BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Martin Roos Headshot

Wie das Silicon Valley das Buch, wie wir es heute kennen, abschafft

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
BUCH
Thinkstock
Drucken

Eine der wichtigsten Figuren unter den heutigen Computerwissenschaftlern ist Jaron Lanier. In seinem neuesten Buch ÔÇ×Wem geh├Ârt die Zukunft?" erz├Ąhlt er von einer Begegnung mit den Alphatieren der Internetbranche: Auf einer, nicht wie sonst allzu langweiligen Dinnerparty im Silicon Valley sitzt er zwischen Amazon-Boss Jeff Bezos und Google-Man Eric Schmidt.

W├Ąhrend man sich zun├Ąchst um gesittetes Verhalten bem├╝ht, bemerkt Lanier, dass die beiden Herren neben ihm immer unruhiger werden. Endlich entl├Ądt sich zwischen ihnen ein Hahnenkampf, indem sich Bezos und Schmidt von links und rechts ├╝ber Laniers Kopf hinweg klarzumachen versuchten, warum der eine und nicht der andere bald in der Lage sein w├╝rde, die ganze B├╝cherwelt zu ├╝bernehmen.

Lanier, einigerma├čen entgeistert von derma├čen ausgereifter Machtlust und Eitelkeit, tupft sich die ohnehin schon vom Schweigen trockenen Lippen, sch├╝ttelt kurz seine Rasta-M├Ąhne, bedankt sich f├╝r das anregende Gespr├Ąch und geht heim.

Dort setzt er sich an den Computer und schreibt sein Kurz-Essay ├╝ber ÔÇ×B├╝cherschicksale". Hier seine wichtigsten acht Urteile ├╝ber die B├╝cherwelt von morgen - ├╝ber die man sagen kann: Die Zukunft wird nicht besser.

1. Es gibt zuk├╝nftig kaum ein Hindernis f├╝r einen Autor, ein Buch zu publizieren - abgesehen von der Klitzekleinigkeit, es vorher geschrieben zu haben.
2. Es werden viel mehr Informationen als je zuvor in buchstaben├Ąhnlicher Form erh├Ąltlich sein, aber insgesamt von geringer Qualit├Ąt.
3. Es wird zahlreiche von Algorithmen und in Ghostwriter-Fabriken geschriebene B├╝cher geben.
4. Leser vergeuden viel Zeit damit, sich mit vergessenen Passw├Ârtern, abgelaufenen Kreditkarten und unk├╝ndbaren Knebelvertr├Ągen f├╝r Leseger├Ąte und Provider herumzu├Ąrgern.
5. Technisch versierte Leser machen sich ├╝ber die weniger versierten lustig.
6. Das Lesen von B├╝chern, egal ob gedruckt oder elektronisch, wird billiger werden - die Honorare der Autoren damit auch. Die meisten Autoren verdienen ihr Geld vor allem mit Lesungen und Consulting.
7. Der Kampf um die Kunden dreht sich haupts├Ąchlich um die Mittel zum Auffinden von Lesematerial.
8. Und schlie├člich: Wenn es so weit ist, dass die meisten B├╝cher digital erscheinen, werden die Eigent├╝mer der wichtigsten Internetserver, die Lesestoff anbieten, m├Ąchtiger und reicher sein als je zuvor.