanden aus einem Impuls tiefer Inspiration und unterlagen keinem Zwang.

Keine 1000 Selfies mit Duck Face

Das entspricht dem, was ich seit meinen Anfängen als "Schöpferin des Glücks" wiederhole: Es ist wichtig, wunderbare Erinnerungen im Kopf zu behalten, und es ist noch wichtiger, sie in materieller Form festzuhalten.

Ich empfehle sogar in meinem Programm "Glücklicher in 30 Tagen", die besten fotografischen Erinnerungen auszuwählen und gut sichtbar zu platzieren, ob zu Hause oder im Büro.

Diese wunderbaren Fotos, die einen lächeln lassen, einen sofort in das glückliche Gefühl hineinversetzen, das man allein oder in Begleitung erlebt hat. Mit denen man den außergewöhnlichen Moment erlebt, in dem man glücklich war: DAS sind die GUTEN Fotos, die einen Sinn haben. Und nicht die 15000 Selfies mit Duck Face.

Meine Tipps, um in jeder Lebenslage gute Fotos zu machen, sind die folgenden:

1. Der gegenwärtige Augenblick ist das Wichtigste. Immer.
2. Nur dann ein Foto machen, wenn es durch eine geniale Idee inspiriert wird (ich erinnere mich an einmalige Foto-Sessions mit Freunden am Strand, die magische Erinnerungen herauf beschwören) oder denen der Wunsch zugrunde liegt, FÜR SICH eine Erinnerung an den erlebten Moment zu behalten.
3. Die besten Fotos auswählen, die diese positiven Gefühle aufleben lassen und sie in die alltägliche Umgebung einbauen (einrahmen, als Hintergrund oder Bildschirmschoner auf dem PC nutzen usw.)

Und hier ist ein Beispielbild von mir auf einer Sanddüne an einem wunderschönen Strand, während ich die einmalige Landschaft, die sich vor mir erstreckt, mit meinen Augen bewusst wahrnehme.

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Was ist mir Dir? Bist auch Du bereit, eher den gegenwärtigen Augenblick intensiver zu erleben als um jeden Preis alle Erlebnisse festhalten zu wollen? Schreib es mir in einem Kommentar!

Bis zum nächsten Mal,

Maude alias Maudus - Schöpferin des Glücks. Glücklich über die Erinnerungen, die sich in ihrem Kopf eingebrannt haben. Wenn Du keinen meiner inspirierenden Artikel verpassen möchtest (denn Facebook ist super, nutzt jedoch Algorithmen, die dazu führen, dass Du nicht alle meine Veröffentlichungen sehen kannst, obwohl Du meine Seite geliked hast), kannst Du hier meinen Newsletter abonnieren, der direkt in Deinen Briefkasten komm. Bis bald!

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Von Maude Frieh

Dieser Artikel ist ursprünglich bei der HuffPost Frankreich erschienen und wurde von Dr. Sirmula Halkiopoulou aus dem Französischen übersetzt.

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(lk)