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Der Crash ist vorprogrammiert - dass er kommt, ist keine dunkle Prophetie

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CRASH IST DIE LOESUNG
Der Crash ist vorprogrammiert - dass er kommt, ist keine dunkle Prophetie | Thinkstock
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Seit Herbst 2008 sind Krisen unsere ständigen Begleiter: die Immobilienkrise, die Lehman-Krise, die Finanz- und die Bankenkrise, die Staatsschuldenkrise, die Eurokrise. Krisen und Pleitegefahren in Irland, Griechenland, Spanien, Zypern, Italien. Keine dieser Krisen wurde jemals gelöst. Ganz im Gegenteil. Sobald ein Brandherd gelöscht ist, flammt an anderer Stelle ein neues, noch stärkeres Feuer auf. Trotz gigantischer Anstrengungen wird die Halbwertszeit der geschnürten Rettungspakete immer kürzer, kommen die Einschläge immer näher, werden die sogenannten Rettungspakete immer teurer und vor allem immer fragwürdiger.

Schon jetzt ist diese in der Geschichte einmalige und scheinbar unendliche Rettungsorgie eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lug und Betrug. Eigentümer und Einleger von Pleitebanken müssen deren waghalsige Risiken tragen? Ach was! Es muss nur einer der Verantwortlichen »systemrelevant« rufen, und schon zahlen wir alle - als Steuerzahler - die Zeche. Kein Schuldentransfer zwischen Euro-Staaten? Längst ist diese Regel das Papier nicht mehr wert, auf dem sie formuliert wurde. Die Europäische Zentralbank als unabhängige Währungshüterin?

Inzwischen ist sie zu einer Finanzagentur für Staatsanleihen mutiert. 2009 jagte eine Krisenkonferenz die andere. Nach jeder wurde uns erzählt, dass Banken, Investmenttrusts oder Hedgefonds jetzt aber wirklich an die Kette gelegt würden.

Dass Banken deutlich mehr Eigenkapital zur Absicherung ihrer Risiken bilden müssten. Dass Schluss sei mit den Fantasie-Boni für Finanzmanager. Und was ist tatsächlich passiert? So gut wie nichts!

Viele Banken verdienen wieder besser als vor der Krise. Die ohnehin laschen Ziele bei der Erhöhung der Eigenkapitalquoten wurden bis ins Jahr 2019 gestreckt. Dafür schütten selbst Institute mit bescheidenen Gewinnen schon jetzt wieder fette Prämien an ihre Topleute aus.

Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 und besonders seit Sommer 2012 hat die Politik, Hand in Hand mit der Finanzbranche und den Notenbanken, lediglich die Symptome der Krankheit bekämpft. Die wahren Ursachen der Krise wurden nicht in Angriff genommen.

Damit wurde vor allem eines enorm beschleunigt: die volkswirtschaftliche Schadensmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit - und der Demokratie. Lange Zeit Unvorstellbares wird seither getan, um Zeit zu gewinnen und die ungelöste Dauerkrise weiter in die Zukunft zu verschieben. Unternehmen und Banken werden verstaatlicht, Bürger, Aktionäre und Sparer enteignet. Obendrein werden am laufenden Band und von oberster Stelle geltende Gesetze gebrochen, um das kaputte System künstlich am Leben zu erhalten. Dabei ist der Patient Finanzsystem eigentlich klinisch tot.

Bedauerlicherweise ist vieles von dem, was wir in unserem ersten Buch „Der größte Raubzug der Geschichte Anfang 2012" vorhergesagt haben, bereits mit einer Dynamik eingetroffen, die selbst uns überrascht. Wir erleben gegenwärtig nicht nur in einigen Staaten die größte Insolvenzverschleppung in der Geschichte der Menschheit, sondern auch das größte politische Währungs- und Notenbankexperiment.

Nie zuvor war mehr Geld im System als heute. Die Bilanzen der Notenbanken haben historische Dimensionen angenommen. Und der Euro ist in Wahrheit längst gescheitert. Denn Geld, das man retten muss, ist kein Geld! Die volkswirtschaftlichen Zahlen untermauern deutlich: Der Euro zerstört Europa und vernichtet unseren Wohlstand!

Die EU mag aus historischer Perspektive ja ein ganz respektabler Friedensnobelpreisträger sein. Aber vielen Ländern Europas beschert der Euro eine Rekordarbeitslosigkeit. In Ländern wie Spanien und Griechenland findet inzwischen jeder Zweite unter 25 keine Arbeit mehr. Erwachsene Menschen, ja ganze Familien mit Kindern müssen wieder zu ihren Eltern ziehen - oder ihr Land verlassen. Da wird eine komplette Generation verbrannt, um ein gescheitertes, politisch motiviertes Währungsexperiment am Leben zu erhalten.

So verschieden die ökonomischen Hintergründe im Einzelnen sein mögen - Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und die USA sind de facto bankrott. Wir gehen sogar noch weiter: Wir zählen auch Italien, Frankreich und die Niederlande zu den Pleitekandidaten.

