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Erst "Happy" und dann "End"?

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Betsie Van der Meer via Getty Images
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Wir suchen es alle: Das Happyend. Aber es tritt oft genug getrennt auf, erst "happy" und dann "end". Was tun wir, wenn aus der Liebe, die wir für uns beide als exklusiv erleben wollten, "Nächstenliebe" wird? Eine Liebe, die wir zu unseren Kindern fühlen, zu unserem Partner und auch zu anderen Freunden und Freundinnen. Das scheint doch unser Hauptproblem zu sein, dass wir die Exklusivität nicht halten und nicht garantieren können.

Wir suchen den Partner fürs Leben und behaupten, es gibt nur einen. Es ist eben nur eine Behauptung, die dadurch nicht wahrer wird, dass sich manche nicht mehr für andere Menschen öffnen wollen. Mit dem Ideal im Kopf von der großen, einzig wahren Liebe, die für immer hält, am besten für ewig, sind wir ganz schön ins Schlingern geraten.

Bis dass der Tod uns scheidet

Was millionenfach geblieben ist, ist Enttäuschung, basierend auf der Vorstellung, dass die Worte "Bis dass der Tod uns scheidet" eine Garantie sein könnten. Diese Worte drücken eben nur unsere Sehnsucht nach Unvergänglichkeit, Sicherheit und Absolutem aus. Und vielleicht steht auch die kindliche Idee dahinter: "Jetzt hab ich dich und mich fest im Griff, jetzt passiert uns nichts mehr."

Es könnte also Zeit werden, genauer hinzuschauen, was sich da an Idealisierungen und schwächenden Bildern in unseren Hirnwindungen herumdrückt.

Ich fange gleich einmal bei mir selbst an. Heute bin ich 54. Ich habe bisher mehrere "Frauen meines Lebens" kennengelernt. Jede war, zu der Zeit, in der ich mit ihr zusammen war, "die wichtigste Frau in meinem Leben". Allen fühle ich mich nahe und von jeder Frau konnte ich lernen. Ich habe Fehler gemacht und mich blöd benommen und würde heute, in der Rückschau, manches anders machen. Und doch kann ich die Zeit nicht zurückdrehen.

Erst durch den Schmerz, den ich bei ihr sah und bei mir spürte, konnte ich mich ändern. Mit einer Frau wurden mir zwei wundervolle Kinder geschenkt, wir sind bis heute in Freundschaft verbunden und fühlen uns als Familie. Mit meiner Partnerin heute verbindet mich so viel, dass es ein Buch füllen würde.

Ich halte nichts von Ehegarantien und Versprechungen

Ich habe erlebt, dass mein Wunsch nach der einzig wahren Partnerin eigentlich eine totale Überforderung war - für mich wie für die Partnerin. Deshalb habe ich auch nie etwas von Ehegarantien und absoluten Versprechungen gehalten. Mir scheint es besser, sich oder den anderen nicht damit unter Druck zu setzen.

Wenn man gerne die absolute Treue schwören möchte, könnte man das ja für sich tun und sich einfach daran halten und es dem Partner nach dreißig Ehejahren als unverhofftes Geschenk machen. Aber oft wird dieser Schwur als moralisches Druckmittel sich selber oder dem Partner gegenüber verwendet, um konstruierten Gesetzen, Erwartungen und dem eigenen Rollenverständnis zu genügen.

Ehepartner lassen sich mit rituellen Worten und Taten nicht fester aneinander binden.

Sie fühlen sich miteinander verbunden, wenn sie erlebt haben, dass auf den Partner Verlass ist, dass sie zusammenhalten, wenn es schwierig wird. Vielleicht sogar über eine Trennung hinaus.

Und dann wären wir wieder beim Ausgangspunkt der Überlegungen: Aus einer exklusiven Liebe eine wirkliche Nächstenliebe werden zu lassen. Was könnte uns Besseres passieren, als angetrieben von der Verliebtheit - sozusagen als Leuchtfeuer - eine Liebe in unserer Partnerschaft werden zu lassen, die uns fast absichtslos miteinander verbindet?

Eine Partnerliebe, die sich nicht nur an Exklusivität, Einmaligkeit und Ausschlusskriterien orientiert, sondern eine Partnerliebe, die auf gegenseitigem Wachstum durch Lernen und einem Wohlwollen über den Tag hinaus beruht. Das wäre das, was wir in der Tiefe unseres Herzens suchen - bedingungslos geliebt zu werden und vorbehaltlos lieben zu können.

Ich bin Realist genug, um dies als ein hohes Ziel zu sehen, das manche nicht erreichen wollen. Für mich ist es ein Ziel, das sich beim Gehen ergeben hat. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich mich aus meiner Eifersucht, Kleindenkerei und einigen anderen Rucksackfüllungen befreien könnte. Na ja, ich arbeite noch dran.

Liebe ist doch immer jetzt!

Wahre Liebe ist das Ende der Ewigkeit. Liebe ist nur jetzt. Und wenn wir sie festhalten wollen mit Garantien oder Zusagen, macht sie sich auf und davon - ohne dass manche es merken.

Liebe ist Verwandlung von mir und dir. Wenn wir den nötigen Mut dazu nicht haben, fliegt sie weiter, und wir bleiben zurück, einfach so, nicht als Strafe. Diese Liebe wartet nur darauf, wieder umzukehren. Wenn wir uns nicht mehr wehren, einfach weitergehen, findet sie uns wieder. Du musst nur weitergehen. Mit deinem Strahlen deine Liebe rufen, sie hört dich. Dich erinnern, wie sich geliebt werden anfühlt. Lieben, nicht um geliebt zu werden, sondern um zu lieben.

Wir können nicht verhindern, das zu sein, was wir sind, und wir können werden, wie wir uns geträumt haben. Wenn wir wollen, dass sich etwas in unserer Partnerschaft verändert, müssen wir damit anfangen. Es wird kein anderer tun, und es wird nicht von selbst geschehen.

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Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Chancen verlieben sich von Mathias Voelchert

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