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Wir fürchten wohl nicht zu Unrecht um die Freiheit der Kunst

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myshkovsky via Getty Images
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Noch vor wenigen Jahren haben viele Kunst- und Kulturschaffende geradezu resigniert konstatiert: anything goes. Kunst, die provoziert, schien sich in einer liberalen Gesellschaft zu verflüssigen. Tabubrüche wurden als künstlerische Mittel eingesetzt, nicht selten zum Selbstzweck. Und nun fürchten wir wohl nicht zu Unrecht um die Freiheit der Kunst.

Jede Form der Demagogie darf von Kunst- und Kulturschaffenden nicht ignoriert werden. Zugleich gilt es, genau zu unterscheiden: Wird Kritik an der Kunst geübt, entzündet sich eine Diskussion, die das Potential einer Begegnung unterschiedlicher Anschauungen in sich trägt?

Kunst ermöglicht Selbsterfahrung und Selbsterkenntnisse

Oder werden Kunst und Kultur und deren Protagonisten zur bloßen Zielscheibe hemmungsloser Wut und demonstrativer Kommunikationsverweigerung wie jüngst wieder auf dem Dresdner Neumarkt?

Kunst trägt ein bemerkenswertes Potential in sich: einerseits ermöglicht sie eine immense Identifikationsmöglichkeit - und damit auch ihren Missbrauch und ihre Indienstnahme für Nationalismus, Diktatur und Rassismus.

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Das hat uns die Geschichte nachdrücklich gelehrt. Andererseits eröffnet Kunst eine unvergleichliche Möglichkeit des Zugangs zur Welt. Sie ermöglicht Selbsterfahrung und Selbsterkenntnisse und ist damit eines der wichtigsten Instrumente der Bildung, der im Schwinden begriffenen wichtigsten Kraftreserve der freiheitlichen Gesellschaft.

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Hintergrund aktueller Übergriffe auf Kunst und Kultur sind gesellschaftliche Umbrüche und nicht Debatten um Inhalte oder Formen künstlerischer Arbeit. Wir müssen uns dagegen mit unseren Mitteln wehren.

Und dabei sind wir gut beraten, nicht selbstgerecht auf dem Erreichten zu insistieren, sondern unsere Fähigkeiten weiter zu schulen, um mit den Potentialen schöpferischen Tuns die soziale Kommunikation aus ihrer Erstarrung zu lösen. Wie dies aussehen kann, darauf gibt es keine einfachen Antworten - was jedoch gewiss ist: Einfach so weitermachen wie bisher ist keine Lösung.

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