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Stressratgeber: So klappt's endlich mit dem Burn-out

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STRESS
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Schlafen kannst du, wenn du tot bist - Mehr ist besser

Im Job wird ab sofort alles gegeben! Morgens keine Minute früher in der Firma als erforderlich, montags bis donnerstags pünktlich zum Abendessen am heimischen Esstisch und am Freitag schon um 15:00 Uhr zuhause, um im Garten zu werkeln?

Wenn dein Alltag bislang so ausgesehen hat, dann ist es ja klar, dass das mit dem Burn-out nie was wird. Richtig reinhängen. Bis zur Selbstaufgabe arbeiten. In der Früh als Erster am Schreibtisch und nachts als Letzter das Licht ausmachen - so sieht dein Leben jetzt aus.

Oder glaubst du, Harald Krüger, Chef von BMW, ist bei der IAA Pressekonferenz im Herbst 2015 wegen der schlechten Luft im Saal zusammengebrochen? Nein, natürlich nicht! Der hatte sich einfach völlig verausgabt, hat 70, 80 Stunden pro Woche geschuftet.

Komm mir jetzt bitte nicht mit dem Work-Life-Balance-Gedöns. Wer irgendwas von echter Arbeit versteht, wer sich verantwortlich für das deutsche Bruttosozialprodukt fühlt, wer auch nur einen Funken Leistungswillen in sich trägt, der geht mit Eifer und Freude ins Büro. Wirf dein veraltetes Verständnis von Arbeit und Privatem über Bord.

Ist jetzt alles eins - Leben, Arbeiten, Freizeit

Hallo, wir leben im 21. Jahrhundert! Da gelten andere Spielregeln. Ist jetzt alles eins - Leben, Arbeiten, Freizeit. Lass dir nicht einreden, es wäre schlecht für dich, länger als acht oder neun Stunden am Tag zu arbeiten.

Es gilt der banale Zusammenhang: Mehr ist besser. Oder willst du das bestreiten? Zwei Kugeln Schokoeis sind besser als eine; zwei neue Blusen sind besser als eine; zwei Autos in der Garage sind besser als eins. Dementsprechend sind elf Stunden am Schreibtisch auch besser als acht. Was, du kommst mir jetzt mit dem deutschen Arbeitszeitgesetz?

Dieses Gesetz ist für andere gemacht, für die ewig Gestrigen, für das ganze Gewerkschaftspack und all die Sozialromantiker. Für dich ist das Gesetz quasi nicht existent. Dein Engagement kennt künftig keine zeitlichen Grenzen mehr. Du lässt dich nicht durch irgendwelche Paragrafen limitieren. Das wäre ja gelacht.

Wenn schon normale LKW-Fahrer die vorgeschriebenen Lenkzeiten galant ignorieren, dann kannst du das allemal bei deinen vertraglich festgeschriebenen Arbeitszeiten. Du hast ja nicht mal einen Fahrtenschreiber, den du manipulieren musst.

Ausstempeln und zurück an den Arbeitsplatz

Das ist doch das Tolle an "Vertrauensarbeitszeit" - niemand wird dich ermahnen, weil du zu viele Überstunden gemacht hast. Wenn in deiner Firma eines dieser modernen Zeiterfassungssysteme verwendet wird, dann kann das Fluch und Segen für dich bedeuten. Wenn lediglich der Zeitpunkt deines Ein- beziehungsweise Ausstempelns festgehalten wird, dann ist das fantastisch.

Dann hast du deine (langen) Arbeitszeiten sogar schwarz auf weiß. Problematisch wird es dann, wenn ihr so einen pingeligen Gesundheitsbeauftragten oder eine pedantische Personalabteilung habt, die deine Arbeitszeiten überprüfen und dich ermahnen, wenn deine Sollarbeitszeit überschritten ist.

In einem solchen Fall eilst du gerade rechtzeitig vor Ablauf der Höchstarbeitszeit zur Stechuhr, stempelst aus, gehst dann wieder zurück an deinen Arbeitsplatz und schaffst dort munter weiter.

Aber was ist, wenn deine Firma das mit den Arbeitszeiten wirklich übergenau nimmt und sogar den Wachdienst angewiesen hat, alle Mitarbeiter, die sich nach 20:00 Uhr noch im Büro befinden, zum Verlassen des Firmengebäudes aufzufordern?

Dialog mit dem Wachdienst

Davon lässt du dich natürlich nicht abschrecken. Du bist ja schließlich nicht vor die Wand gelaufen und hast immer die richtigen Antworten parat. Wie du den freundlichen Herrn in schwarzer Kleidung zu deinem Verbündeten machst, zeige ich dir in folgendem Dialog:

Herr Brandstetter, Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Securitazz: Na, so spät noch im Büro (kollegial)?
Du: Ach ja, die Arbeit, die Arbeit. Wenn man sich nicht selbst um alles kümmert, dann wird's ja doch nix (müde, resignierend).

Aber jetzt sollten Sie schon mal Feierabend machen (in väterlichem Ton).
Um Gotteswillen - das kann ich nicht. Ich habe noch einen Haufen zu erledigen. Das wird noch ein paar Stunden dauern (mitleidserweckend formuliert).

