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Wie das Silicon Valley das Buch, wie wir es heute kennen, abschafft

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BUCH
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Eine der wichtigsten Figuren unter den heutigen Computerwissenschaftlern ist Jaron Lanier. In seinem neuesten Buch „Wem gehört die Zukunft?" erzählt er von einer Begegnung mit den Alphatieren der Internetbranche: Auf einer, nicht wie sonst allzu langweiligen Dinnerparty im Silicon Valley sitzt er zwischen Amazon-Boss Jeff Bezos und Google-Man Eric Schmidt.

Während man sich zunächst um gesittetes Verhalten bemüht, bemerkt Lanier, dass die beiden Herren neben ihm immer unruhiger werden. Endlich entlädt sich zwischen ihnen ein Hahnenkampf, indem sich Bezos und Schmidt von links und rechts über Laniers Kopf hinweg klarzumachen versuchten, warum der eine und nicht der andere bald in der Lage sein würde, die ganze Bücherwelt zu übernehmen.

Lanier, einigermaßen entgeistert von dermaßen ausgereifter Machtlust und Eitelkeit, tupft sich die ohnehin schon vom Schweigen trockenen Lippen, schüttelt kurz seine Rasta-Mähne, bedankt sich für das anregende Gespräch und geht heim.

Dort setzt er sich an den Computer und schreibt sein Kurz-Essay über „Bücherschicksale". Hier seine wichtigsten acht Urteile über die Bücherwelt von morgen - über die man sagen kann: Die Zukunft wird nicht besser.

1. Es gibt zukĂĽnftig kaum ein Hindernis fĂĽr einen Autor, ein Buch zu publizieren - abgesehen von der Klitzekleinigkeit, es vorher geschrieben zu haben.
2. Es werden viel mehr Informationen als je zuvor in buchstabenähnlicher Form erhältlich sein, aber insgesamt von geringer Qualität.
3. Es wird zahlreiche von Algorithmen und in Ghostwriter-Fabriken geschriebene BĂĽcher geben.
4. Leser vergeuden viel Zeit damit, sich mit vergessenen Passwörtern, abgelaufenen Kreditkarten und unkündbaren Knebelverträgen für Lesegeräte und Provider herumzuärgern.
5. Technisch versierte Leser machen sich ĂĽber die weniger versierten lustig.
6. Das Lesen von BĂĽchern, egal ob gedruckt oder elektronisch, wird billiger werden - die Honorare der Autoren damit auch. Die meisten Autoren verdienen ihr Geld vor allem mit Lesungen und Consulting.
7. Der Kampf um die Kunden dreht sich hauptsächlich um die Mittel zum Auffinden von Lesematerial.
8. Und schließlich: Wenn es so weit ist, dass die meisten Bücher digital erscheinen, werden die Eigentümer der wichtigsten Internetserver, die Lesestoff anbieten, mächtiger und reicher sein als je zuvor.