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Einzig die Verursacher all dieser Krisen in der Finanzbranche mussten bislang kaum Federn lassen. Großbanken und andere milliardenschwere Kapitalsammelstellen präsentieren sich ungebrochen als alternativlos für die Weltwirtschaft. Es ist wie beim Kinomonster Godzilla: Size does matter. Die Herren der Finanzwelt glauben nach wie vor, sich über die Gesetze stellen zu können. Ungerührt bitten sie den Steuerzahler zur Kasse und treten jegliche Art von Gesetzen, Normen und Werten mit Füßen, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Denn während die Politik im Schneckentempo an vermeintlich schärferen Regeln der Bankenaufsicht laboriert, tun sich immer neue Skandale um Manipulationen, kriminelle Machenschaften und Betrug auf.

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Finanzbranche wird dabei immer weiter demontiert. Dass ihr Ansehen nur noch knapp oberhalb von dem krimineller Drogenkartelle rangiert, ist vielen Finanzmanagern natürlich schmerzlich bewusst. Und den Klügeren unter ihnen ist auch durchaus klar, dass ihr System ungebremster Renditespekulation nicht mehr lange funktionieren kann. Deshalb ist unser Buch auch ein Appell an die Verantwortungsträger der Geldbranche und Politik: Nichts ist alternativlos, schon gar nicht unser jetziges Finanzsystem. Es gibt immer Alternativen!

Was wir brauchen, ist eine Reform des Bank- und Finanzwesens an Haupt und Gliedern. Eine Neuausrichtung an einer nachhaltigen, menschenorientierten Unternehmensphilosophie. Wir alle müssen den Banken und Versicherungen die Hand reichen und sie wieder in die Gesellschaft integrieren. Mit spürbarem gesellschaftlichem Druck lassen sie sich auf den Pfad wenn nicht der Tugend, so doch immerhin den der ökonomischen Vernunft zurückführen.

Das sinnlose Spiel auf Zeit

Fakt ist: Es gibt keine Heilung und keine Lösung innerhalb des bestehenden Systems. Gäbe es diese Lösung, die Politik hätte sie uns schon längst stolz und lautstark präsentiert. Zudem fehlen bei den Verantwortlichen anscheinend der Wille und der Mut, den Status quo aufzugeben und einen wirklich nachhaltigen Wandel zum Besseren herbeizuführen. Stattdessen wird unverdrossen an den Symptomen herumgedoktert und zu Lasten von uns Bürgern auf Zeit gespielt.

Wir alle wissen, dass es zum Beispiel im Fußball durchaus sinnvoll sein kann, auf Zeit zu spielen. Das sieht zwar selten schön aus, aber man kann so sein Ergebnis halten. Schließlich wird das Spiel nach 90 Minuten abgepfiffen. Doch im globalen Finanzkrisenspiel gibt es für die meisten längst nichts mehr zu gewinnen. Es wird auch nicht abgepfiffen. Irgendwann wird abgerechnet. Und wenn diese unvermeidliche Abrechnung kommt, dann werden alle bisherigen Krisen seit 2008 nur wie ein winziger Vorgeschmack wirken. Im Vergleich mit dem endgültigen Kollaps des Finanzsystems waren die Lehman-Pleite, die Eurokrise und selbst der Absturz der griechischen Wirtschaft eher ein Kindergeburtstag.

Der Crash wird kommen. Wir sind keine Hellseher, sondern Ökonomen. Daher wissen wir nicht, wann er kommt und wie viele Krisen in welchen Teilsystemen des Finanzsystems ihm noch vorausgehen werden. Aber dass er kommt, ist keine dunkle Prophetie.

Der finale Kollaps ist eine logische Konsequenz unbestreitbarer wirtschaftlicher Grundregeln. Was wir momentan erleben, wird in die Geschichtsbücher eingehen. Noch nie war mehr ungedecktes Geld im System wie derzeit. Noch nie wurden die Bilanzen der Notenbanken stärker aufgebläht, und noch nie waren die Zinsen so niedrig. Wir alle wissen, dass man einen Ballon nicht ewig aufblasen kann. Irgendwann muss entweder Luft herausgelassen werden - oder der Ballon platzt. Unsere gut begründete Vermutung ist, dass es zum Luftablassen längst zu spät ist.

[...]

Schon in „Der größte Raubzug der Geschichte" haben wir beschrieben, dass alle ungedeckten Papiergeldsysteme, aber auch alle Währungsunionen der Vergangenheit ausnahmslos gescheitert sind. Geld ohne realwirtschaftlichen Bezug ist immer wertlos, mögen noch so viele zunächst an dessen Wert glauben. Solche Systeme zeichnen sich nämlich durch den Glauben an ein unbegrenztes, exponentielles Wachstum aus.

Wir leben aber in einem geschlossenen System mit endlichen Ressourcen. Es gibt kein ewiges Wachstum. Den Glauben daran müssen wir endlich ad acta legen. Wir Menschen können uns vielleicht die Natur bis zu einem gewissen Grade untertan machen.

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Das ist ein gekürzter Auszug aus:
Matthias Weik & Marc Friedrich: Der Crash ist die Lösung. Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten. Eichborn, 2014. Hardcover, 381 Seiten, ISBN: 978-3-8479-0554-7.