Das geht aber nicht. Sie kennen doch die internen Anweisungen, dass sich nach 21:00 Uhr niemand mehr im Firmengebäude aufhalten darf (etwas strenger vorgebracht).
Das haben sich die hohen Herren von der Geschäftsleitung ja fein ausgedacht. Kommen Sie, Herr Brandstetter, Sie wissen doch genau, dass das wieder so eine unsinnige Regel ist. Die haben ja null Ahnung, was wir hier an der Front so alles leisten (dabei legst du gönnerhaft deinen Arm auf Herrn Brandstetters Schulter).

Tut mir leid, aber ich kann da keine Ausnahme machen, sonst bekomme ich Ärger (bemüht, sehr bestimmt zu klingen).
Brandstetter, jetzt stellen Sie sich mal nicht so an. Kommen Sie mal her (du führst ihn zu deinem Bürokühlschrank und öffnest die Türe). Mit was darf ich Sie denn erfreuen (jovial)? Ein Stück Krakauer oder lieber was vom Kaminwurz?

Das ist sehr nett, ich muss jedoch darauf bestehen, dass Sie nun Schluss machen (verlegen).
Zssssh (du ziehst die Luft durch die Zähne ein). Wissen Sie eigentlich, an welch' wichtigem Projekt ich gerade arbeite (genervt)? Ich darf keine Details nennen - top secret, Sie verstehen schon. Nur so viel: Dieses Projekt ist entscheidend für den Fortbestand des gesamten Unternehmens. Ich wiederhole: des gesamten Unternehmens. Wenn das Projekt floppt, dann sind auch Sie Ihren Job los (du fixierst ihn eindringlich).

Das mag alles sein, meinen Job bin ich jedoch ganz sicher los, wenn rauskommt, dass ich Sie
entgegen der Vorschriften länger im Büro gelassen haben (nun wieder ganz entschlossen).

Braaaaaaandstetter! In welcher Welt leben Sie eigentlich? Sie haben ja echt null Plan. Aber wenn
ich Sie nicht mit Argumenten überzeugen kann, dann muss ich wohl die harte Tour fahren (triumphierend).

Was soll das denn heißen (verwirrt)?
Sie sind doch verheiratet?

Ja, und zwar sehr glücklich seit 23 Jahren mit meiner Marianne. Aber was hat das damit zu tun, dass Sie hier nun Schluss machen sollen (noch mehr verwundert)?
Och Gottchen, jetzt stellen Sie sich mal nicht dümmer als Sie sind. Marianne wäre bestimmt nicht sonderlich erfreut, wenn Sie ein Foto zu sehen bekäme, auf dem Sie in unzweideutiger Pose mit Elena abgebildet sind, oder?

Elena? Die russische Putzfrau (total verdutzt)?
Genau mit der!

Aber ich hab' doch nie was mit Elena gehabt (entrüstet)!
Na und! (du verziehst deine Augen nach oben) Wissen Sie, ich bin perfekt in digitaler Bildbearbeitung. Das ist kein Problem für mich, so ein Bild am Computer zu erstellen. Also, was nun: Kann ich länger bleiben oder soll Marianne anonyme Post bekommen (genervt)?

Herr Brandstetter verlässt kopfschüttelnd dein Büro.

Wenn du auf diese oder ähnliche Weise mit dem Sicherheitsdienst umgehst, dann sollte das Thema gegessen sein. Halten wir fest: Von nun an verbringst du so viel Zeit wie eben möglich an deinem Schreibtisch.

Innerhalb der normalen Arbeitszeiten solltest du auch keine Schwierigkeiten haben, dich mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen, schließlich hat die Kantine oder die Imbissbude gegenüber geöffnet.

Aber was ist nach 18:00 Uhr, wenn kein Food-Truck mehr auf dem Hof parkt? Du willst doch nicht, nur weil du Hunger hast, früher nach Hause gehen? Deshalb musst du vorsorgen und dir einen Vorrat an Essbarem zulegen.

Übung: Dein Survivalpackage für das Büro

Um nicht hungerbedingt früher als nötig nach Hause gehen zu müssen, solltest du dir folgende Ausstattung besorgen:

  • Wasserkocher
  • Minikühlschrank (zum Beispiel erhältlich im Camping-Fachhandel)
  • Mikrowelle (sind heute wirklich nicht mehr teuer; achte auf ein ausreichend großes Innenvolumen - 25 Liter sollten es schon sein)

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Was gehört in deine Büro-Speisekammer? Hier ein paar Anregungen:

  • Schokoriegel - Geschmacksrichtung egal (der ideale, schnelle Energielieferant)
  • Gummibärchen (beruhigen zugleich den Geist)
  • Chips und Salzgebäck (aber aufpassen: nicht über der Tastatur essen - Krümel könnten in die Zwischenräume gelangen)
  • Tütensuppen (der preisgünstigste Snack)
  • Instant-Nudeln (sehr lecker sind die asiatischen Varianten)
  • Fertiggerichte (sind viel besser als ihr Ruf! Lassen sich heute sogar online bestellen und direkt in die ) Firma liefern. Vom "Gegrillten Haxenfleisch mit Kümmelsoße, dazu Bayrisch Kraut und deftigen Speckklößen" bis zum "Schlemmergeschnetzelten in Paprika-Rahmsoße mit Gartengemüse und Bandnudeln" findest du im Netz alles, was dein Gaumen begehrt)
  • Hartwürste/Salamis (erhältlich beim Discounter)

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "So klappt's endlich mit dem Burn-out. Der ultimative Anti-Ratgeber für gestresste Menschen" von Prof. Dr. Martin-Niels Däfler (Gütersloher Verlagshaus). Hier könnt ihr das Buch kaufen.

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