BLOG

Sie wollte die Scheidung, weil ich das Geschirr in der Spüle stehen ließ

28/01/2016 13:40 CET | Aktualisiert 28/01/2017 11:12 CET
sdominick via Getty Images

Es hört sich so bescheuert an, wenn man es so ausdrückt: Meine Frau hat mich verlassen, weil ich manchmal das Geschirr in der Spüle stehen lasse.

Es lässt sie in einem unheimlich schlechten Licht dastehen und mich als Opfer unfairer Erwartungen.

Wir zeigen gerne mit dem Finger auf andere um zu erklären, warum manches einfach nicht funktioniert hat. Zum Bespiel als Biff Tannen George McFlys Auto gerammt hat und Bier über seine Kleidung kleckerte. Aber es war natürlich Georges Schuld, weil sich das Auto im toten Winkel befand.

Das hier ist schiefgelaufen, weil jenes passiert ist und dieses kam auch noch dazu. Es ist nicht meine Schuld!

Manchmal lasse ich Gläser, aus denen ich getrunken habe, in der Spüle in der Küche stehen. Zentimeter vom Geschirrspüler entfernt.

Es ist keine große Sache für mich. Es war auch keine große Sache für mich, als ich noch verheiratet war. Aber für sie war es das.

Jedes Mal, wenn sie in die Küche kam und ein Glas in der Spüle fand, brachte sie das ihrem Entschluss, auszuziehen und unsere Ehe zu beenden, ein Stück näher. Ich wusste es nur noch nicht.

Aber selbst wenn ich es gewusst hätte, so hätte ich an meinem Verhalten wohl kaum etwas geändert. Ich hätte stur versucht sie davon zu überzeugen, die Dinge auch mal aus meiner Sicht zu betrachten.

Die Redewendung „sich ins eigene Fleisch schneiden" passt hier ziemlich gut.

Männer sind keine Kinder, auch wenn sie sich kindisch verhalten.

Sich von anderen respektiert fühlen ist Männern wichtig.

Sich von seiner Frau respektiert fühlen ist wichtig für ein erfülltes Leben. Vielleicht hatte ich geglaubt, meine Frau sollte mich respektieren, weil ich vor dem Altar „Ja" gesagt hatte. Es wäre nicht das erste Mal, dass ich mich dumm verhalte. Eines ist mir jetzt klar: Ich habe nie die Verbindung gezogen zwischen dem Respekt meiner Frau und einem Glas, das ich in den Geschirrspüler räume.

Ich erinnere mich, dass meine Frau oft sagte, wie ermüdend es für sie sei, mir immer wieder sagen zu müssen, was ich zu tun hätte. „Ich hab's verstanden" ist mit Sicherheit das Tollste, was ein Partner in einer Beziehung sagen kann - und sich dann auch so zu verhalten.

Aber ich habe es immer so gesehen: „Wenn Du mir sagst, was ich zu tun habe, dann mache ich das auch."

Aber sie wollte nicht die Rolle meiner Mutter übernehmen.

Ich wünschte, ich hätte das damals erkannt.

Sie wollte mein Partner sein. Sie wollte, dass ich meine Intelligenz und mein Können nutze, um die logistischen Herausforderungen unseres Lebens und unseres Haushaltes zu meistern.

Sie wollte, dass ich selbst erkenne, was getan werden muss und den Haushalt auf meine Weise manage.

Ich wünschte, ich hätte das damals erkannt.

Männer können mit anpacken.

Männer haben Flugzeuge erfunden. Männer haben den Beweis für das heliozentrische Sonnensystem geliefert, sie haben belegt, dass die Erde um die Sonne kreist. Männer entwerfen und bauen Wolkenkratzer. Sie transplantieren Organe und retten Leben. Das ist unglaublich.

Männer sind unheimlich gut darin, Dinge zu schaffen und mitanzupacken.

„Sie wollte, dass ich selbst erkenne, was getan werden muss und den Haushalt auf meine Weise manage. Ich wünschte, ich hätte das damals erkannt."

Männer können überhaupt sehr viele der Dinge schaffen, über die sich unsere Frauen immer beschweren. Was wir nicht können, ist Gedanken lesen. Oder vorhersehen, wie Frauen über bestimmte Dinge denken, denn die männlichen und weiblichen emotionalen Antworten unterscheiden sich auf dramatische Weise.

„Hey Matt, warum lässt Du das Glas in der Spüle stehen und stellst es nicht einfach in den Geschirrspüler?"

Einige der Gründe:

1. Ich benutze es vielleicht nochmal.

2. Es ist mir egal, ob das Glas da steht, wenn vielleicht Gäste vorbeikommen.

3. Ein Glas in der Spüle wird mir immer gänzlich egal sein. Es ist einfach so. Alles andere wäre unmöglich. Es ist, als würde man mich bitten, mir häkeln als Hobby zuzulegen. Oder Gartenarbeit. Ich will nichts häkeln. Und die Gartenarbeit wird nie einen größeren Reiz auf mich ausüben, als all die anderen Dinge, die man stattdessen tun könnte.

Es gibt nur einen Grund, aus dem ich das Glas in Zukunft nicht mehr in der Spüle stehen lassen würde. Eine Lehre, die ich viel zu spät daraus ziehe: Weil ich meinen Partner liebe und respektiere und es ihr WIRKLICH wichtig ist.

Ich verstehe, dass es sie verletzt, wenn ich das Glas dort stehen lasse. Es tut ihr weh. Denn für sie fühlt es sich an, als hätte ich gesagt: „Hey. Ich respektiere dich nicht und für deine Werte und Gedanken habe ich nichts übrig. Mir die vier Sekunden Zeit zu nehmen, die es dauert, das Glas in den Geschirrspüler zu stellen, bist Du mir nicht wert."

Es geht um eine liebevolle Geste.

Und plötzlich geht es nicht mehr um so etwas Banales, wie dreckiges Geschirr.

Es geht um eine liebevolle Geste, einen netten Gefallen. Und ernsthaft? Vier Sekunden? Das scheint mir nicht allzu viel für jemanden, der täglich so viel für mich tut.

Ich muss gar nicht verstehen, warum ihr das dumme Glas so wichtig ist.

Ich muss nur verstehen und respektieren, dass es nun einmal so ist.

1. Sie ist mir wichtig = ich stelle das Glas in den Geschirrspüler

2. Sie ist mir wichtig = ich lasse die Wäsche nicht auf dem Boden liegen.

3. Sie ist mir wichtig = ich laufe nicht mit dreckigen Schuhen über den Boden, den sie grade so sorgfältig gewischt hat.

4. Sie ist mir wichtig = ich kümmere mich um die Kinder, damit sie kurz Pause machen und sich entspannen kann.

5. Sie ist mir wichtig = „Hey Schatz, soll ich dir auf meinem Heimweg irgendwas mitbringen? Womit kann ich dir eine Freude machen?"

6. Sie ist mir wichtig = Tausend kleine Dinge, die „ich liebe dich" bedeuten. Viel mehr, als die Worte laut auszusprechen.

Ja, es ist so einfach.

Ein Mann, der dazu in der Lage ist, sein Verhalten zu ändern, selbst, wenn er ihren Denkprozess nicht versteht oder ihm zustimmt, kann eine großartige Beziehung führen.

Männer wollen für ihr Recht kämpfen, das Glas dort stehen lassen zu dürfen.

„Komm mal klar, Frau", denken wir. Ich opfere schon eine Menge für dich, und du gehst mir auf die Nerven, weil ich EIN Glas in der Spüle stehen lasse? Das kleine bescheuerte Glas, das ich in vier Sekunden in den Geschirrspüler stellen könnte, was ich auch tun würde, wenn ich es einsehen würde, dass dieses Glas dir so wichtig ist, dass du mir eine Szene machst? Du ruinierst einen friedlichen ruhigen Abend, weil du dich mit mir über ein Glas streiten willst?

Nach allem, was ich für dich tue, um dir dieses Leben zu ermöglichen - Dinge, für die ich nie ein „Danke" höre (und um das ich nicht bitte), da machst du das Glas in der Spüle zu einem Eheproblem?

Selbst wenn ich es versuchen würde, könnte ich diese Kleinbürgerlichkeit nicht verstehen. Wenn Du das Glas im Geschirrspüler haben willst, dann stelle es doch selbst rein und mache nicht so einen riesen Wirbel drum. Sonst stelle ich es weg, wenn Leute vorbeikommen, oder wenn ich es nicht mehr brauche. Das ist ein bescheuerter Streit, der zudem unfair ist und ich werde dir zu Liebe nicht nachgeben."

Der Mann will sich von seiner Frau nicht scheiden lassen, weil sie ihm wegen des Glases eine Szene macht. Für ihn ist das total belanglos und nicht nachvollziehbar. Er will, dass sie ihm zustimmt, wenn er das ganze mal relativiert. Ein Glas, das in der Spüle steht, dort niemanden stört und das niemand dort sieht. Die Lösung des Problems nimmt vier Sekunden in Anspruch, aber das Ganze ist doch überhaupt keine große Sache. Sie sollte einfach mal einsehen, wie spießig und unbedeutend die Angelegenheit in Relation zum großen Ganzen ist. Er wartet einfach ab, irgendwann wird sie es schon einsehen und ihm zustimmen.

Der Mann will seinen Kampf austragen, weil er sich im Recht fühlt.

Aber das wird nicht passieren. Denn für sie geht es eigentlich gar nicht um das Glas. Die Glas-Situation könnte jede erdenkliche Situation sein, in der sie sich von ihrem Mann nicht respektiert und wertgeschätzt fühlt.

Die Frau will sich nicht scheiden lassen, weil ihr Mann benutzte Gläser in der Spüle stehen lässt.

Sie will sich scheiden lassen, weil sie das Gefühl hat, von ihrem Mann nicht respektiert und geschätzt zu werden, was den Schluss zulässt, dass er sie nicht liebt. Sie kann sich nicht darauf verlassen, dass er der Partner fürs Leben ist. Sie kann ihm nicht vertrauen. Sie kann sich mit ihm nicht sicher fühlen. Deshalb muss sie ihn verlassen und sich ein neues Umfeld aufbauen, in dem sie sich wohl und sicher fühlt.

„Die Frau will sich nicht scheiden lassen, weil ihr Mann benutzte Gläser in der Spüle stehen lässt. Sie will sich scheiden lassen, weil sie das Gefühl hat, von ihrem Mann nicht respektiert und geschätzt zu werden..."

In der Theorie sieht das so aus: Der Mann will seinen Kampf austragen, weil er sich im Recht fühlt (ich tendiere dazu, ihm zuzustimmen): Das dreckige Glas ist nicht wichtiger als ehelicher Frieden.

Wenn seine Frau wie er denkt und fühlt, dann steht es ihm zu, sich zu verteidigen. Leider aber wissen die meisten Kerle nicht, dass es in dieses Kämpfen nicht um das Glas geht. Sie kämpft für Anerkennung, Respekt, Gleichberechtigung und seine Liebe.

Wenn er das wüsste, wenn er dieses Geheimnis, in das sie ihn nie so eingeweiht hat, dass es sich für ihn nicht wie etwas völlig Verrücktes anhört (ein inkonsequenter Emo-Moment, der schon wieder vorbeigeht), verstehen würde, und dass diese Glas-Situation und noch viele andere ähnliche Streitereien letztendlich das Ende seiner Ehe herbeiführen würden, dann denke ich, würde er das alles noch einmal überdenken. Er würde sich genau überlegen, welche Kämpfe er wirklich austragen will. Und er würde öfter mal etwas tun, von dem er weiß, dass es seiner Frau eine Freude macht, sie sich geliebt und sicher fühlt.

Ich denke oft, dass Ehefrauen mir wohl nicht zustimmen. Sie glauben nicht, dass ihre Männer nicht wissen, wie sehr ihr Verhalten sie verletzt. So oft schon haben sie ihre Männer darauf hingewiesen, manchmal mit Tränen in den Augen. Immer und immer wieder.

Und das ist wichtig: Einen Mann auf etwas hinzuweisen, das in seinen Augen keinen Sinn ergibt, einmal oder tausendmal, führt nicht dazu, er es anschließend auch „weiß". Richtig oder falsch, er würde sich nie verletzt fühlen, wenn die Situation andersrum wäre. Warum also SOLLTE sich seine Frau verletzt fühlen?

„Ich mache dir nie Vorhaltungen, wenn du etwas tust, das mir nicht gefällt!" - so funktioniert der männliche Verstand. Als würden Frauen sich bewusst verletzt und missverstanden fühlen WOLLEN.

Wenn du dich für die Liebe zu jemandem entscheidest, dann macht es dir Freude, Dinge zu tun, die euer Leben bereichern und euch enger aneinander binden. Es sind keine Pflichten.

So läuft es nicht ab: Idiot, ich muss schon wieder diesen Mist für meine Frau machen. Es ist viel mehr: Ich bin dankbar für eine weitere Möglichkeit, meiner Frau zu zeigen, dass sie an erster Stelle steht und dass sie sich auf mich verlassen kann, dass ich für sie da bin. Sie muss nicht irgendwo anders nach Glück und Erfüllung suchen.

Wenn man erst einmal dahinter gekommen ist, wie ein Mann den Glas-Konflikt (der ihn nie emotional treffen wird) lösen kann, ohne dass sich seine Frau dabei tief verletzt, alleine, traurig, ungeliebt, verlassen, verängstigt und nicht respektiert usw. fühlt.... Wenn Männer das wirklich begreifen und es als wahr akzeptieren, auch wenn es in ihren Augen keinen Sinn ergibt, dann wird es vieles für immer verändern.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.